Das neue Programm für Forschung und Entwicklung 2026-2030 - Pressekonferenz

Minister Totschnig und BOKU-Rektorin Schulev-Steindl präsentieren das Forschungsprogramm 2026-2030
Foto: PK / BMLUK/Hemerka

Mit dem neuen Forschungsprogramm soll die Ressortforschung des BMLUK noch sichtbarer, praxisnäher und wirkungsorientierter werden. Es dient als Grundlage für fundierte politische und wirtschaftliche Entscheidungen und wurde in einem breiten Diskussionsprozess erarbeitet.

Klimawandel, technologische Umbrüche und gesellschaftliche Veränderungen sind Herausforderungen unserer Zeit. Mit dem Forschungsprogramm 2026-2030 reagiert das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) auf diese Dynamik. Es schärft Prioritäten, stärkt Wirkung und verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit Praxisnähe – als strategischer Kompass für eine nachhaltige Zukunft Österreichs.

„Forschung liefert das Wissen, das wir brauchen, um in Zeiten des Wandels richtig zu handeln. Mit dem Programm für Forschung und Entwicklung 2026–2030 gestalten wir aktiv unsere Zukunft“, betonte Bundesminister Norbert Totschnig bei der Präsentation des Programms.

Warum ein neues Forschungsprogramm?

Zunehmende Extremwetterereignisse, der Rückgang der Biodiversität und das Auftreten neuer Krankheiten machen deutlich, dass sich unser Klima spürbar verändert. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, künstliche Intelligenz und geopolitische Unsicherheiten unsere wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Entscheidungen müssen heute faktenbasiert, vorausschauend und wirksam sein.

Das bisherige Forschungsprogramm des BMLUK hat wichtige Grundlagen geschaffen, Expertise gebündelt und zahlreiche Projekte initiiert. Doch die Herausforderungen sind komplexer geworden, neue Zuständigkeiten – insbesondere in Klima- und Umweltfragen – sind hinzugekommen.

Mit dem Programm für Forschung und Entwicklung 2026-2030 wird Forschung noch stärker strategisch ausgerichtet: Themen werden systematisch zusammengedacht, Zielkonflikte sichtbar gemacht und Wirkung konsequent in den Mittelpunkt gestellt.

"Das neue Forschungsprogramm des BMLUK greift die großen Herausforderungen unserer Zeit auf!", erklärte BOKU-Rektorin Eva Schulev-Steindl
Minister Totschnig und BOKU-Rektorin besprechen das Forschungsprogramm 2026-2030

Forschung als strategischer Hebel für Österreich

Österreich verfügt über enormes Potenzial: wissenschaftliche Exzellenz, unternehmerische Stärke und kreative Köpfe. Forschung, Entwicklung und Innovation sind der Schlüssel, um dieses Potenzial nachhaltig zu nutzen. Die Bundesregierung unterstreicht dies mit dem FTI-Pakt 2027-2029 und dem klaren Bekenntnis zum 4 %-Ziel bei der Forschungsquote.

Das BMLUK nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Als forschungsaktivstes Fachressort des Bundes investiert es jährlich rund 67 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung, arbeitet mit über 30 externen Forschungsorganisationen zusammen und betreibt neun eigene Dienststellen sowie drei ausgegliederte Einrichtungen – die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH (AGES), das Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) und das Umweltbundesamt GmbH (UBA).

Forschung ist dabei kein Selbstzweck. Sie soll:

  • in der Praxis ankommen,
  • politische Entscheidungen absichern,
  • und langfristige Wirkung entfalten.

Fünf Handlungsfelder – ein gemeinsames Ziel

Das Forschungsprogramm 2026-2030 strukturiert die Ressortforschung entlang von fünf zentralen Handlungsfeldern:

  1. Forschung in der Transformation – zur wissenschaftlichen Begleitung Veränderungen.
  2. Formatvielfalt in der Ressortforschung – um flexibel und zielgerichtet handeln zu können.
  3. Künstliche Intelligenz, Automatisierung und technische Innovationen – als Werkzeuge für Effizienz und Nachhaltigkeit.
  4. Zielkonflikte und Synergien – etwa zwischen Klima-, Natur- und Wirtschaftsinteressen.
  5. Kommunikation und Wissenstransfer – damit Forschungsergebnisse dort ankommen, wo sie gebraucht werden.

Gerade der Wissenstransfer ist entscheidend: Forschung entfaltet nur dann Wirkung, wenn sie verständlich aufbereitet und aktiv vermittelt wird – in Praxis, Verwaltung, Politik und Gesellschaft.

Acht thematische Schwerpunkte für die Praxis

Inhaltlich deckt das Programm die gesamte Bandbreite der Zuständigkeiten des BMLUK ab. Acht Schwerpunkte geben dabei Orientierung:

  • Klima und Stoffkreisläufe
  • Menschen, Regionen, Gemeinden und Betriebe
  • Biodiversität und Lebensräume
  • Wald, nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie
  • Zukunftsfähige und tiergerechte Nutztiersysteme
  • Kulturpflanzen, Wasser und Boden
  • Lebensmittel, Ernährung und Produktion
  • Naturgefahren, Schutz und Entwicklung

Diese Themen werden künftig noch stärker vernetzt betrachtet – mit dem Ziel, Forschungsergebnisse direkt in die Umsetzung zu bringen.

Minister Totschnig und BOKU-Rektorin Schulev-Steindl

Forschung, die wirkt: Beispiele aus der Praxis

Was das konkret bedeutet, zeigen jährlich über 400 Forschungsprojekte. Sie reichen von klimafitten Böden über resiliente Wälder bis hin zu innovativen Tierzuchtsystemen.

Ein Beispiel ist das Projekt „Esche in Not“, das vom BFW gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien umgesetzt wurde. Ziel war es, resistente Eschen gegen das Eschentriebsterben zu identifizieren und zu züchten. Inzwischen konnten tausende Jungpflanzen mit erhöhter Widerstandskraft vermehrt werden – ein konkreter Beitrag zum Erhalt heimischer Wälder.

Im Projekt „CNSOIL-Bodenpioniere 2050“ arbeiten mehr als 100 landwirtschaftliche Betriebe gemeinsam mit Forschungseinrichtungen an innovativen Strategien zur Verbesserung der Bodengesundheit und Kohlenstoffspeicherung. Internationale Anerkennung erhielt das Projekt durch eine Auszeichnung der FAO.

Weitere Initiativen wie „Climgrass“ an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein oder „Breed4Green“ zur Reduktion von Methanemissionen in der Rinderzucht zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse direkt in nachhaltige Lösungen für Landwirtschaft und Klimaschutz münden.

Vom Dialog zum Programm

Ein besonderes Merkmal des Forschungsprogramms ist sein partizipativer Entstehungsprozess. Über 200 Stakeholder:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis waren in Workshops, Dialogforen und Konsultationen eingebunden. Dieser transparente und interdisziplinäre Ansatz stärkt nicht nur die Qualität der Inhalte, sondern auch die Akzeptanz der gesetzten Schwerpunkte.

Ein Instrument für Zukunftsgestaltung

Das Programm für Forschung und Entwicklung 2026-2030 ist mehr als ein Strategiepapier. Es ist ein dynamisches Steuerungsinstrument – ein Kompass in Zeiten des Wandels. Es schafft neues Wissen, bündelt bestehende Erkenntnisse, unterstützt Innovationen und eröffnet konkrete Umsetzungsperspektiven. Damit bildet es die Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen und stärkt Österreich nachhaltig, resilient und zukunftsfit.

Forschung ermöglicht schnelle Wirkungen zu erzielen, langfristige Perspektiven zu eröffnen und Lösungen für die Praxis zu entwickeln.

Das neue Forschungsprogramm 2026-2030 wird mit Pressekonferenz veröffentlicht

Der Podcast zu "Wie Forschung die Politik, Praxis und Regionen stärkt"

Der Leiter der Abteilung Präs. 5 - Forschung und Entwicklung, Unternehmensservice, Bernhard Bichler, hat gemeinsam mit dem Forschungskoordinator der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Andreas Steinwidder, über das neue Forschungsprogramm gesprochen. In der neuen Podcastfolge von Agrar Science - Wissen kompakt diskutieren die beiden wie ein Forschungsprogramm Klimawandelanpassungen, Biodiversität, nachhaltige Tierhaltung, Kreislaufwirtschaft, regional Entwicklung und Digitalisierung miteinander verbinden kann.

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