Weltmilchtag
Der Weltmilchtag am 01. Juni bietet jährlich Anlass die große Bedeutung der Milchwirtschaft in den Mittelpunkt zu rücken. Sie ist tragendes Element der Berg- und Grünlandwirtschaft, sichert Einkommen und Arbeitsplätze in ländlichen Regionen, prägt unsere Kulturlandschaft und leistet einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Versorgung mit hochwertigen Lebensmitteln.
Die Kombination aus Grünland, Weidewirtschaft und Milchviehhaltung hat ein nachhaltiges Produktionssystem entstehen lassen, das ökonomische Stabilität, ökologische Leistungen und kulturelle Identität vereint.
Milchwirtschaft sichert Wertschöpfung
Von Österreichs landwirtschaftlicher Nutzfläche sind fast 60 % Grünland, und daher stellen Rinderhaltung und Milchproduktion die wichtigsten Produktionszweige der Landwirtschaft dar.
Die Milch ist mit einem Anteil von 19,6 % am Produktionswert der Landwirtschaft der wichtigste Sektor. Wenn von Milch die Rede ist, ist in erster Linie Kuhmilch gemeint. Die Milch anderer Tierarten, wie zum Beispiel Schafe oder Ziegen, haben nur eine untergeordnete Bedeutung in Österreich.
Strukturelle Bedeutung der Milchwirtschaft in Österreich
Die österreichische Landwirtschaft ist traditionell kleinstrukturiert, familiengeführt und stark von Dauergrünland geprägt. Die Milchwirtschaft nimmt in diesem Gefüge eine Schlüsselrolle ein:
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Hoher Grünlandanteil: Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche Österreichs ist Grünland, das sich besonders für die Futtererzeugung für Wiederkäuer eignet. Milchviehbetriebe nutzen diese Flächen überwiegend extensiv und tragen so zur Erhaltung artenreicher Wiesen und Weiden bei.
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Familienbetriebe als Rückgrat: Die Mehrzahl der Milchviehbetriebe wird im Familienverbund geführt.
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Regionale Verankerung: Milcherfassung, Verarbeitung und Vermarktung sind stark regional organisiert. Molkereien, Käsereien und Verarbeitungsbetriebe bilden in vielen Tälern zentrale wirtschaftliche Knotenpunkte.
Milch ist damit nicht nur ein wichtiges Lebensmittel, sondern auch ein Motor regionaler Wertschöpfungsketten – von der Futterproduktion über die Verarbeitung bis hin zum Vertrieb und Tourismus.
Milchwirtschaft als Eckpfeiler der Berglandwirtschaft
Die Landwirtschaft im Berggebiet hat in Österreich eine große regionale, soziale und volkswirtschaftliche Bedeutung, da der überwiegende Teil der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe dort wirtschaftet und damit zur Erhaltung und Pflege dieses Lebensraumes einen entscheidenden Beitrag leistet.
Die Milchvieh- und Rinderhaltung stellen die für die Betriebe des Berggebietes mit Abstand wichtigsten Produktionsbereiche dar, wobei die Betriebe mit höchster Erschwernis oft fast ausschließlich von diesen Bereichen – neben der Forstwirtschaft – abhängig sind.
Ökologische Leistungen: Landschaftspflege und Biodiversität
Die österreichische Milchwirtschaft, insbesondere im Berggebiet, ist eng mit wertvollen ökologischen Leistungen verknüpft:
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Erhalt der Kulturlandschaft: Regelmäßige Beweidung und Mahd verhindern die Verbuschung von Flächen und schützen vor einer flächendeckenden Wiederbewaldung der montanen und subalpinen Zonen. Die offene Kulturlandschaft ist nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch prägend für das Landschaftsbild.
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Biodiversitätsförderung: Traditionell bewirtschaftete Wiesen und Weiden zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Durch angepasste Nutzungsintervalle und Weidehaltung entstehen Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.
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Boden- und Erosionsschutz: Durch die regelmäßige Beweidung von Bergwiesen und Almen durch Kühe, Ziegen und Schafe wird der Bewuchs kurzgehalten und der Untergrund befestigt. Die Wurzelsysteme der Gräser und Kräuter tragen wesentlich zur Sicherung sensibler Standorte bei.
Diese ökologischen Leistungen sind eng mit der Existenz und der Wirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung im Berggebiet verknüpft. Ein Rückgang der Milcherzeugung hätte nicht nur ökonomische, sondern auch weitreichende ökologische Folgen.
Weiterführende Informationen
Qualität, Tierwohl und Herkunft als zentrale Erfolgsfaktoren
Die österreichische Milchwirtschaft zeichnet sich durch hohe Qualitätsstandards und ein starkes Bewusstsein für Tierwohl und Herkunft aus. Die an heimische Molkereien angelieferte Milch ist zu 100 % gentechnikfrei und stammt zu 90 % aus Gebieten mit naturbedingten Nachteilen (Erschwernispunkten). Biomilch hat einen Anteil von 18 %, womit Österreich unangefochtener Europameister vor Dänemark, Schweden, Deutschland und Frankreich ist.
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Höchste Qualitätsstandards: Strenge gesetzliche Vorgaben und branchenspezifische Qualitätssicherungssysteme gewährleisten eine hohe Hygiene- und Lebensmittelsicherheit.
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Tierwohl: Eine tierwohlfördernde Haltung von landwirtschaftlichen Nutztieren hat eine hohe Bedeutung. Österreich bekennt sich zu besonders strengen Tierschutzvorschriften.
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Herkunft: Klare Kennzeichnungssysteme ermöglichen es den Konsumentinnen und Konsumenten, Herkunft und Qualität von Milchprodukten nachvollziehen zu können und bewusst regionale Produkte zu wählen.
Das AMA-Gütesiegel zur Auslobung der nationalen Herkunft und das Modul Tierhaltung Plus zur Kennzeichnung besonderer Haltungsformen sind daher wesentlich.
Heumilch
Bei der Heuwirtschaft handelt es sich um die ursprünglichste Form der Milcherzeugung. Heumilchkühe bekommen frische Gräser und Kräuter im Sommer sowie Heu im Winter. Als Ergänzung erhalten sie hochwertigen Getreideschrot. Das Heumilch-Gütesiegel garantiert die Herstellung von Produkten aus bester Milch, die gänzlich ohne vergorene Futtermittel wie Silage erzeugt werden.
Im Jahr 2024 wurde die traditionelle Heumilchwirtschaft im Alpenbogen von der FAO als landwirtschaftliches Kulturerbe von globaler Bedeutung anerkannt.
Weitere Informationen finden sie auf der Webseite der ARGE Heumilch
Zum Anlass des Weltmilchtages wird deutlich, dass die österreichische Milchwirtschaft weit über die reine Produktion von Milch hinausgeht. Der Weltmilchtag bietet damit nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zur bewussten Wertschätzung der Bäuerinnen und Bauern, die Tag für Tag mit ihrer Arbeit auf Höfen, Almen und in Verarbeitungsbetrieben die Grundlage für dieses erfolgreiche System legen.