Trockenheit als Herausforderung für Wasserversorgung, Landwirtschaft und Wälder

Roggen
Foto: BMLUK / Alexander Haiden

Die Trockenheit der vergangenen Monate zeigt, wie wichtig Vorsorge im Umgang mit Wasser ist. Österreich ist bei der Trinkwasserversorgung gut aufgestellt. Gleichzeitig können regionale Engpässe auftreten. Deshalb braucht es eine leistungsfähige Infrastruktur, einen bewussten Umgang mit Wasser und gezielte Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft.

Wasserversorgung stabil – Vorsorge bleibt wichtig

Österreich verfügt über eine sichere Trinkwasserversorgung. Eine flächendeckende Wasserknappheit ist derzeit nicht zu erwarten. Dennoch kann es regional und zeitlich zu Engpässen kommen, wenn in Trockenphasen viele Menschen gleichzeitig große Wassermengen nutzen. Gemeinden können deshalb bei Bedarf Einschränkungen festlegen, etwa bei der Gartenbewässerung oder beim Befüllen von Pools.

Rund 92 Prozent der Bevölkerung werden in Österreich über öffentliche Anlagen versorgt. Rund 5.500 Wasserversorger sichern die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser stammt vollständig aus Grund- und Quellwasser. Diese gut ausgebaute Versorgung ist eine zentrale Grundlage der Daseinsvorsorge.

Frühjahr 2026 war deutlich zu trocken

Nach einem trockenen Winter 2025/2026 ist auch das bisherige Frühjahr 2026 deutlich zu trocken verlaufen. In vielen Regionen gab es nur geringe Niederschläge, die Schneemengen waren unterdurchschnittlich. Besonders im April fielen im Österreichmittel nur rund 24 Millimeter Niederschlag – das entspricht etwa einem Drittel des langjährigen Monatsmittels. Auch im Zeitraum Februar bis April zeigte sich mit einem Defizit von rund 32 Prozent eine deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagssituation.

Die geringen Niederschläge wirkten sich auch auf Oberflächengewässer und Grundwasser aus. An rund 75 Prozent der Pegelmessstellen lagen die Abflüsse im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich.

Infrastruktur und Trinkwassersicherungsplan stärken die Versorgung

Damit die Versorgung auch in Trockenperioden gesichert bleibt, setzt Österreich auf Vorsorge, gezielte Investitionen und Monitoring. Eine wichtige Grundlage dafür ist der Trinkwassersicherungsplan (PDF, 2 MB). Er bietet ein abgestuftes System für den Umgang mit möglicher Wasserknappheit und enthält Maßnahmen zur langfristigen Absicherung der Trinkwasserversorgung. Außerdem beschreibt er Strategien für den Fall, dass bei langanhaltender Trockenheit regionale Engpässe auftreten.

Vorsorge bedeutet auch, die Infrastruktur laufend zu erhalten und weiter auszubauen. Allein im Jahr 2025 wurden rund 898 Millionen Euro an Investitionen in der Siedlungswasserwirtschaft ausgelöst. Dabei wurden unter anderem 330 Kilometer Wasserleitungen neu errichtet und 376 Kilometer saniert. Zusätzlich entstanden 81 neue Wassergewinnungsanlagen und 12.760 Kubikmeter Speichervolumen bei Wasserbehältern.

Neben Planung und Investitionen ist auch ein genauer Blick auf die Wasserressourcen wichtig. Dafür sorgt die hydrographische Überwachung. Das Messnetz umfasst mehr als 3.800 Grundwasser-Messstellen in ganz Österreich. Damit können Grundwasserstände analysiert und mögliche Engpässe frühzeitig erkannt werden.

Traisenmündung beim Donaukraftwerk Altenwörth

Jede und jeder kann Wasser sparen

In Österreich liegt der tägliche Wasserverbrauch in Haushalten durchschnittlich bei rund 130 Litern pro Person. Auch für die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten wird Wasser benötigt. Dieses sogenannte virtuelle Wasser beträgt im Schnitt rund 4.700 Liter pro Person und Tag.

Es braucht einen bewussten Umgang mit Wasser, um Verbrauchsspitzen zu vermeiden und die Versorgungssysteme zu entlasten. Schon einfache Maßnahmen helfen im Alltag: Duschen statt Baden, Wasser beim Einseifen oder Zähneputzen abdrehen, tropfende Wasserhähne reparieren, Waschmaschine und Geschirrspüler nur voll beladen einschalten oder im Garten Regenwasser nutzen. Auch regionale und saisonale Lebensmittel sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen können den Wasserfußabdruck verringern.

Landwirtschaft steht vor wachsenden Herausforderungen

Anhaltende Trockenperioden und häufigere Extremwetterereignisse stellen auch die Landwirtschaft vor zunehmende Herausforderungen. Wenn Niederschläge über längere Zeit ausbleiben, geraten landwirtschaftliche Betriebe, Kulturen und Böden stärker unter Druck. Damit Betriebe besser mit Trockenphasen umgehen können, unterstützt das BMLUK im Rahmen des GAP-Strategieplans (PDF, 3 MB) Investitionen in betriebliche und überbetriebliche Bewässerung. Gefördert werden unter anderem Bewässerungssysteme sowie Maßnahmen zur Wasserspeicherung, Wasserrückhaltung und Wasseraufbereitung.

Eine wichtige Rolle spielen dabei auch gesunde Böden. Sie sind die Grundlage für die Lebensmittel- und Biomasseproduktion, speichern Wasser, Nährstoffe und Kohlenstoff und filtern das Grundwasser. Gerade in Trockenphasen ist diese Speicherfunktion wichtig: Sie hilft, Wasser und Nährstoffe länger im Boden zu halten und damit zentrale Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion zu sichern. Bodenschutz trägt dazu bei, diese Bodenfunktionen langfristig zu erhalten.

Das Agrarumweltprogramm ÖPUL leistet dazu auch einen Beitrag. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit sowie zum Schutz vor Erosion und Trockenheit. Dazu zählen etwa Begrünungen, Mulch- und Direktsaat sowie die biologische Wirtschaftsweise. Diese Maßnahmen unterstützen den Humusaufbau, stärken die Bodenfruchtbarkeit und helfen, Erosion auf Ackerböden zu verringern.

Trockenheit belastet Wälder – Borkenkäfer und Waldbrand

Unsere Wälder erfüllen zentrale Funktionen für den Wasserhaushalt. Sie wirken einerseits als natürliche Wasserfilter: Der Waldboden reinigt versickerndes Wasser und trägt damit wesentlich zur Sicherung der Trinkwasserqualität bei. Andererseits sind Wälder wichtige Wasserspeicher und Puffer bei Niederschlagsereignissen. Das Kronendach der Bäume fängt einen Teil des Regens ab und verzögert dessen Auftreffen auf den Boden. Der Waldboden nimmt Wasser wie ein Schwamm auf und gibt es anschließend langsam und kontinuierlich an das Grundwasser oder an Quellen ab. Gerade in Trockenperioden sind diese Funktionen besonders wertvoll, weil sie zur Stabilisierung des Wasserhaushalts beitragen.

Borkenkäferschäden

Gleichzeitig brauchen gesunde Wälder selbst ausreichend Wasser. Der trockene Winter 2025/2026 mit rund 22 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt hat die Lage zusätzlich verschärft. Besonders kritisch ist der Wasserhaushalt im Frühjahr: Sind die Böden bereits zu Beginn der Vegetationsperiode zu trocken, geraten Bäume schneller unter Stress. Das schwächt ihre natürlichen Abwehrkräfte und erhöht ihre Anfälligkeit gegenüber Schädlingen – insbesondere gegenüber Borkenkäferbefall. Der trockenste März und April seit Beginn der Messgeschichte haben Österreichs Wälder zusätzlich belastet und günstige Bedingungen für die Ausbreitung des Borkenkäfers geschaffen. Das österreichische Borkenkäfermonitoring zeigt bereits eine hohe Aktivität. Im Jahr 2025 betrug die Schadholzmenge rund 33 Prozent des gesamten Holzeinschlags. Durch Borkenkäfer verursachte Schäden machten fast die Hälfte des Schadholzanfalls aus. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, müssen befallene Bäume sowie Windwurfholz so rasch wie möglich entfernt werden. Eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung ist daher unumgänglich, um die Wälder vor weiterem Borkenkäferbefall zu schützen und zugleich ihre Schutz-, Speicher- und Filterfunktionen zu erhalten. Wichtig bleiben daher die konsequente Überwachung der Wälder und der gezielte Einsatz von Fallen zur Beobachtung der Borkenkäferentwicklung. So können Massenvermehrungen frühzeitig erkannt und rasch Gegenmaßnahmen gesetzt werden.

Mit zunehmender Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr. Außergewöhnlich warme und trockene Witterungsperioden haben bereits im Frühjahr 2026 zu einer angespannten Lage geführt. Mehr als 80 Prozent der Waldbrände werden durch menschliches Verhalten verursacht. Deshalb sind Bewusstseinsbildung, Vorsicht beim Umgang mit Feuer und die Einhaltung regionaler Waldbrandverordnungen zentrale Bestandteile der Prävention. Auch aktive Waldbewirtschaftung und eine gut geplante Waldinfrastruktur leisten einen Beitrag zur Waldbrandprävention. Das vom Bundesministerium koordinierte Aktionsprogramm „Brennpunkt Wald“ bündelt Maßnahmen zur Waldbrandprävention, Forschung, Bewusstseinsbildung und Einsatzvorbereitung.

Langfristig braucht es einen vorausschauenden Waldumbau hin zu artenreichen und klimafitten Mischwäldern. Klimaresiliente Baumarten, standortangepasste Bewirtschaftung und aktive Pflege stärken die Widerstandskraft der Wälder gegenüber Trockenheit, Hitze, Waldbrandgefahr und Schädlingsbefall. Das BMLUK unterstützt diesen Weg mit dem Waldfonds durch zahlreiche Forschungsprojekte und forstwirtschaftliche Maßnahmen, um stabile, vielfältige und klimafitte Wälder aufzubauen.

Vorsorge ist gemeinsame Aufgabe

Trockenheit betrifft also viele Bereiche: die Wasserwirtschaft, die Land- und Forstwirtschaft und auch den Alltag der Menschen. Zwar ist Österreich bei der Trinkwasserversorgung gut aufgestellt, regional können in Trockenphasen aber Engpässe entstehen – etwa, wenn besonders viel Wasser gleichzeitig genutzt wird. Damit die Versorgung auch künftig gesichert bleibt, braucht es eine gute Infrastruktur, abgestimmte Maßnahmen und einen sorgsamen Umgang mit Wasser.