Gemeinsam forschen - die 48. Jahrestagung der BBK
Die Bund-Bundesländer-Kooperation Forschung (BBK) hielt am 1. und 2. Oktober 2026 ihre Arbeitstagung in Wien ab. Im Mittelpunkt standen der Austausch zwischen Bund, Ländern, Forschungseinrichtungen und Praxis sowie die Präsentation anwendungsorientierter Forschungsprojekte in den Bereichen Tierwohl, nachhaltige Proteinversorgung, Boden- und Umweltschutz.
Die BBK ist ein gemeinsames Instrument von Bund und Ländern zur Koordination und Finanzierung von Forschungsvorhaben von überregionalem, regionalem oder lokalem Interesse. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf interdisziplinären Projekten, die bestehende Forschungsdefizite aufgreifen und Grundlagen für Entscheidungen in Politik und Verwaltung schaffen.
Austausch zu Forschungskooperationen
Der erste Tag der Arbeitstagung fand in den Räumlichkeiten des Ministeriums statt. Nach der Begrüßung durch Peter Wieser, Leiter der MA 23 – Wirtschaft, Arbeit und Statistik der Stadt Wien, gab Reinhard Mang, Sektionschef der Sektion Steuerung und Services im BMLUK, einen Überblick über Forschungskooperationen aus Sicht des Ressorts.
Anschließend wurde der Forschungs- und Wirtschaftsstandort Wien vorgestellt. Bernhard Bichler, Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung, Unternehmensservice im BMLUK, informierte über die Ressortforschung des Ministeriums.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Vorstellung ausgewählter Projekte der Bund-Bundesländer-Kooperation. Die Beiträge zeigten die thematische Breite der geförderten Forschung und deren unmittelbaren Bezug zu aktuellen Herausforderungen in Landwirtschaft, Umwelt, Tierhaltung und regionaler Wertschöpfung.
Gemeinsame Forschungsprojekte
Tierwohl in der Legehennenhaltung
Im Projekt „GesundesBrustbein“ untersucht die Veterinärmedizinische Universität Wien das Auftreten von Brustbeinfrakturen bei österreichischen Legehennen und Legehennen-Elterntieren. Neben der Ermittlung der Häufigkeit stehen mögliche Risikofaktoren in Haltung und Management sowie Zusammenhänge mit der Produktivität im Mittelpunkt.
Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, praxisnahe und möglichst einfach umsetzbare Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls zu entwickeln. Dazu zählen etwa eine optimierte Gestaltung der Volieren, bessere Bewegungsmöglichkeiten und angepasste Licht- und Managementbedingungen.
Regionale Proteinquellen für die Fischfütterung
Die Projekte „LeTe-Protein“ und „ReProtein“ befassen sich mit der Gewinnung regionaler Proteinquellen aus Wasserlinsen und Mehlkäferlarven. Dabei werden Nebenprodukte aus der landwirtschaftlichen Verarbeitung sowie nährstoffreiches Restwasser aus Aquakulturanlagen genutzt.
Ziel ist es, regionale Stoffkreisläufe zu schließen und nachhaltige Alternativen zu herkömmlichen, teilweise importierten Futtermitteln zu entwickeln. In den Projekten werden unter anderem die Kultivierung der Wasserlinse, die Aufzucht von Mehlkäferlarven, die Zusammensetzung der gewonnenen Proteine und deren Eignung für die Fischfütterung untersucht.
Die Projektvorstellungen machten zugleich deutlich, dass neben vielversprechenden Ansätzen auch offene Fragen – beispielsweise zur möglichen Anreicherung von Schwermetallen in Wasserlinsen – weiterbearbeitet werden müssen.
Plastik und Schadstoffe in Böden
Mit den Projekten „PLASBo“ und „BoOOM“ standen außerdem aktuelle Fragen des Bodenschutzes auf der Tagesordnung.
Im Rahmen von PLASBo wurden österreichweit harmonisierte Methoden zur Probenahme und Untersuchung von Plastik und Mikroplastik in Böden entwickelt und erprobt. Die Ergebnisse sollen vergleichbare Datengrundlagen schaffen und die Bewertung möglicher Eintragspfade unterstützen.
BoOOM baut auf diesen Arbeiten auf. Im Projekt werden Daten zu organischen Schadstoffen, PFAS und Mikroplastik zusammengeführt und ausgewertet. Außerdem sollen Grundlagen für Orientierungswerte und für eine fachlich fundierte Bewertung von Schadstoffbelastungen in Böden und organischen Düngemitteln erarbeitet werden. Damit unterstützt das Projekt Umweltverwaltung, Landwirtschaft, Forschung und Praxis bei der Entwicklung von Maßnahmen für Bodenschutz und schadstoffarme Kreislaufwirtschaft.
Einblicke in die Geosphäre-Forschung
Am Nachmittag informierte Gerlinde Posch-Trözmüller über aktuelle Entwicklungen bei GeoSphere Austria. Die Präsentation ergänzte die Projektvorstellungen um eine Perspektive auf geowissenschaftliche Daten und deren Bedeutung für Forschung, Verwaltung und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse. Im Anschluss fand eine interne Besprechung der Bund-Bundesländer-Kooperation statt.
Forschung an der HBLFA Schönbrunn
Der zweite Veranstaltungstag führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau Schönbrunn. In Führungen durch die Kammermeierei Schönbrunn und den Hauptstandort in der Grünbergstraße wurden aktuelle Arbeiten und Praxisfelder der HBLFA vorgestellt.
Auf dem Programm standen Einblicke in:
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den Anbau von Stauden und Sommerblumen im Sichtungsgarten,
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den Gemüsebau,
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den Pflanzenschutz,
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den Zierpflanzenbau.
Die Führungen boten Gelegenheit, Forschungs- und Bildungsarbeit unmittelbar vor Ort kennenzulernen und die Verbindung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, Ausbildung und gärtnerischer Praxis zu diskutieren.
Vernetzung von Forschung und Praxis
Die Arbeitstagung 2026 verdeutlichte die zentrale Funktion der Bund-Bundesländer-Kooperation als Plattform für Information, Abstimmung und Vernetzung. Die vorgestellten Projekte reichen von Tierwohl und nachhaltiger Aquakultur über regionale Kreislaufwirtschaft bis hin zu Bodenmonitoring und Umweltschutz.
Gemeinsam ist den Vorhaben der Anspruch, anwendungsorientierte Forschung mit konkretem Nutzen für Verwaltung, Landwirtschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zu verbinden. Der Austausch zwischen Bund, Ländern, Forschungseinrichtungen und Praxis schafft dabei wichtige Voraussetzungen, um Forschungsergebnisse weiterzuentwickeln und in geeignete Maßnahmen und Entscheidungsgrundlagen zu überführen.