Trockenheit als Herausforderung für Wasserversorgung, Landwirtschaft und Wälder
Obwohl die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers vorbei ist, wirken sich die Trockenheit und die zu geringen Niederschläge noch auf die Grundwasserstände aus. Das zeigt, wie wichtig Vorsorge im Umgang mit Wasser ist. Eine sichere Versorgung erfordert eine leistungsfähige Infrastruktur, einen bewussten Umgang mit Wasser und gezielte Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft.
Wasserversorgung stabil – Vorsorge bleibt wichtig
Österreich verfügt über eine sichere Trinkwasserversorgung. Dennoch waren im Sommer 2026 regionale und zeitliche Engpässe möglich, wenn in Trockenphasen viele Menschen gleichzeitig große Wassermengen nutzten. Gemeinden konnten deshalb bei Bedarf Einschränkungen festlegen, etwa bei der Gartenbewässerung oder beim Befüllen von Pools.
Rund 92 Prozent der Bevölkerung werden in Österreich über öffentliche Anlagen versorgt. Rund 5.500 Wasserversorger sichern die Trinkwasserversorgung. Das Trinkwasser stammt vollständig aus Grund- und Quellwasser. Diese gut ausgebaute Versorgung ist eine zentrale Grundlage der Daseinsvorsorge.
Frühjahr und Sommer 2026 außergewöhnlich trocken
Nach einem trockenen Winter 2025/2026 folgte der niederschlagsärmste Frühling seit Beginn der österreichweiten Messreihe. Von März bis Mai fiel österreichweit rund 50 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. Im März betrug das Defizit 58 Prozent, im April 68 Prozent und im Mai 33 Prozent.
Auch im Sommer setzte sich die Trockenheit fort. Von Juni bis August fiel österreichweit rund ein Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. Damit zählt der Sommer 2026 zu den fünf regenärmsten seit Messbeginn im Jahr 1858. Besonders ausgeprägt war die Trockenheit im Osten und Nordosten Österreichs, regional wurden Niederschlagsdefizite von bis zu 70 Prozent verzeichnet. Gleichzeitig war 2026 der heißeste Sommer der österreichischen Messgeschichte.
Die außergewöhnliche Trockenheit zeigte sich auch über einen längeren Zeitraum: In den ersten acht Monaten des Jahres fiel österreichweit so wenig Niederschlag wie noch nie in der 169-jährigen Messgeschichte. Die hohen Temperaturen verstärkten durch die erhöhte Verdunstung das Wasserdefizit zusätzlich.
Die Auswirkungen waren auch an Fließgewässern und beim Grundwasser deutlich spürbar. Ende August lagen an mehr als 95 Prozent der Pegelmessstellen die Abflüsse unter den langjährigen Monatsmitteln. Rund 90 Prozent der Grundwassermessstellen wiesen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände auf.
Infrastruktur und Trinkwassersicherungsplan stärken die Versorgung
Damit die Versorgung auch in Trockenperioden gesichert bleibt, setzt Österreich auf Vorsorge, gezielte Investitionen und Monitoring. Eine wichtige Grundlage dafür ist der Trinkwassersicherungsplan (PDF, 2 MB). Er bietet ein abgestuftes System für den Umgang mit möglicher Wasserknappheit und enthält Maßnahmen zur langfristigen Absicherung der Trinkwasserversorgung. Außerdem beschreibt er Strategien für den Fall, dass bei langanhaltender Trockenheit regionale Engpässe auftreten.
Vorsorge bedeutet auch, die Infrastruktur laufend zu erhalten und weiter auszubauen. Allein im Jahr 2025 wurden rund 898 Millionen Euro an Investitionen in der Siedlungswasserwirtschaft ausgelöst. Dabei wurden unter anderem 330 Kilometer Wasserleitungen neu errichtet und 376 Kilometer saniert. Zusätzlich entstanden 81 neue Wassergewinnungsanlagen und 12.760 Kubikmeter Speichervolumen bei Wasserbehältern.
Neben Planung und Investitionen ist auch ein genauer Blick auf die Wasserressourcen wichtig. Dafür sorgt die hydrographische Überwachung. Das Messnetz umfasst mehr als 3.800 Grundwasser-Messstellen in ganz Österreich. Damit können Grundwasserstände analysiert und mögliche Engpässe frühzeitig erkannt werden.
Um die Wasserversorgung auch in Zukunft langfristig abzusichern und die Auswirkungen des Klimawandels besser bewerten zu können, arbeitet das BMLUK an der Einführung eines digitalen Wasserentnahmeregisters. Ziel ist es, künftig einen besseren Überblick über tatsächliche Wasserentnahmen zu erhalten und damit die wasserwirtschaftliche Planung weiter zu verbessern.
Jede und jeder kann Wasser sparen
In Österreich liegt der tägliche Wasserverbrauch in Haushalten durchschnittlich bei rund 130 Litern pro Person. Auch für die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen Produkten wird Wasser benötigt. Dieses sogenannte virtuelle Wasser beträgt im Schnitt rund 4.700 Liter pro Person und Tag.
Es braucht einen bewussten Umgang mit Wasser, um Verbrauchsspitzen zu vermeiden und die Versorgungssysteme zu entlasten. Schon einfache Maßnahmen helfen im Alltag: Duschen statt Baden, Wasser beim Einseifen oder Zähneputzen abdrehen, tropfende Wasserhähne reparieren, Waschmaschine und Geschirrspüler nur voll beladen einschalten oder im Garten Regenwasser nutzen. Auch regionale und saisonale Lebensmittel sowie die Vermeidung von Lebensmittelabfällen können den Wasserfußabdruck verringern.
Trockenheit belastet die Landwirtschaft
Die außergewöhnliche Trockenheit und Hitze des Jahres 2026 haben die österreichische Landwirtschaft stark getroffen. Die vergangenen zwölf Monate waren laut GeoSphere Austria die trockensten in ganz Österreich seit Messbeginn im Jahr 1850. Besonders das Frühjahr und der Sommer waren von erheblichen Niederschlagsdefiziten und hohen Temperaturen geprägt. Die dadurch verstärkte Verdunstung verschärfte den Wassermangel zusätzlich.
Für landwirtschaftliche Kulturen bedeutet Trockenheit erheblichen Stress: Wachstum und Ertragsbildung werden beeinträchtigt, Erträge und Qualität können sinken. Besonders betroffen waren 2026 unter anderem Grünland und Futterproduktion. Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung beläuft sich der direkte Gesamtschaden durch die anhaltende Dürre mittlerweile auf rund eine Milliarde Euro. Betroffen sind landwirtschaftliche Betriebe und Kulturen im gesamten Bundesgebiet.
Vorsorge und Anpassung werden immer wichtiger
Damit landwirtschaftliche Betriebe besser mit längeren Trockenperioden umgehen können, gewinnen Vorsorge und Anpassungsmaßnahmen zunehmend an Bedeutung. Das BMLUK unterstützt im Rahmen des GAP-Strategieplans (PDF, 3 MB) unter anderem Investitionen in betriebliche und überbetriebliche Bewässerung. Gefördert werden beispielsweise Bewässerungssysteme sowie Maßnahmen zur Wasserspeicherung, Wasserrückhaltung und Wasseraufbereitung.
Eine zentrale Rolle spielen dabei auch gesunde und widerstandsfähige Böden. Sie speichern Wasser, Nährstoffe und Kohlenstoff und tragen zur Filterung des Grundwassers bei. Gerade in Trockenperioden hilft eine gute Bodenstruktur dabei, Wasser länger verfügbar zu halten und damit wichtige Grundlagen für die landwirtschaftliche Produktion zu sichern.
Auch das Agrarumweltprogramm ÖPUL leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Maßnahmen wie Begrünungen, Mulch- und Direktsaat oder die biologische Wirtschaftsweise fördern den Humusaufbau, stärken die Bodenfruchtbarkeit und verringern die Erosionsanfälligkeit von Ackerflächen. Damit können landwirtschaftliche Böden widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Extremwetter werden.
Erleichterung bei Agrarumweltprogramm ÖPUL und der Ausgleichszulage
Aufgrund der überregional außergewöhnlichen Trockenheit und den hohen Temperaturen im Jahr 2026 sowie den damit verbundenen Herausforderungen für die Landwirtschaft wurden Erleichterungen in der Förderungsabwicklung im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL und der Ausgleichszulage (AZ) im Antragsjahr 2026 ermöglicht:
- Regionale Befreiung von der Ernteverpflichtung ohne einzelbetriebliche Meldung
- Vorzeitige Nutzung von Biodiversitätsflächen im Acker und Grünland (keine Prämie!)
- Berücksichtigung der Trockenheit bezüglich flächendeckende Begrünung / Untersaaten
- Überschreitung von Fristen in Immergrün kann im Rahmen Kontrolle plausibilisiert werden
- Nutzung von Naturschutzflächen mit Schnittzeitpunktauflage ab 12.08.2026
- Zufütterung auf Weide zulässig, sofern ausreichend Weidefläche angeboten wird
- Haltedauer gefährdete Nutztiere auf 31.08. verkürzt
Darüber hinaus sind einzelbetriebliche Ansuchen auf Anerkennung höhere Gewalt möglich sofern bestimmte Förderverpflichtungen nicht eingehalten werden können, beispielsweise vorzeitiger Abtrieb von Almen aufgrund Wassermangel.
Nähere Informationen dazu sind auf der AMA-Homepage sowie der Homepages der Landwirtschaftskammern ersichtlich.
240 Millionen Euro Dürre-Hilfspaket für die Landwirtschaft
Die außergewöhnliche Trockenheit hat 2026 in der österreichischen Landwirtschaft Schäden in historischem Ausmaß verursacht. Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung beläuft sich der direkte Gesamtschaden auf rund eine Milliarde Euro. Betroffen sind landwirtschaftliche Betriebe und Kulturen in ganz Österreich.
Um die bäuerlichen Betriebe zu entlasten und ihre Liquidität zu sichern, wurde ein Dürre-Hilfspaket im Umfang von 240 Millionen Euro beschlossen. Es umfasst vier zentrale Maßnahmen:
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Entlastung bei den Sozialversicherungsbeiträgen: Zwei Drittel des nächstmöglichen Quartalsbeitrags 2026 werden erlassen. Dafür stehen rund 140 Millionen Euro zur Verfügung.
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Höhere Förderung der Dürreversicherung: Die Prämienbezuschussung für die Dürreversicherung wird für 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent erhöht. Dafür sind 50 Millionen Euro vorgesehen.
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Zinszuschüsse für Betriebsmittelkredite: 25 Millionen Euro Unterstützung ermöglichen ein Kreditvolumen von bis zu 300 Millionen Euro, etwa für notwendige Futtermittel-, Saatgut- oder Düngemittelkäufe.
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Stundungen bei Agrarinvestitions- und Konsolidierungskrediten: Zusätzliche Ratenstundungen und Laufzeitverlängerungen sollen finanzielle Engpässe bei bestehenden Krediten abfedern. Dafür stehen bis zu 25 Millionen Euro zur Verfügung.
Die Maßnahmen gelten österreichweit und für alle landwirtschaftlichen Betriebsformen.
Weitere Details zum Dürre Hilfspaket: 240 Millionen Euro Paket zur Entlastung der bäuerlichen Familienbetriebe und zur Sicherung der Liquidität.
Trockenheit belastet Wälder – Borkenkäfer und Waldbrand
Unsere Wälder erfüllen zentrale Funktionen für den Wasserhaushalt. Sie wirken einerseits als natürliche Wasserfilter: Der Waldboden reinigt versickerndes Wasser und trägt damit wesentlich zur Sicherung der Trinkwasserqualität bei. Andererseits sind Wälder wichtige Wasserspeicher und Puffer bei Niederschlagsereignissen. Das Kronendach der Bäume fängt einen Teil des Regens ab und verzögert dessen Auftreffen auf den Boden. Der Waldboden nimmt Wasser wie ein Schwamm auf und gibt es anschließend langsam und kontinuierlich an das Grundwasser oder an Quellen ab. Gerade in Trockenperioden sind diese Funktionen besonders wertvoll, weil sie zur Stabilisierung des Wasserhaushalts beitragen.
Gleichzeitig brauchen gesunde Wälder selbst ausreichend Wasser. Der trockene Winter 2025/2026 mit rund 22 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt hat die Lage zusätzlich verschärft. Besonders kritisch ist der Wasserhaushalt im Frühjahr: Sind die Böden bereits zu Beginn der Vegetationsperiode zu trocken, geraten Bäume schneller unter Stress. Das schwächt ihre natürlichen Abwehrkräfte und erhöht ihre Anfälligkeit gegenüber Schädlingen – insbesondere gegenüber Borkenkäferbefall. Der trockenste März und April seit Beginn der Messgeschichte haben Österreichs Wälder zusätzlich belastet und günstige Bedingungen für die Ausbreitung des Borkenkäfers geschaffen. Das österreichische Borkenkäfermonitoring zeigt bereits eine hohe Aktivität. Im Jahr 2025 betrug die Schadholzmenge rund 33 Prozent des gesamten Holzeinschlags. Durch Borkenkäfer verursachte Schäden machten fast die Hälfte des Schadholzanfalls aus. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, müssen befallene Bäume sowie Windwurfholz so rasch wie möglich entfernt werden. Eine aktive, nachhaltige Waldbewirtschaftung ist daher unumgänglich, um die Wälder vor weiterem Borkenkäferbefall zu schützen und zugleich ihre Schutz-, Speicher- und Filterfunktionen zu erhalten. Wichtig bleiben daher die konsequente Überwachung der Wälder und der gezielte Einsatz von Fallen zur Beobachtung der Borkenkäferentwicklung. So können Massenvermehrungen frühzeitig erkannt und rasch Gegenmaßnahmen gesetzt werden. Das Borkenkäfer-Monitoring ist ein wesentlicher Punkt bei der Bekämpfung von Borkenkäfern. Es wird durch das BFW durchgeführt und bietet laufend aktuelle Informationen zur Befallssituation.
Mit zunehmender Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr. Außergewöhnlich warme und trockene Witterungsperioden haben bereits im Frühjahr 2026 zu einer angespannten Lage geführt. Mehr als 80 Prozent der Waldbrände werden durch menschliches Verhalten verursacht. Deshalb sind Bewusstseinsbildung, Vorsicht beim Umgang mit Feuer und die Einhaltung regionaler Waldbrandverordnungen zentrale Bestandteile der Prävention. Auch aktive Waldbewirtschaftung und eine gut geplante Waldinfrastruktur leisten einen Beitrag zur Waldbrandprävention. Das vom Bundesministerium koordinierte Aktionsprogramm „Brennpunkt Wald“ bündelt Maßnahmen zur Waldbrandprävention, Forschung, Bewusstseinsbildung und Einsatzvorbereitung.
Langfristig braucht es einen vorausschauenden Waldumbau hin zu artenreichen und klimafitten Mischwäldern. Klimaresiliente Baumarten, standortangepasste Bewirtschaftung und aktive Pflege stärken die Widerstandskraft der Wälder gegenüber Trockenheit, Hitze, Waldbrandgefahr und Schädlingsbefall. Das BMLUK unterstützt diesen Weg mit dem Waldfonds durch zahlreiche Forschungsprojekte und forstwirtschaftliche Maßnahmen, um stabile, vielfältige und klimafitte Wälder aufzubauen.
Vorsorge ist gemeinsame Aufgabe
Trockenheit betrifft also viele Bereiche: die Wasserwirtschaft, die Land- und Forstwirtschaft und auch den Alltag der Menschen. Zwar ist Österreich bei der Trinkwasserversorgung gut aufgestellt, regional können in Trockenphasen aber Engpässe entstehen – etwa, wenn besonders viel Wasser gleichzeitig genutzt wird. Damit die Versorgung auch künftig gesichert bleibt, braucht es eine gute Infrastruktur, abgestimmte Maßnahmen und einen sorgsamen Umgang mit Wasser.
Weitere Informationen
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