Welternährungstag 2025: Papst Leo XIV beehrt FAO zum 80-jährigen Jubiläum
Jedes Jahr am 16. Oktober – dem Gründungstag der Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) – wird der Welternährungstag begangen. Damit soll der weltweiten Ernährungslage, der Bedeutung der multifunktionalen Landwirtschaft und der Bekämpfung des Hungers, der Unterernährung, Mangel- und Fehlernährung gedacht werden.
Heuer fällt der Gedenktag überdies mit dem 80-Jahr Jubiläum dieser Sonderorganisation der Vereinten Nationen zusammen. Das diesjährige Generalthema lautet: „Hand in Hand for Better Foods and Better Future“.
- Aufgaben der FAO
Die FAO wurde am 16. Oktober 1945 in Quebec (Kanada) gegründet. 1951 wurde ihr Hauptsitz nach Rom verlegt. Ihre Hauptaufgabe liegt in der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Grundlagen zur Verbesserung der Nahrungsmittelproduktion im Kampf gegen Hunger und Unterernährung. Dementsprechend sammelt sie Daten, erstellt Analysen, betreut praktische Projekte vor Ort, setzt universelle Standards und beobachtet die weltweite Lage auf dem Agrarmarkt einschließlich der Anzahl an Personen, die an Hunger und Unterernährung oder auch Übergewicht leiden. Bei dieser Aufgabe spielen heutzutage auch Themen wie Klimawandel, Erhaltung der Biodiversität, Bodengesundheit oder der Erhalt der Wasserressourcen eine Rolle, mit denen die landwirtschaftliche Erzeugung in Einklang zu bringen ist.
- State of Food and Nutrition (SOFI) 2025
Laut Schätzungen des letzten FAO Flagship Reports „State of Food and Nutrition“, präsentiert am 28. Juli 2025 bei einer UNO-Stocktaking Konferenz in Addis Abeba, litten 2024 ca. 8,2 Prozent der Weltbevölkerung beziehungsweise 673 Millionen Menschen unter Hunger. Dies entsprach einem Rückgang gegenüber 2023 um 0,3 Prozent und gegenüber 2022 um 0,5 Prozent. Problemgebiete bleiben jedoch der afrikanische Kontinent und der Westen Asiens. Die Vereinten Nationen selbst setzten sich zum Ziel, bis 2030 Hunger komplett auszulöschen (2. Nachhaltigkeitsziel). Demgegenüber schätzt der Bericht, dass 2030 noch mit ungefähr 512 Millionen chronisch unterernährten Menschen zu rechnen ist, davon 60 Prozent in Afrika.
- Veranstaltungen in Rom und weltweit
Der Welternährungstag ist regelmäßig ein Anlass, sich den weltweiten Ungleichheiten bei der Nahrungsmittelversorgung bewusst zu werden und regionale Initiativen zu präsentieren. Das Hauptevent fand auch diesmal im FAO Headquarter in Rom statt unter Beteiligung der Spitzen der drei römischen UN-Institutionen FAO, WFP und IFAD, einer Grußbotschaft des UNO-Generalsekretärs sowie prominenten Goodwill Botschaftern wie Königin Letizia aus Spanien oder König Letsi III aus Lesotho.
In seiner Eröffnungsansprache hob Generaldirektor Qu Dongyu die Erfolge seiner Organisation hervor. Der Anteil der Hungernden ging von 1945 bis heute von 80 Prozent auf 8 Prozent zurück. Die Welt produziere insgesamt genügend Nahrungsmittel, die Verfügbarkeit, der Zugang und die Leistbarkeit sind jedoch nicht für alle gleich. Die FAO fühlt sich den 4 Betters verpflichtet:
- eine bessere Produktion steht für Technologie, dass Bauern mehr erzeugen können mit weniger Input,
- eine bessere Ernährung bedeutet ausreichenden Zugang für alle zu gesunden, nahrhaften und leistbaren Lebensmitteln,
- eine gesunde Umwelt bedeutet Schutz des Boden, des Wassers und des Ökosystems für künftige Generationen und
- ein besseres Leben steht dafür, dass alle Menschen in Stabilität und Würde leben können.
Dementsprechend ist Hunger nicht nur Ursache, sondern auch die Folge einer multidimensionalen Armut, die durch umfassende, übersektorale und multilaterale Lösungsansätze bekämpft werden muss. Die FAO hat mitgeholfen, die tödliche Rinderpest auszurotten und damit die stabile Lebensgrundlage vieler Menschen wiederherzustellen. Der Codex Alimentarius wurde von der FAO implementiert, um internationale Standards zugunsten gesunder Lebensmittel zu schaffen. 2019 mobilisierte die FAO 231 Millionen US-Dollar zur Bekämpfung der Wüstenheuschrecke, die ganze Ernten in Afrika eliminierte. Er betonte die Bedeutung der Jugend, der Frauen und der Kleinbauern und zitierte abschließend ein chinesisches Sprichwort „Wenn die Getreidespeicher voll sind, herrscht in der Welt Frieden“.
Ehrengast und Hauptredner war Papst Leo XIV, der heuer sogar persönlich teilnahm. Er betonte in seiner Rede, dass dieser Anlass Grund genug sei, unser Gewissen zu überprüfen. Das Ziel „Null Hunger“ könne nur dann erreicht werden, wenn ein wirklicher Wille dazu besteht und nicht nur in feierliche Erklärungen. Er bedauerte, dass trotz technologischer, wissenschaftlicher und produktiver Fortschritte 673 Millionen Menschen hungrig zu Bett gehen und weitere 2,3 Milliarden Menschen sich keine angemessene, nährstoffreiche Ernährung leisten können. Er erinnerte, dass sich hinter diesen Zahlen Schicksale befinden wie zum Beispiel Kinder, die durch Unterernährung an Verzögerungen ihrer motorischen und kognitiven Entwicklung leiden. Er verurteilte die Verwendung von Hunger als Waffe und mahnte die Befolgung des humanitären Völkerrechts ein, verurteilte das Paradoxon, dass einerseits Tonnen von Lebensmitteln verschwendet werden und andererseits unzählige Menschen im Abfall nach Essbarem suchen. Er lobte die Rolle der Frauen als „stille Architektinnen des Lebens“, betonte die Rolle des Multilateralismus und forderte Alle auf, nicht zu ermüden, um weiter für Gerechtigkeit zu wirken.
Bereits vor der offiziellen Zeremonie wurde unter Anwesenheit des italienischen Staatspräsidenten Sergio Matarella das neue FAO Museum eröffnet. Dieses wird der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich sein und sich mit der Geschichte, der Gegenwart und der Zukunft der menschlichen Ernährung beschäftigen.
- Österreich und die FAO
Österreich ist seit 1947 vollwertiges Mitglied dieser Organisation. Innerstaatlich liegt die Hauptverantwortung beim Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Als solches bringt sich das BMLUK proaktiv in allen FAO Gremien ein, leistet einen Pflichtmitgliedsbeitrag und fördert nach Maßgabe der knappen budgetären Mittel Projekte im Land- und Forstwirtschaftsbereich in den ärmsten Regionen der Welt.