Tirol: Investitionen über 106 Millionen Euro für den Schutz vor Naturgefahren in 2026

Gruppenbild von Wildbach- und Lawinenverbauung Sektionsleiter Gebhard Walter, Vorstand der Gruppe Forst im Land Tirol Harald Oblasser und zwei weiteren Personen
Foto: Die Fotografen / Sandra Blaunstein

Um den Lebensraum in Tirol vor Naturgefahren zu schützen investieren Bund, Land und Gemeinden gemeinsam 2026 mehr als 106 Millionen Euro in die Schutzinfrastruktur. 

In Tirol bleibt im Jahr 2026 das Investitionsniveau weiterhin hoch. Insgesamt stehen 106,7 Millionen Euro für Maßnahmen zur Verfügung, die Bevölkerung, Infrastruktur und Wirtschaftsräume vor Hochwasser, Muren, Lawinen, Steinschlag und Erosion schützen sollen.

Der Hauptanteil der Mittel fällt auf wasser- und wildbachbezogenen Schutzmaßnahmen. Für den Hochwasserschutz an Tal- und Hauptgewässern sind 36,9 Millionen Euro vorgesehen, weitere 34,8 Millionen Euro fließen in Projekte an Wildbächen. Der Schutzwald wird mit 18,3 Millionen Euro gestärkt. Ergänzend werden 12,1 Millionen Euro in den Lawinenschutz sowie 4,6 Millionen Euro in Maßnahmen gegen Steinschlag und Erosion investiert.

Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium, die Europäischen Union, das Land Tirol, Gemeinden sowie Infrastrukturträgern, Grundeigentümer und Grundeigentümerinnen und Waldbesitzer sowie Waldbesitzerinnen.

Regionale Schwerpunkte in Tirol

Eine Hauptrolle spielt dieses Jahr wieder der Bezirk Lienz, der mit 26,1 Millionen den größten Investitionsanteil erhält. Weitere Schwerpunkte liegen auf den Bezirken Innsbruck-Land (16,2 Millionen Euro) und Schwaz (14,5 Millionen Euro).

„Der Schutz vor Naturgefahren ist für Tirol von existenzieller Bedeutung. Ein wirksamer
Hochwasserschutz bedeutet Sicherheit für Familien, für Gemeinden und für Betriebe. Gemeinsam mit
dem Land und den Tiroler Gemeinden setzen wir gezielt Projekte um, die Menschen und
Lebensräume nachhaltig schützen. Mit der Genehmigung der Mittel in den Kommissionssitzungen
Wasserwirtschaft schaffen wir für den Hochwasserschutz die finanzielle Grundlage dafür. Bei den
Sitzungen im Jahr 2025 haben wir für Tirol bereits 23 Millionen Euro für 37 Hochwasserschutzprojekte
zugesichert. Damit investieren wir entschlossen in Sicherheit, Vorsorge und den Schutz der
Bevölkerung“, so Bundesminister Norbert Totschnig.

Blick auf die Personen im Sitzungssaal

Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler ergänzt: „Tirol ist ein sicheres Land. Wir leben seit jeher
mit Naturgefahren und schützen Land und Leute, so gut es geht. 100-prozentigen Schutz wird es aber
nicht geben. Das vergangene Jahr hat uns einmal mehr gezeigt, dass wir uns nicht in Sicherheit
wiegen dürfen. Wir arbeiten permanent an der Verbesserung des Naturgefahrenmanagements,
reagieren auf neue Herausforderungen und investieren beträchtliche Summen, um unsere Talschaften
als sichere und attraktive Lebens- und Wirtschafträume zu erhalten. Hoffen wir, dass mit Hilfe dieser
Maßnahmen auch heuer kein Menschenleben im direkten Siedlungsraum durch Hochwasser, Muren,
Lawinen oder Steinschlag zu Schaden kommt.“

Gschnitztal: Wenn schnelle Kooperation entscheidend ist

Vor allem die Ereignisse im Gschnitztal im Sommer 2025 verdeutlichen, wie wichtig abgestimmtes Vorgehen im Krisenfall ist. Ein heftiges Gewitter führte dort innerhalb kurzer Zeit zu massiven Murabgängen, wodurch der Gschnitzbach verlegt und Überschwemmungen ausgelöst wurden. Unmittelbar nach dem Ereignis setzten umfangreiche Räum- und Sicherungsmaßnahmen ein. Insgesamt wurden dabei mehr als 250.000 Kubikmeter Material bewegt, gesichert oder weiterverwertet. Die Verantwortlichen betonen, dass insbesondere die enge Abstimmung zwischen den Einsatzorganisationen eine rasche Hilfe für die betroffene Bevölkerung ermöglicht habe.

Schutzwälder im Fokus

Die Situation der Tiroler Wälder war im 2025 im Verlgeich zu den vergangenen Jahren deutlich besser. Es gab nur wenige Schadereignisse und die günstigen Witterungsbedingungen haben die Widerstandskraft der Bestände verbessert. Gleichzeitig bleibt die Situation angespannt, da der Schadholzanteil weiterhin hoch ist. Über den Landesforstgarten wurden erneut mehr als drei Millionen standortgerechte Pflanzen bereitgestellt. Der Trend geht dabei klar in Richtung klimafitte Mischwälder mit einem geringeren Fichtenanteil und mehr Laub- und Mischbaumarten.

Eine aktuelle Karte des Bundes unterstreicht die Bedeutung dieser Wälder: 87 % der Tiroler Waldflächen erfüllen eine Schutzfunktion. Auf mehr als der Hälfte dieser Flächen steht der direkte Schutz vor Siedlungen, Infrastruktur und Betrieben im Vordergrund. Für 2026 liegt der Schwerpunkt verstärkt auf dem Schutzwald, insbesondere in Siedlungs- und Wirtschaftsgebieten. Diese gelten als zentrale und besonders wirksame Maßnahme zum Schutz vor Naturgefahren. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass eine enge Zusammenarbeit für einen nachhhaltigen Schutz von zentraler Rolle ist.