Forschung, die ankommt
Wie gelangen wissenschaftliche Erkenntnisse dorthin, wo sie gebraucht werden? Dieser Frage widmete sich der Tag der Ressortforschung 2026 des BMLUK. Unter dem Motto „Forschung, die ankommt“ diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Medien und Praxis in der Wiener Urania über die Bedeutung von Wissenschaftskommunikation, Wissenstransfer und den Dialog mit der Gesellschaft.
Forschung schafft die Grundlage für Innovationen, politische Entscheidungen und nachhaltige Entwicklungen. Damit wissenschaftliche Erkenntnisse jedoch Wirkung entfalten können, müssen sie verständlich vermittelt und in die Praxis übersetzt werden. Der Tag der Ressortforschung 2026 stellte daher die Frage in den Mittelpunkt, wie Forschung kommuniziert werden kann, um die Menschen besser zu erreichen und auf gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren.
Aufruf Wissenschaftskommunikation
Dafür stellt das BMLUK auch Geld bereit und unterstützt innovative Vorhaben und Kommunikationsformate. Mit dem Aufruf „Wissenschaftskommunikation“ werden Kommunikationsmaßnahmen gefördert, die Forschungsergebnisse aus aktuellen DaFNE-Projekten verständlich, wirksam und zielgruppengerecht zugänglich machen. Im Fokus stehen innovative Formate, die den Dialog stärken und zentrale Zukunftsthemen sichtbarer machen. Für die Umsetzung konkreter Projekte stehen insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung. Einreichungen sind bis 15. September 2026 über dafne.at möglich. Ergänzend werden optionale Coachings angeboten, die Forschende bei der Entwicklung prägnanter, praxisnaher und wirkungsvoller Wissenschaftskommunikation unterstützen.
Wissen und Wirkung
Bundesminister Norbert Totschnig betonte anlässlich des Tages der Ressortforschung die zentrale Bedeutung des Wissenstransfers: „Forschung schafft Wissen! Damit aus Wissen auch Wirkung wird, muss es dort ankommen, wo es gebraucht wird. Forschung wirkt, wenn sie Menschen erreicht, verstanden wird und in Entscheidungen einfließt. Dabei geht es nicht nur darum, Forschungsergebnisse verständlich zu machen. Es geht darum, wie wissenschaftliche Ergebnisse in einer Welt ankommen, in der täglich unzählige Informationen um Aufmerksamkeit konkurrieren.“
Für die Wissenschaftskommunikation gelten klare Regel, sagte Heinz Faßmann, Präsident Österreichische Akademie der Wissenschaften: „Forschungsergebnisse vereinfachen, auf den Punkt bringen und personalisieren.“ Um den „erheblichen Kommunikationsbedarf“ zu decken, müssten möglichst unterschiedliche Kanäle genutzt werden. Die Akademie der Wissenschaften setzt etwa auf die Akademie im Klassenzimmer, wo Forscherinnen und Forscher in die Schulen gehen.
Dialog und Interaktion
Die Keynotes von Hannah Schmid-Petri, Professorin für Wissenschaftskommunikation an der Universität Passau, und Petra Siegele, Bereichsleiterin Public Science in der OeAD, machten deutlich, dass exzellente Forschung allein nicht ausreicht.
„Gerade in der Klimakommunikation zeigt sich, dass nachhaltige Wirkung weniger durch massenhafte Reichweite als durch intensive Interaktion entsteht“, erklärte Schmid-Petri. Formate, die Forschende mit Bürgerinnen und Bürgern, Interessengruppen oder politischen Entscheidungsträgern ins Gespräch bringen, würden nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch helfen, Perspektiven, Sorgen und Interessenskonflikte besser zu verstehen.
Petra Siegele verwies auf die langfristige Verankerung von Wissenschaftskommunikation im Forschungssystem: „Vertrauen in Wissenschaft entsteht durch Verständnis für wissenschaftliche Arbeitsweisen, durch Dialog und durch aktive Beteiligung. Deshalb müssen Formate gestärkt werden, in denen Wissenschaft und Gesellschaft gemeinsam Wissen schaffen und Lösungen entwickeln.“
Auch BMLUK-Generalsekretär Johannes Abentung unterstrich die Bedeutung des Austauschs zwischen Forschung und Gesellschaft: „Der Dialog zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Öffentlichkeit ist kein ‚Nice-to-have‘ mehr. Er ist das entscheidende Werkzeug, um Vertrauen in die Wissenschaft zu stärken und Falschinformationen wirksam zu begegnen.“
Erfolgreiche Beispiele aus der Praxis
Wie Wissenschaftskommunikation bereits heute erfolgreich umgesetzt wird, zeigten mehrere Projekte aus dem Ressort. Vorgestellt wurde unter anderem die Podcast-Serie „Agrar Science – Wissen kompakt“ der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. In bereits mehr als 180 Folgen werden aktuelle Themen der Agrarforschung – insbesondere zur Anpassung an den Klimawandel – verständlich aufbereitet. Mit der Plattform Genblue setzt das BMLUK zudem auf neue Formate für junge Zielgruppen. Die Initiative vermittelt Wissen rund um das Thema Wasser und lädt zum Mitmachen und Mitgestalten ein.
Forschung für Boden, Wald, Wasser und Gesundheit
Die Vielfalt der Ressortforschung zeigte sich in den zahlreichen vorgestellten Projekten. Sie reichen von Landwirtschaft und Wald über Umwelt- und Gesundheitsschutz bis hin zu gesellschaftlichen Fragestellungen.
Das Projekt „Ackerschweine“ untersucht innovative und tierwohlorientierte Haltungsformen, bei denen Schweine möglichst naturnah auf landwirtschaftlichen Flächen gehalten werden. Dabei werden gleichzeitig Herausforderungen wie Grundwasserschutz und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt.
Mit „ReFoMo“ wird ein Konzept entwickelt, das die soziale und gesundheitliche Bedeutung klimafitter Wälder für die Bevölkerung systematisch erfassen soll.
Das Projekt „Drahtwurm-Control“ widmet sich einem zunehmend drängenden Problem im Ackerbau. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Strategien gegen Drahtwürmer, deren Bekämpfung mit herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln immer schwieriger wird.
Vorgestellt wurde außerdem die Human Biomonitoring Plattform, die wichtige Daten zur Belastung von Mensch und Umwelt liefert und damit evidenzbasierte Entscheidungen im Gesundheits- und Umweltschutz unterstützt.
Die Beispiele verdeutlichten: Ressortforschung setzt dort an, wo konkrete Fragen entstehen – vom Feld über den Wald und die Gewässer bis hin zu Gesundheit, Bildung und regionaler Entwicklung.
Angewandte Forschung
Der Tag der Ressortforschung zeigte zugleich die strategische Bedeutung angewandter Forschung für die Zukunft Österreichs. Die Themenbereiche des BMLUK – von natürlichen Ressourcen über Klimaschutz bis zur regionalen Entwicklung – leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der FTI-Ziele in Österreich.
Gerade in Zeiten knapper Budgets, technologischer Umbrüche und steigender Anforderungen an Klima- und Ressourcenschutz braucht es Forschung, die Risiken früh erkennt, Zielkonflikte sichtbar macht und Wissen in konkrete Lösungen übersetzt. Ressortforschung unterstützt damit faktenbasierte Entscheidungen und stärkt Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz sowie nachhaltige Wertschöpfung.
Best-Practice-Beispiele
Neben Projektpräsentationen standen Best-Practice-Beispiele der Wissensvermittlung sowie eine Gesprächsrunde zu Wissenstransfer und Innovation auf dem Programm. Vorgestellt wurden unter anderem erfolgreiche Formate und Initiativen wie Ars Electronica Solutions, VISTA - Science Experience Center, das Science Center Netzwerk und Science Slams. Journalistinnen, Journalisten und Forschende diskutierten anschließend die Rolle der Kommunikation für Forschung und Entwicklung.
Gefragt, nach konkreten Beispielen, wo Forschung Wirkung erzielt habe, verwies Birgit Dalheimer (ORF-Wissen) auf die Corona-Impfung. Christian Bertsch (VISTA) betonte, dass seit 1946, dem Geburtsjahr seiner Mutter, die Lebenserwartung um 20 Jahr gestiegen sei. Auch das sei ein Ergebnis von Forschung. Wissenschaftsjournalist Martin Kugler wies auf die Problematik von „Vereinfachung und Verkürzung“ bei der Kommunikation von Forschung hin. Und Marianne Penker (BOKU University) betonte, Wissenschaftskommunikation brauche Emotion, aber vor allem auch Information.
Sektionsleiter Reinhard Mang zog zum Abschluss Bilanz: „Forschung kann nur wirken, wenn Kommunikation und Wissenstransfer von Anfang an mitgedacht werden. Gute Forschung allein reicht nicht aus. Gute Daten allein reichen nicht aus. Gute Ergebnisse allein reichen nicht aus. Entscheidend ist, ob Erkenntnisse verständlich, zugänglich und nutzbar werden.“
Blickpunkt Forschung
Besonders sichtbar wird die Vielfalt der Ressortforschung im Magazin „Blickpunkt Forschung“, das im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde. Die Publikation gibt Einblick in die Aktivitäten, Strukturen und Wirkungen der Forschung im BMLUK und zeigt, wie aus Wissen Fortschritt entsteht – für ein nachhaltiges, sicheres und lebenswertes Österreich. Das Magazin ist online verfügbar und kann über das BMLUK bestellt werden.
Weitere Informationen
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30.06.2026
Totschnig: Ressortforschung bringt Wissen dorthin, wo es gebraucht wird
Tag der Ressortforschung 2026 im Zeichen von Wissenschaftskommunikation und angewandter Forschung für Praxis, Politik und Gesellschaft -
Tag der Ressortforschung
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Ausgabejahr: 2026Blickpunkt Forschung
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Aufruf "Wissenschaftskommunikation" - Tag der Ressortforschung 2026
Wissenschaft verständlich machen und gemeinsam Zukunft gestalten: Das BMLUK fördert innovative Projekte, die Forschung greifbar und wirksam kommunizieren. Gesucht sind Vorhaben, die den Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit stärken. Bringen Sie Ihre Ideen ein und tragen Sie dazu bei, zentrale Zukunftsthemen sichtbar zu machen. Einreichungen bis 15.09.2026 möglich. -
Ausgabejahr: 2026Forschungsprogramm 2026-2030
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