OECD-FAO Outlook Bericht 2026-2035 analysiert Entwicklung der Agrarmärkte in den kommenden 10 Jahren
Am 29. Juni 2026 präsentierten die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ihren diesjährigen Ausblick über die Lage der Agrarmärkte für die nächsten 10 Jahre.
Der Bericht liefert eine globale Referenzgrundlage zur Einschätzung der mittelfristigen Aussichten der Agrar- und Fischereimärkte auf nationaler, überstaatlicher und globaler Ebene. Er zeigt wahrscheinliche Trends und Herausforderungen auf und dient als Orientierungshilfe in einer evidenzbasierten Planung.
Der OECD Generalsekretär Mathias Cormann hob bei der Berichtsvorstellung die Bedeutung der Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft gegenüber steigenden Energie- und Düngemittelkosten hervor und appellierte zur Investition in nachhaltige Produktivität und zur Gewährleistung offener, gut funktionierender globaler Märkte. Seitens FAO Generaldirektor QU Dongyu wurde festgehalten, dass es bei der Widerstandsfähigkeit nicht darum gehe, den vorigen Schock zu überstehen, sondern sich auf den nächsten vorzubereiten.
Wichtige Erkenntnisse:
- Die weltweite Getreideproduktion wird voraussichtlich stetig steigen und bis 2035 einen Rekordwert von 3,22 Milliarden Tonnen erreichen. Dieses Wachstum wird hauptsächlich durch Ertragssteigerungen von jährlich 0,9 Prozent angetrieben, während die Anbaufläche für Getreide voraussichtlich nur um 0,1 Prozent pro Jahr zunehmen wird..
- Bis 2035 werden voraussichtlich 40 Prozent des gesamten Getreides direkt vom Menschen verzehrt, während 34 Prozent als Tierfutter verwendet werden. Weizen und Reis dominieren weiterhin als Nahrungsmittel, während Mais in erster Linie als Futtermittel eingesetzt wird.
- Die weltweite Nachfrage nach Biokraftstoffen wird in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich jährlich um 1,4 Prozent steigen, was vor allem auf Brasilien, Indien und Indonesien zurückzuführen ist. In den meisten Ländern mit hohem Einkommen dürfte sich das Wachstum verlangsamen.
- Subsahara-Afrika wird im nächsten Jahrzehnt einen steigenden Anteil an der weltweiten Agrarproduktion haben und bis 2035 wertmäßig etwa 16 Prozent zur zusätzlichen weltweiten Agrarproduktion beitragen. Ein Großteil der Region wird jedoch weiterhin anfällig für Ernährungsunsicherheit und externe Schocks bleiben. Auf den asiatisch-pazifischen Raum werden bis 2035 voraussichtlich 58 Prozent der zusätzlichen weltweiten Agrarproduktion entfallen, wobei allein Indien 26 Prozent zum Anstieg beitragen wird. Dieses Wachstum wird zum großen Teil durch einen raschen Ausbau der Milchviehherden und steigende Milcherträge angetrieben.
- In Ländern mit hohem Einkommen wird der Fleischkonsum voraussichtlich deutlich langsamer ansteigen angesichts hoher Preise sowie gesundheitlicher und ökologischer Abwägungen.
- Die weltweite Fischerei- und Aquakulturproduktion wird bis 2035 voraussichtlich um 11 Prozent steigen, wobei die Aquakultur weiterhin das Wachstum antreibt und 56 Prozent der Gesamtproduktion ausmacht.
- Eine ergänzende Analyse legt nahe, dass die mit dem Nahostkonflikt von 2026 verbundenen Störungen den Düngemitteleinsatz und damit auch die Getreideproduktion einschränken werden, insbesondere in Ländern mit niedrigem Einkommen. Vor diesem Hintergrund bleibt der internationale Agrarhandel von entscheidender Bedeutung, um Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen und negative Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit abzumildern.