Verdunstung im Fokus: Forschungsprojekt „VeSchN“ untersucht Schilfgürtel des Neusiedler Sees
Mit dem Forschungsprojekt „Verdunstung Schilf Neusiedlersee (VeSchN)“ wird nun erstmals systematisch untersucht, welchen Beitrag das Schilf zur Wasserbilanz des Sees leistet. Ziel ist es, eine belastbare Datengrundlage für die nachhaltige Bewirtschaftung dieser einzigartigen Region zu schaffen.
Der Neusiedler See zählt zu den bedeutendsten Steppenseen Europas und ist zugleich ein sensibles Ökosystem. In den vergangenen Jahren haben starke Schwankungen des Wasserstands gezeigt, wie stark der See auf klimatische Veränderungen reagiert. Besonders in den Sommermonaten spielt die Verdunstung eine zentrale Rolle – nicht nur über die freie Wasserfläche, sondern auch über den ausgedehnten Schilfgürtel.
Schilf als unterschätzter Faktor im Wasserhaushalt
Der Neusiedler See umfasst ein gesamtes Seengebiet von rund 360 km², davon etwa 140 km² freie Wasserfläche (inklusive ungarischer Anteile) und rund 180 km² Schilfzone. Während die Verdunstung offener Wasserflächen gut erforscht ist, stellt der Schilfgürtel bislang eine zentrale Wissenslücke dar.
Genau hier setzt das Projekt VeSchN an: Auf repräsentativen Flächen im Schilfgürtel werden mit innovativen Messmethoden die tatsächlichen Verdunstungsraten erhoben. Dabei werden gezielt unterschiedliche Bedingungen berücksichtigt – etwa die Vitalität des Schilfs, verschiedene Schilfmanagement-Strategien sowie wechselnde hydrologische und meteorologische Einflüsse.
Ergänzende Messungen entlang von Gebietstransekten liefern zusätzliche Erkenntnisse über Strömungsverhalten und hydrologische Prozesse im System.
Grundlage für nachhaltige Entscheidungen in der Region
Auf Basis der erhobenen Daten wird die Gesamtverdunstung des Sees und seines Schilfgürtels abgeschätzt, mit Fernerkundungsdaten abgeglichen und räumlich hochskaliert. Die Ergebnisse werden regionalisiert und anschaulich aufbereitet.
Damit schafft das Projekt eine fundierte Entscheidungsbasis für das Schilfmanagement und die Wasserbewirtschaftung in der Region. Gleichzeitig liefern die Erkenntnisse wichtige Impulse für vergleichbare Feuchtgebiete in Österreich und Europa.
Projektinformation
Das Projekt ist auf 36 Monate angelegt und wird vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gemeinsam mit dem Land Burgenland finanziert. Umgesetzt wird es in Kooperation von BAW Research – Bundesamt für Wasserwirtschaft und der Forschung Burgenland GmbH.