Der Schlammpeitzger ist Fisch des Jahres 2026

Foto eines Schlammpeitzgers auf einer menschlichen Hand.
Schlammpeitzger am Neusiedlersee Foto: Clemens RATSCHAN

Der Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis), auch Furzgrundel genannt, ist der Fisch des Jahres 2026. Kaum jemand kennt ihn, denn er lebt im Verborgenen: meist nachtaktiv, gut getarnt und bevorzugt in Lebensräumen, die heute selten geworden sind. Mit der Wahl des Schlammpeitzgers zum Fisch des Jahres wird auf die dringende Bedeutung intakter Auenlandschaften aufmerksam gemacht.

Steckbrief: Ein besonderer Fisch

Mit bis zu 30 Zentimetern Länge ist der Schlammpeitzger der größte Vertreter der heimischen Schmerlenarten. Charakteristisch sind sein langestreckter Körper und die zehn Barteln rund um das unterständige Maul, mit denen er im Schlamm nach Nahrung sucht. Auf dem Speiseplan stehen Würmer, Insektenlarven, Kleinkrebse, Muscheln und Schnecken. Ein spannendes Detail: Männchen erkennt man an ihren deutlich größeren, zugespitzten Brustflossen. Die Fortpflanzung erfolgt nachts zwischen April und Juli. Dabei legen die Weibchen bis zu 170.000 Eier portionsweise an Wasserpflanzen ab.

Der ungewöhnliche Spitzname „Furzgrundel“ kommt von einer ganz besonderen Fähigkeit des Schlammpeitzgers: Er kann zusätzlich über den Darm atmen. Wenn das Wasser sehr sauerstoffarm ist, schluckt der Fisch Luft, entzieht ihr im Darm Sauerstoff und gibt die restlichen Gase wieder ab. Dabei entstehen mitunter kleine Bläschen und Geräusche – was dem Schlammpeitzger im Volksmund diesen humorvollen Namen eingebracht hat. Diese besondere Anpassung hilft ihm, auch in schlammigen, warmen und zeitweise austrocknenden Gewässern zu überleben.

Nahaufnahme von einem Schlammpeitzger im Wasser.
Foto von einem Altarm im Marchland.
Altarm Marchland

Wo der Schlammpeitzger vorkommt

In Österreich ist der Schlammpeitzger aktuell in Nieder- und Oberösterreich, der Steiermark, dem Burgenland und Kärnten nachgewiesen. Wichtige Rückzugsgebiete sind unter anderem der Nationalpark Donau-Auen, die March-Auen, das Neusiedlersee-Gebiet sowie ehemalige Donau-Nebenarme in Oberösterreich. Besonders stabile Bestände mit aktiver Fortpflanzung wurden im Grabensystem der Alten Thaya bei Hohenau und im WWF-Schutzgebiet bei Marchegg dokumentiert.

Foto eines Schlammpeitzgers im Aquarium.

Lebensraum verschwindet

In der Roten Liste der Fische Österreichs (2007) wurde der Schlammpeitzger noch als „vom Aussterben bedroht“ geführt. Neuere Untersuchungen ermöglichen inzwischen eine etwas günstigere Einstufung als „stark gefährdet“. Dennoch bleibt der Erhaltungszustand kritisch. Die letzten drei FFH-Statusberichte (2007, 2013, 2019) bewerten den Zustand der Art weiterhin als „ungünstig bis schlecht“. Ohne gezielte Schutzmaßnahmen ist keine nachhaltige Erholung der Bestände zu erwarten.

Da unsere heimischen Auen durch Verbauungen und den Klimawandel erheblich beeinträchtigt sind, hat der Schlammpeitzger weniger Lebensraum zur Verfügung. Zentrale Ziele für den Artenschutz sind daher ein besserer Überblick über die tatsächliche Verbreitung, das Verständnis geeigneter Lebensräume sowie die Umsetzung konkreter Schutzmaßnahmen. Als sogenannte Schirmart steht der Schlammpeitzger stellvertretend für viele weitere, seltene Arten der Auenlandschaften.