Mehr als 30 Jahre in der EU – was hat es der Landwirtschaft gebracht?

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Foto: Bundeskanzleramt Österreich

Österreich trat am 1. Jänner 1995 der Europäischen Union bei. Seit mehr als drei Jahrzehnten sind wir nun Mitglied der EU. Was hat sie uns gebracht? Ist es eine Erfolgsgeschichte? Wir ziehen in einem Rückblick Bilanz über die Einflüsse des EU-Beitritts auf die Landwirtschaft.

Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) zählt seit jeher zu den wichtigsten Politikbereichen Europas. Ziel der GAP ist ein nachhaltiges Agrarmodell im gesamten Europa, um die Ernährungssicherheit für die europäischen Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten und die umfassenden Ökosystemleistungen der Land-, Forst- und Wasserwirtschaft wie auch den Schutz vor Naturgefahren aufrecht zu erhalten.

Der Strukturwandel in der europäischen und österreichischen Landwirtschaft konnte in den vergangenen Jahrzehnten zwar nicht gestoppt werden, hat sich aber seit dem EU-Beitritt verlangsamt. Ziel der Umsetzung der europäischen Agrarpolitik in Österreich ist, dass kleine Betriebe auch in Zukunft gut wirtschaften und ein ausreichendes Einkommen erzielen können. Die GAP leistet einen zentralen Beitrag zur Aufrechterhaltung einer flächendeckenden und kleinstrukturierten Bewirtschaftung und zur Aufrechterhaltung und Steigerung der Attraktivität des ländlichen Raumes.

Als wichtiges Instrument zur Sicherung tragfähiger landwirtschaftlicher Einkommen gilt das System der Direktzahlungen. Dieses Sicherheitsnetz schafft eine Stabilisierung der Einkommen der heimischen Bäuerinnen und Bauern, garantiert die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und stellt eine Abgeltung von erhöhten, europäischen Umweltanforderungen dar. Zudem gibt es verschiedene Maßnahmen wie zum Beispiel das Agrarumweltprogramm ÖPUL (unter anderem für Bio-Betriebe), mit welchen freiwillige Umweltleistungen abgegolten werden. Die Unterstützung für benachteiligte Gebiete ermöglicht die Aufrechterhaltung einer flächendeckenden Landbewirtschaftung, die Unterstützung von Junglandwirtinnen und Junglandwirten unterstützt einen guten Generationenübergang.

Die Agrarexporte Österreichs haben sich seit 1995 verneunfacht. Drei Viertel der Exporte österreichischer Agrargüter und Lebensmittel gehen in andere EU-Mitgliedsländer. Die wichtigsten Exportdestinationen im Jahr 2023 waren Deutschland und Italien.

Ein Beispiel für einen EU- Exportschlager sind die österreichischen Weine. EU-Förderungen für die Umstellung der Weingärten und Investitions- und Absatzförderungen als auch die innovativen, österreichischen Betriebe haben die heimische Weinwirtschaft international konkurrenzfähig gemacht.

Österreich gilt in der EU als Bio-Vorzeigeland. Der Flächenanteil der biologischen Landwirtschaft liegt mit rund 27 Prozent im europäischen Spitzenfeld. Die Beibehaltung und Stärkung der biologischen Erzeugung ist weiterhin ein klares Ziel. Die wichtigsten Unterstützungsmaßnahmen für die biologische Produktion werden in Österreich im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik umgesetzt. Die Maßnahme „biologische Wirtschaftsweise“ ist ein Kernstück des Agrarumweltprogrammes ÖPUL und lässt sich mit vielen anderen Maßnahmen kombinieren, sodass ein entsprechender Ausgleich für die entstandenen Mindererlöse beziehungsweise Mehrkosten gewährleistet ist.

Die Produktion von Bio-Lebensmitteln wird verstärkt kontrolliert und erstreckt sich auf den gesamten Produktions- und Verarbeitungsprozess. Mindestens einmal im Jahr werden Bio-Betriebe von unabhängigen und behördlich zugelassenen Kontrollstellen geprüft. Eine EU-Verordnung legt für die gesamte Erzeugung von Bio-Produkten (Produktion, Kontrolle, Importe) in der EU die Regeln fest. Die damit verbundene Kennzeichnung von Bio-Lebensmitteln dient als Wegweiser für Verbraucherinnen und Verbraucher und bietet eine transparente Möglichkeit, die Herkunft und Produktionsmethoden von Lebensmitteln zu verstehen und bewusste Entscheidungen zu treffen.

Mit dem Agrarumweltprogramm ÖPUL wird in Österreich seit dem EU-Beitritt eine umweltgerechte Landwirtschaft unterstützt. Über 80 Prozent der Betriebe und 80 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, Bodenfruchtbarkeit und Gewässerschutz.

Für das ÖPUL 2023 sind jährlich in Summe 614 Millionen Euro (inklusive 100 Millionen Euro Öko-Regelungen) vorgesehen. Damit wird das Ziel einer flächendeckenden, umweltgerechten Landbewirtschaftung für Ackerland, Grünland und Dauerkulturen verfolgt. Mit einer Teilnahme von über 80 Prozent der in Österreich bewirtschafteten Fläche beziehungsweise einem Anteil von über 10 Prozent an Flächen, die für Biodiversitätszwecke zur Verfügung gestellt werden, ist Österreich Vorreiter in der Umsetzung von Agrarumweltmaßnahmen. Die Finanzierung der ÖPUL-Maßnahmen erfolgt grundsätzlich zu circa 50 Prozent aus EU-Mitteln und zu 50 Prozent aus Mitteln des Bundes und der Länder, die Öko-Regelungen werden zu 100 Prozent aus EU-Mitteln finanziert.

Ausbildung in ganz Europa

Jedes Jahr absolvieren zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Schulen des BMLUK ihre Pflichtpraktika in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben in verschiedenen EU-Staaten. EU-Mobilitätsprogramme machen das möglich.

Fazit

Aufgrund dieser Errungenschaften und Vorteile kann die EU auf jeden Fall als ein Erfolgsprojekt bezeichnet werden. Dabei beziehen sich die genannten Leistungen nur auf den Landwirtschaftsbereich. Außerdem verleihen der EU natürlich ihre positiven Einflüsse auf Wirtschafts- und Arbeitsmarkt sowie ihre Friedens- und Sozialpolitik eine zentrale Bedeutung.