Renaturierungsprojekte aus Österreich
Renaturierung leistet einen wichtigen Beitrag dazu, geschädigte oder stark genutzte Landschaften ökologisch aufzuwerten und ihre natürlichen Funktionen langfristig zu stärken. Auf dieser Seite stellen wir ausgewählte Projekte aus den Bereichen Landwirtschaft, Forst- und Waldbau sowie Gewässer vor.
ÖPUL verbindet
Das Projekt „ÖPUL verbindet“ ist ein bundesweites Projekt im Rahmen der Ländlichen Entwicklung, das die Umsetzung von ÖPUL-Biodiversitätsmaßnahmen unterstützt. Dabei arbeiten landwirtschaftliche Betriebe gemeinsam mit Ökolog:innen daran, Biodiversitätsflächen nicht isoliert auf Einzelbetrieben, sondern als miteinander vernetzte Lebensräume innerhalb einer Region zu gestalten. Dazu werden Biodiversitätsflächen, Brachen und weitere naturnahe Strukturen gezielt aufeinander abgestimmt und miteinander vernetzt. Durch diese gezielte Vernetzung entsteht ein deutlich höherer ökologischer Nutzen für die Artenvielfalt und die Funktionsfähigkeit der Agrarlandschaft. Die ökologischen Wirkungen werden durch ein wissenschaftliches Monitoring von Pflanzen, Insekten und Vögeln begleitet und die Ergebnisse den teilnehmenden Landwirt:innen präsentiert.
In den vier Modellregionen, auf Praxisbetrieben und an landwirtschaftlichen Fachschulen werden erfolgreiche Maßnahmen für Biodiversität und Klimaschutz umgesetzt und vermittelt. Durch den gezielten Wissens- und Erfahrungsaustausch entsteht so ein wachsendes Netzwerk, das die Umsetzung biodiversitätsfördernder Maßnahmen in der Landwirtschaft unterstützt und deren Verbreitung fördert.
Probstdorf im Marchfeld
intensiv genutzte Ackerbau- und Gemüseregion
Jaidhof im Waldviertel
Landschaft mit Acker- und Grünlandwirschaft mittlere Nutzungsintensivität
HBLA Ursprung im Salzburger Flachgau
Grünlandgeprägte Region mit starker Einbindung landwirtschaftlicher Ausbildung und Wissensvermittlung
Murau
Die vierte, neu hinzugekommene Modellregion, legt den Schwerpunkt auf alpine und waldreiche Ökosysteme
Von den Maßnahmen profitieren Wildbienen, Schwebfliegen, Tagfalter, Heuschrecken, Vögel und andere Tierarten durch ein besseres Nahrungsangebot und vernetzten Lebensräume. Für die Landwirtschaft bieten sich Chancen durch eine erhöhte Bestäuberpopulation und die Förderung natürlicher Gegenspieler von Schädlingen. Für die Gesellschaft stärkt das Projekt das Bewusstsein für Biodiversität und fördert den Austausch zwischen Landwirtschaft, Wissenschaft, Jagd und Bevölkerung.
Biodiversitäts- und Naturschutzflächen in Österreich
Ein weiteres wichtiges Renaturierungsbeispiel sind die Biodiversitäts- und Naturschutzflächen im Rahmen des Agrarumweltprogramms ÖPUL. Insgesamt handelt es sich österreichweit um mehr als 240.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen, die gezielt biodiversitätsfördernd bewirtschaftet werden.
- Oberösterreich: 36.000 Hektar
- Niederösterreich: 89.000 Hektar
- Salzburg: 10.000 Hektar
- Wien: 1.000 Hektar
- Burgenland: 31.000 Hektar
- Vorarlberg: 8.000 Hektar
- Tirol: 14.000 Hektar
- Kärnten: 23.000 Hektar
- Steiermark: 28.000 Hektar
Dazu zählen beispielsweise extensiv genutzte Wiesen, artenreiche Flächen, Blüh- und Brachflächen sowie weitere naturschutzfachlich wertvolle Bewirtschaftungsformen. Sie leisten einen konkreten Beitrag zur Erhaltung und Wiederherstellung naturnaher Lebensräume in der Agrarlandschaft und zeigen, dass viele Maßnahmen zur Stärkung der Biodiversität in Österreich bereits heute freiwillig und praxisnah umgesetzt werden.
Vogelrastplatz Kühlteich Hohenau
Das Projekt „Vogelrastplatz Kühlteich Hohenau“ zielt darauf ab, einen ehemals bedeutenden Biodiversitäts-Hotspot im Ramsar-Gebiet Donau-March-Thaya-Auen wiederherzustellen und dauerhaft naturschutzgerecht zu bewirtschaften. Der 17 Hektar große Kühlteich der ehemaligen Zuckerfabrik Hohenau soll durch ein biodiversitätsorientiertes Wassermanagement zu einem strukturreichen Feuchtlebensraum entwickelt werden, der unterschiedlichen Wasser-, Wat- Brut- und Zugvögeln sowie anderen Tier- und Pflanzenarten optimale Lebensbedingungen bietet.
Ziel des Projekts ist die Schaffung eines vielfältigen Mosaiks aus unterschiedlichen Wassertiefen und Schlammflächen. Dadurch werden wertvolle Rast-, Nahrungs- und Brutlebensräume für Zug- und Wasservögel geschaffen und die ökologische Qualität des international bedeutenden Feuchtgebiets verbessert. Neben der ökologischen Aufwertung des Gebiets werden auch nachhaltige Nutzungsformen, etwa die extensive Beweidung von Teichflächen, erprobt.
Das Projekt fördert die Wiederherstellung eines bedeutenden Feuchtgebietslebensraums für Wasser-, Wat- und Zugvögel. Zudem wird die extensive Beweidung von Teichflächen erprobt und der Naturtourismus und der Naturvermittlung in der Region gefördert.
Rutzendorf
Mit dem Projekt „Rutzendorf I“ entsteht in der Katastralgemeinde Rutzendorf im Bezirk Gänserndorf eine neue Waldfläche im Ausmaß von 1,58 Hektar. Gepflanzt werden 20 verschiedene Baumarten und 8 verschiedene Straucharten, um einen artenreichen, standortgerechten und langfristig stabilen Lebensraum zu schaffen.
Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Aufwertung einer stark agrarisch geprägten Landschaft. Da die Waldausstattung in der Katastralgemeinde Rutzendorf derzeit nur rund 0,9 Prozent beträgt, schafft die Neubewaldung wertvollen Lebensraum für Wildtiere, Vögel und Insekten. Tiere finden künftig Schutz, Schatten und Nahrung. Gleichzeitig profitiert auch die Bevölkerung: Der neu entstehende Wald kann künftig als naturnaher Erholungsraum genutzt werden. Darüber hinaus trägt die Bewaldung zur Stabilisierung des Bodens bei und schützt ihn vor Wind- und Bodenerosion sowie vor Austrocknung.
Öllersdorf
In der Katastralgemeinde Ollersdorf im Bezirk Gänserndorf wird mit dem Projekt „Ollersdorf I“ eine neue Waldfläche von 1,6 Hektar angelegt. Die Neubewaldung erfolgt mit 21 unterschiedlichen Baumarten und 8 Straucharten. Dadurch entsteht eine vielfältige, naturnahe Fläche, die ökologische Funktionen übernimmt und die Landschaft langfristig bereichert.
Gerade in einer landwirtschaftlich stark genutzten Umgebung ist zusätzlicher Wald von besonderer Bedeutung. Die Katastralgemeinde Ollersdorf weist derzeit eine Waldausstattung von lediglich 1,2 Prozent auf. Die neue Bewaldung schafft daher dringend benötigte Rückzugsräume für Wildtiere und Insekten und bietet künftig Schatten, Schutz und Nahrung. Neben dem Nutzen für die Tierwelt erfüllt das Projekt auch wichtige Funktionen für Mensch und Umwelt. Die entstehende Waldfläche kann künftig als Erholungsraum für die Bevölkerung dienen. Gleichzeitig hilft sie dabei, den Boden zu festigen, Austrocknung entgegenzuwirken und Schäden durch Wind- und Bodenerosion zu reduzieren.
Niederleis
Das Projekt „Wiederherstellung von Feucht-Lebensräumen“ schafft und erweitert in der Gemeinde Niederleis im Weinviertel naturnahe Feuchtbiotope. In der stark landwirtschaftlich geprägten und historisch drainagierten Landschaft sollen zwei Feuchtflächen entstehen beziehungsweise vergrößert werden – eine am Grafensulzerbach und eine am Zubringer zum Niederleiserbach. Ziel ist es, Wasser länger in der Landschaft zu halten und seltene Feuchtlebensräume mit Flachufern, Wechselwasserzonen und naturnahen Uferbereichen zu entwickeln.
Damit werden Lebensräume für wassergebundene Pflanzen- und Tierarten geschaffen, insbesondere auch als mögliche Trittsteinbiotope und Nahrungsflächen für gefährdete Vogelarten wie Kiebitz, Bekassine, Rohrweihe, Tüpfelsumpfhuhn, Rotschenkel oder Schwarzstorch. Die beiden Feuchtbiotope umfassen zusammen rund 16.560 Quadratmeter, bei maximalem Wasserstand entsteht eine Wasserfläche von rund 5.470 Quadratmetern.
Die Umsetzung erfolgt durch den Regionalentwicklungsverein Leiser Berge gemeinsam mit der Gemeinde Niederleis. Vorgesehen sind Detailplanung, Bauaufsicht, naturnahe Anlage der Feuchtbiotope, eine zurückhaltende Initialbepflanzung, die Festlegung der langfristigen Erhaltungspflege sowie begleitende Bewusstseinsbildung.
Waldberg in Großrußbach
Das Projekt „Wiederherstellung von Trockenrasen am Waldberg in Großrußbach“ widmet sich einem besonderen Trockenstandort im Weinviertel. Der Waldberg liegt in der Marktgemeinde Großrußbach zwischen Großrußbach und Kleinebersdorf und ist durch sandige, nährstoffarme Böden sowie eine steile Hanglage geprägt. Diese Voraussetzungen machen den Standort besonders geeignet für die Entwicklung artenreicher Trockenrasen. Derzeit werden die Flächen überwiegend als Brachflächen genutzt und regelmäßig gemulcht; dadurch werden Nährstoffe im Boden gehalten und die Entwicklung eines Trockenrasens verhindert.
Ziel des Projekts ist es, auf rund 3 Hektar Trockenrasen wiederherzustellen und langfristig zu sichern. Dafür sollen Flächen angekauft, regelmäßig gemäht und abgemagert, standortgerechte regionale Wildpflanzensamen ausgebracht und ergänzend Schafe zur Beweidung eingesetzt werden. Zusätzlich werden Hecken, Lesesteinhaufen, Totholz und eine Trockensteinmauer angelegt, um Kleinstrukturen und Trittsteinbiotope für Insekten, Reptilien, Vögel und andere Tierarten zu schaffen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zurückdrängung invasiver Arten wie Robinie und Gewöhnlicher Seidenpflanze, die den Standort langfristig verbuschen oder verwalden lassen könnten. Durch die Maßnahmen entstehen neue Lebensräume, bestehende Biotopinseln werden besser miteinander vernetzt und die Biodiversität in der intensiv genutzten Weinviertler Kulturlandschaft wird gestärkt. Umgesetzt wird das Projekt vom Verein NaturVerbunden; eingereicht wurde es als Vorhaben zur Wiederherstellung eines beeinträchtigten Sonderstandortes. Begleitende Führungen, eine Schautafel und Informationsarbeit sollen zudem das Bewusstsein der Bevölkerung für den Wert artenreicher Trockenrasen stärken.
Thermenlinie in Niederösterreich
Das Projekt „Wiederherstellung, Verbesserung und Vernetzung von Trockenrasen an der Thermenlinie in Niederösterreich“ widmet sich einem der artenreichsten Landschaftsräume Österreichs. Die Thermenlinie zwischen Wien und dem südlichen Niederösterreich gilt aufgrund ihrer Lage zwischen Alpenraum und Pannonikum als besonderer Biodiversitäts-Hotspot. Im Mittelpunkt stehen wertvolle Trocken- und Halbtrockenrasen, unter anderem in der Perchtoldsdorfer Heide, Gießhübler Heide, Pfaffstätten, Baden, Bad Vöslau, Lindabrunn und Winzendorf. Viele dieser Flächen liegen im Europaschutzgebiet „Wienerwald-Thermenregion“.
Renaturiert und verbessert werden Trockenrasen, Halbtrockenrasen und damit verbundene Lebensräume wie Flaumeichenbuschwälder. Diese Flächen sind Lebensraum zahlreicher seltener und gefährdeter Arten, darunter Große Kuhschelle, Adriatische Riemenzunge, Smaragdeidechse, Schlingnatter, Wiedehopf, Heidelerche, Neuntöter sowie viele spezialisierte Insektenarten. Der Handlungsbedarf ist groß, weil frühere Weideflächen stark zurückgegangen, verbuscht, verwaldet oder voneinander isoliert sind. Von ehemals großflächigen Weidegebieten sind nur mehr kleine, vielfach getrennte Restflächen erhalten.
Im Projekt werden bestehende Trockenrasen gepflegt und aufgewertet, Gehölze zurückgedrängt, Wurzelstöcke entfernt, Flächen durch Beweidung – unter anderem mit Ziegen – offengehalten und neue Verbindungen zwischen isolierten Lebensräumen geschaffen. In Bad Vöslau wird zudem eine ehemalige Ackerbrache durch Einsaat mit heimischem Wildpflanzen-Saatgut wieder zu einer Trockenrasenfläche entwickelt. Besonders wichtig ist die Wiedervernetzung bestehender Lebensräume, damit sich gefährdete Arten wieder ausbreiten können und ein genetischer Austausch zwischen den Populationen möglich wird.
Eingereicht wurde das Projekt beim Biodiversitätsfonds. Umgesetzt wird es vom Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken gemeinsam mit Gemeinden, dem Biosphärenpark Wienerwald, dem Naturschutzbund Niederösterreich, privaten Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern sowie Freiwilligen. Das Ergebnis sind besser gepflegte, erweiterte und wieder stärker verbundene Trockenrasenlebensräume, die seltene Arten sichern, die Biodiversität stärken und zugleich widerstandsfähige, trockenheitsangepasste Ökosysteme für die Zukunft erhalten.
Pinka Bereich Riedlingsdorf bis Oberwart
Im Abschnitt Riedlingsdorf bis Oberwart war die ökologische Funktionsfähigkeit der Pinka durch frühere Eingriffe stark beeinträchtigt. Ziel des Sanierungsprojekts war es, das Flussbett durch gewässerökologische und schutzwasserbauliche Maßnahmen wieder naturnäher zu gestalten.
Durch die Renaturierung wurden mehrere zentrale Ergebnisse erreicht: Die Durchgängigkeit des Gewässers beziehungsweise des Gewässerkontinuums wurde wiederhergestellt, der ökologische Zustand beziehungsweise die ökologische Funktionsfähigkeit deutlich verbessert, und der Flussabschnitt wurde als Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie als Naherholungsgebiet für die Bevölkerung aufgewertet.
Liesingbach
Die Liesing wird Schritt für Schritt wieder zu einem naturnahen Bachlauf entwickelt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden bereits rund 9,2 Kilometer des Gewässers renaturiert. Damit ist ein wesentlicher Teil des Projekts umgesetzt: Aus stark verbauten Abschnitten entstehen wieder lebendige Bachbereiche mit verbesserter Wasserqualität, strukturreichen Ufern und neuen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere.
Das Projekt verbindet ökologische Verbesserung, technischen Hochwasserschutz und städtische Lebensqualität. Die Liesing wird dadurch nicht nur wertvoller für die Natur, sondern auch als Erholungsraum für die Menschen im Süden Wiens attraktiver. Derzeit wird auch der letzte noch hart verbaute Abschnitt der Fließstrecke naturnah rückgebaut. Die Renaturierung ist ein langfristiges Gemeinschaftsprojekt der Stadt Wien mit Unterstützung des Bundes.
Waldviertler Moore
Die Moore im Waldviertel zählen zu den ökologisch wertvollsten Landschaftsformen Österreichs. Sie sind über Jahrtausende entstanden, beherbergen seltene und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und erfüllen wichtige Funktionen im Naturhaushalt: Sie speichern Wasser, regulieren das lokale Klima und binden langfristig CO2.
Besonders im nordwestlichen Waldviertel haben sich durch kühles Klima, hohen Grundwasserspiegel und geeignete geologische Bedingungen charakteristische Moorlandschaften erhalten. Viele dieser Moore sind heute geschützt oder Teil von Renaturierungsmaßnahmen. Im Rahmen des Projekts LIFE AMooRe sollen in Niederösterreich rund 34 Hektar Moorflächen im Europaschutzgebiet „Waldviertler Teich-, Heide- und Moorlandschaft“ revitalisiert werden.
Pertholzer Moor
Das Projekt „Renaturierung Pertholzer Moor“ widmet sich der Wiederherstellung eines beeinträchtigten Hochmoores in der Marktgemeinde Bad Großpertholz in Niederösterreich. Das rund 2,8 Hektar große Pertholzer Moor besteht überwiegend aus standorttypischem Rotföhrenmoorwald und kleineren offenen Übergangsmoorbereichen. Durch frühere Entwässerungsgräben und die Nutzung von Torf wurde der Wasserhaushalt des Moores stark verändert. Dadurch trockneten Teile des Moores aus, Torfschichten begannen sich zu zersetzen und wertvolle Moorlebensräume gingen zurück.
Ziel des Projekts ist es, den Moorwasserspiegel wieder anzuheben und dauerhaft zu stabilisieren. Dafür werden insgesamt 42 Spundwände aus Lärchenholz in bestehende Entwässerungsgräben eingebaut. Zusätzlich wird im ehemaligen Abbaubereich das Gelände angepasst, damit der verbliebene Torf nicht weiter austrocknet und sich das Moor regenerieren kann. So sollen typische Moorlebensräume wieder gestärkt, Torfmoose und gefährdete Moorarten gefördert und sekundäres Moorwachstum ermöglicht werden.
Die Maßnahmen sichern nicht nur seltene Lebensräume und spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, sondern leisten auch einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Klimawandelanpassung: Intakte Moore speichern Kohlenstoff, halten Wasser in der Landschaft zurück, puffern Starkregenereignisse ab und wirken positiv auf das lokale Klima.
Europaschutzgebiet Steirische Grenzmur
Im Europaschutzgebiet „Steirische Grenzmur mit Gamlitzbach und Gnasbach“ wird eines der bedeutendsten Auenökosysteme Österreichs gestärkt. Das Gebiet liegt entlang der Mur zwischen Spielfeld und Bad Radkersburg, ist Teil des UNESCO-Biosphärenparks „Unteres Murtal“ und umfasst den zweitgrößten Auwald Österreichs. Durch frühere Regulierungen der Mur, abgeschnittene Nebenarme, sinkende Grundwasserstände, Verlandung sowie invasive Arten sind wertvolle Auwald- und Gewässerlebensräume unter Druck geraten.
Im Projekt werden verlandete Lahnen und Auentümpel wiederhergestellt, standorttypische Auwaldbäume gepflanzt, Totholz als wichtiger Lebensraum erhalten und Auwaldflächen langfristig gesichert. Damit entstehen wieder bessere Lebensbedingungen für geschützte Arten wie Kammmolch, Gelbbauchunke, Moorfrosch, Schlammpeitzker, Scharlachkäfer, Hirschkäfer sowie zahlreiche Vogel- und Fledermausarten. Gleichzeitig wird die ökologische Vernetzung im Gebiet verbessert und die Widerstandsfähigkeit der Auwälder gegenüber Klimawandel, Trockenheit und invasiven Arten gestärkt.
Finanziert wird das Vorhaben über den Biodiversitätsfonds. Vorgesehen sind unter anderem die Sanierung von rund 30 Kleingewässern, die Pflanzung von 8.000 heimischen Auwaldbäumen, der Ankauf von bis zu 25 Hektar Auwaldflächen sowie die Anreicherung von Totholz auf rund 30 Hektar. Das Projekt schafft damit konkrete Verbesserungen auf etwa 55 bis 75 Hektar und setzt wichtige Impulse für eine langfristige Revitalisierung der Murauen.
Region Mittleres Steyrtal Pyhrn Eisenwurze
Das Projekt „Wiederherstellung und langfristiger Schutz von FFH-Lebensräumen in der Region Mittleres Steyrtal/Pyhrn Eisenwurzen“ widmet sich ehemals extensiv bewirtschafteten Magerwiesen im Naturschutzgebiet Jaidhaus in Oberösterreich. Viele dieser artenreichen Wiesenflächen sind durch Nutzungsaufgabe verbracht, verbuscht oder aufgeforstet. Dadurch gehen wertvolle Lebensräume wie Berg-Mähwiesen, Kalk-Trockenrasen, Pfeifengraswiesen und Kalkfelsbereiche sowie Lebensräume gefährdeter Arten – etwa des Alpenbocks und verschiedener Orchideenarten – zunehmend verloren.
Ziel des Projekts ist es, diese Flächen wieder offenzuhalten und schrittweise in eine extensive Bewirtschaftung zurückzuführen. Dafür werden verbuschte und teils verwaldete Bereiche wieder beweidbar gemacht, Weideflächen eingerichtet, Zäune, Unterstände und Wasserversorgung aufgebaut sowie einzelne Flächen künftig wieder gemäht. Die Pflege erfolgt vor allem durch extensive Beweidung mit Schafen, Ziegen und Eseln, die sich für die steilen und schwer zugänglichen Flächen besonders eignen.
Umgesetzt wird das Projekt vom Verein „Bergwiesn“ – Kulturlandschaftserhaltungsverein Steyrtal in enger Abstimmung mit der Naturschutzabteilung des Landes Oberösterreich. Der Verein bewirtschaftet bereits zahlreiche artenreiche Extensivwiesen und hat in den vergangenen Jahren über 20 Hektar wieder in dauerhafte Bewirtschaftung gebracht. Nach Projektende soll die langfristige Pflege über das ÖPUL-Programm abgesichert werden. Das Ergebnis sind wiederhergestellte, dauerhaft gepflegte Magerwiesen und Weideflächen, die seltene Arten fördern, die traditionelle Kulturlandschaft erhalten und die Biodiversität im Naturschutzgebiet Jaidhaus langfristig sichern.
Laichplätze an der Ischler Traun
Durch historische Gewässerregulierungen sind viele Laichhabitate und Jungfischlebensräume verloren gegangen. Im Rahmen dieses Naturschutzprojekts wurde der verfestigte Gewässergrund der Ischler Traun an sechs Stellen aufgelockert und bei Bedarf mit frischem Kies ergänzt. Dadurch entstehen neue Laichplätze für heimische Fischarten wie Äsche und Koppe. Gleichzeitig wurden dynamische Flussbereiche geschaffen, die auch Vögeln und der natürlichen Ufervegetation, etwa Weiden, wertvolle Lebensräume bieten.
Die Umsetzung erfolgte in den Wintermonaten, vorzugsweise zwischen Jänner und März, entlang der Ischler Traun bei Engleiten und in Bad Ischl. Dabei wurden verfestigte Gewässerbereiche mit Bagger und Roderechen aufgelockert; wo es sinnvoll ist, wurde zusätzlich frischer Kies eingebracht. Erste Laichplätze entlang der Ischler Traun wurden bereits im Februar 2025 hergestellt.
Renaturierung der Aschach
Der ehemals geradlinig regulierte Flusslauf wurde 2024 auf einer Fläche von rund 6 ha zu einer mäandrierenden Auenstrecke umgestaltet. Im Zuge der Arbeiten wurde zudem ein Geh- und Radweg errichtet. Mit der abschließenden Bepflanzung im November 2024 wurde die Maßnahme abgeschlossen.
Salzachauen
Die Salzach-Auen zwischen Anthering und St. Georgen bei Salzburg zählen zu den artenreichsten und ökologisch wertvollsten Landschaften des Bundeslandes. Als Auwaldlandschaft bieten sie zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum – darunter auch seltene und bedrohte Arten, die auf naturnahe Gewässer, weiche Auwälder, Tümpel und regelmäßig überflutete Flächen angewiesen sind.
Durch menschliche Eingriffe veränderte sich dieses sensible Ökosystem jedoch über Jahrzehnte stark. Natürliche Auwälder wurden teilweise in monotone Fichtenforste umgewandelt, die Salzach wurde begradigt und eingetieft, regelmäßige kleinere Überschwemmungen blieben aus. Dadurch verschwanden typische Lebensräume der Au zunehmend, und viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten gerieten unter Druck.
Mit dem LIFE-Projekt Salzachauen wurden die Salzach-Auen zwischen 2015 und 2021 umfassend renaturiert. Ziel war es, vom Menschen veränderte Flächen wieder in naturnahe Lebensräume für Tiere und Pflanzen zu verwandeln. Ein Schwerpunkt war die Umwandlung eintöniger Fichtenforste in artenreiche Auwälder. Dafür wurden elf Hektar Fichtenwald entfernt, typische Auwaldbäume wie Silberweide, Grauerle, Schwarzpappel und Stieleiche gefördert und rund 14.000 junge Bäume gepflanzt. Zudem wurde der Wasserhaushalt verbessert: Auf rund acht Hektar Fläche kann der Reitbach wieder regelmäßig über die Ufer treten und eine dynamische „Weiche Au“ schaffen. Neue Tümpel, Flachwasserzonen und abgeflachte Ufer bieten zusätzlichen Lebensraum für Amphibien, Insekten, Fische und Vögel.
Ein barrierefreier Auenerlebnisweg, ein Vogelhide und ein Vogellehrpfad machen die Bedeutung der Salzach-Auen auch für Besucherinnen und Besucher erlebbar.
SteToDiV - Stehendes Totholz: Biodiversität und Verweildauer in Österreichs Wäldern
Das Projekt „SteToDiV“ untersucht die Bedeutung von stehendem Totholz für die Biodiversität in Österreichs Wäldern. Im Mittelpunkt stehen die Verweildauer von abgestorbenen, aber noch stehenden Bäumen sowie ihre Funktion als Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen-, Pilz- und Moosarten.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie sich stehendes Totholz im Laufe der Zeit verändert und welche standörtlichen Unterschiede dabei eine Rolle spielen. Die Untersuchungen sollen zeigen, wie lange stehendes Totholz im Wald erhalten bleibt und wie sich die damit verbundene Artenvielfalt entwickelt. Die Erhebungen finden in verschiedenen Regionen Österreichs statt, unter anderem im Biosphärenpark Wienerwald, im Stift Altenburg, in Osttirol und im Nationalpark Kalkalpen.
Die Ergebnisse des Projekts sollen Waldbewirtschafter dabei unterstützen, naturnahes Waldmanagement gezielt weiterzuentwickeln. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die ökologische Bedeutung von Habitatbäumen, Trittsteinbiotopen und Totholzdynamiken in bewirtschafteten wie auch unbewirtschafteten Wäldern gestärkt werden.
Paradieswiese
Die Paradieswiese in Kitzbühel ist ein rund 7 ha großes, ehemals abgetorftes Hochmoor mit angrenzendem Übergangsmoor und Moorwald. Durch den früheren Torfabbau und bestehende Entwässerungsgräben ist der Wasserhaushalt beeinträchtigt, wodurch typische Moorvegetation und torfbildende Prozesse gefährdet sind. Gleichzeitig besitzt das Gebiet einen hohen ökologischen Wert: Es bietet Lebensraum für seltene Arten wie den Kleinen Wasserfrosch, den Teichfrosch, mehrere Sonnentau-Arten und den Sumpfbärlapp.
Ziel des Projekts ist es, den moortypischen Wasserhaushalt wiederherzustellen, torfbildende Vegetation zu fördern und Moorwälder in den Randbereichen zu erweitern. Dafür wurden Wiedervernässungsmaßnahmen geplant, unter anderem durch das Verschließen von Entwässerungsgräben und den Einbau von Spundwänden. Zusätzlich wurden Flachwasserzonen geschaffen, um die Population des Kleinen Wasserfrosches langfristig zu sichern.
Moorrenaturierung Going am Wilden Kaiser
Seit 2023 widmet sich das laufende Naturschutzprojekt „Alpenmoore“ dem Schutz und der Renaturierung wertvoller Moorflächen in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark, insbesondere im Ausseerland. Im Mittelpunkt stehen gezielte Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen, die den langfristigen Erhalt dieser sensiblen Lebensräume sichern sollen. In Tirol konnten bereits im Sommer 2023 erste Maßnahmen in zwei Moorflächen bei Going am Wilden Kaiser umgesetzt werden: Im Hüttelmoos wurde die Vegetation zurückgeschnitten, um die Moorfläche offen zu halten, während im Hahnbodenmoor neue Staudämme zur Wiedervernässung gesetzt wurden. Die Wirksamkeit dieser Maßnahmen zeigt sich bereits deutlich. Um den gesamten Moorbereich weiter zu stabilisieren und die Maßnahmenwirkung zu verbessern, wurden im Hüttelmoos auch in den Herbstmonaten 2024 und 2025 weitere Gehölze zurückgeschnitten.
Sinesbrunn in Tirol
Das Moorgebiet Sinesbrunn bei Tarrenz ist ein rund 59 ha großer, hochgelegener Moor- und Quellkomplex mit nationaler und internationaler Bedeutung. Die Renaturierung zielt darauf ab, die empfindlichen Moorlebensräume, Quellen, Übergangsbereiche und den Wasserhaushalt langfristig zu sichern. Besonders wichtig sind dabei seltene Lebensräume und Arten wie das Firnisglänzende Sichelmoos und die Bileks Azurjungfer. Geplant sind unter anderem hydrologisches Monitoring, die Sicherung wasserrelevanter Strukturen, eine zeitweise Weidefreistellung sensibler Bereiche sowie die Reduktion des Fischbestands im Göfelesee, um Libellenlarven besser zu schützen.
Ein zentraler Belastungsfaktor ist das hohe Besucheraufkommen, insbesondere rund um den Göfelesee. Baden, Feuerstellen, PKW-Verkehr und beschädigte oder niedergelegte Weidezäune beeinträchtigen das Gebiet zusätzlich zu Weide- und Trittschäden. Deshalb ist die Besucherlenkung ein wesentlicher Bestandteil der Renaturierung: Informationstafeln an Parkplätzen, Zugängen und Uferbereichen sollen über den Schutzzweck aufklären und naturverträgliches Verhalten fördern.
Metschacher Moos
Das Projekt „S.O.S. Metschacher Moos“ widmet sich der Renaturierung eines degradierten Moor- und Feuchtlebensraums im Kärntner Zentralraum. Das Metschacher Moos, eine ehemalige Moorfläche im Glantal, wurde in der Vergangenheit entwässert und intensiv landwirtschaftlich genutzt. Seit den 1990er-Jahren ist eine 14,6 Hektar große Fläche außer Nutzung gestellt und ihre natürliche Entwicklung wird wissenschaftlich begleitet.
Ziel des Projekts ist es, das Metschacher Moos langfristig als ökologisch und wissenschaftlich wertvolle Feuchtfläche zu sichern. In tieferliegenden Bereichen sollen Feuchtwiesen entstehen, die sich langfristig zu Niedermooren entwickeln können. Auf anderen Flächen werden feuchte Gehölze sowie Bruch- und Moorwälder gefördert. Ergänzend sind Artenschutzmaßnahmen, insbesondere für ausgewählte Vogelarten, sowie Bewusstseinsbildung und Öffentlichkeitsarbeit vorgesehen.
Renaturierung Drau in Osttirol
Die Drau wird zwischen Lienz und der Grenze zu Kärnten abschnittsweise naturnäher gestaltet. Ziel ist es, dem Fluss wieder mehr Raum zu geben, die Fließgeschwindigkeit zu verringern und dadurch den Hochwasserschutz zu verbessern. Gleichzeitig profitieren auch Tiere und Pflanzen: Naturnahe Uferbereiche, vielfältigere Strukturen und neue Lebensräume stärken die ökologische Funktion des Flusses.
Renaturierung Emmebach
Der Emmebach erstreckt sich im Gemeindegebiet von Altach entlang der Autobahn A14 auf einer Länge von ca. 2.5 Kilometern. Der Einzugsbereich des Gewässers beginnt bei der Hohen Kugel (1600 hm), erstreckt sich über das Gemeindegebiet unserer Nachbargemeinde Götzis und mündet schlussendlich am Ortsende von Altach in den Koblacher Kanal.
In einem über ca. 5 Jahre dauernden Planungs- und Entwicklungsprozess wurde eine Renaturierungsstrecke herausgearbeitet, welche die Ökologie, den Hochwasserschutz und den Naherholungsraum für den Menschen optimal vereint.
Dornbirner Ach
Im Herbst 2026 startet das Land Vorarlberg ein umfassendes Revitalisierungsprojekt an der Dornbirner Ach. Ziel ist es, den Fluss ökologisch aufzuwerten, naturnahe Lebensräume zu schaffen und die Dornbirner Ach langfristig als wertvollen Naturraum für kommende Generationen zu sichern.
Wie viele Gewässer wurde auch die Dornbirner Ach im Laufe des letzten Jahrhunderts begradigt und technisch ausgebaut. Dadurch gingen wichtige natürliche Strukturen verloren: Die Ufer sind heute weitgehend einheitlich verbaut, es fehlt an Beschattung, und Fische sowie andere Wasserlebewesen finden nur eingeschränkt geeignete Lebensräume.
Neben der ökologischen Aufwertung soll das Projekt auch den Gewässerunterhalt erleichtern und den Erholungswert der Uferzone verbessern. Der bestehende Hochwasserschutz bleibt dabei unverändert erhalten. Sämtliche Maßnahmen erfolgen ausschließlich auf öffentlichem Wassergrund; private Grundstücke werden nicht beansprucht.