Bäuerinnen-Studie 2026: Neue Erkenntnisse für die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft
Die Ergebnisse der Bäuerinnen-Studie 2026 zeigen einen klaren Wandel: Bäuerinnen übernehmen heute mehr Verantwortung in der Führung und Entwicklung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.
Sie sind bei neuen Betriebszweigen häufig federführend tätig und stärker in Stall-, Feld- und Außenarbeiten eingebunden. Die Rolle der Bäuerin entwickelt sich zunehmend von der Mitarbeit am Betrieb hin zu mehr eigenständiger Verantwortung und Betriebsführung.
Aber die Studie zeigt zugleich: Haushalt, Kinderbetreuung und Pflege bleiben überwiegend die Aufgabe der Bäuerin. Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage, um die Rahmenbedingungen für Frauen auf den Höfen weiterzuentwickeln.
Rolle der Bäuerin ist im Wandel
Bäuerinnen übernehmen heute mehr Verantwortung in der Führung land- und forstwirtschaftlicher Betriebe als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Der Anteil der Hofübernehmerinnen unter den befragten Frauen ist seit der letzten Erhebung von 22 Prozent im Jahr 2016 auf 34 Prozent im Jahr 2026 gestiegen. 38 Prozent der Befragten bezeichnen sich als hauptverantwortliche Betriebsleiterinnen und weitere 31 Prozent geben an, den Betrieb in Ehegemeinschaft zu führen.
Auch bei Neugründungen ist der Anteil gestiegen: rund 8 Prozent der Befragten haben einen land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb neu gegründet – um rund 2 Prozentpunkte mehr als 2016. Zugleich hat die biologische Bewirtschaftung unter den befragten Bäuerinnen zugenommen: 2026 bewirtschaftet mehr als ein Drittel ihren Betrieb als Biobetrieb, 2016 war es rund ein Viertel.
Bäuerinnen entwickeln neue Betriebszweige
Die Befragung zeigt, wie vielfältig die Aufgaben von Bäuerinnen sind: Neben der Arbeit im Stall sowie der Feld- und Außenarbeit übernehmen sie Management- und Verwaltungsaufgaben und gestalten zusätzliche Betriebszweige am Hof.
Besonders in der Direktvermarktung (rund 66 Prozent), der Be- und Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte (rund 58 Prozent), im Tourismus (rund 77 Prozent) sowie bei Angeboten in den Bereichen Bildung, Soziales und Gesundheit (rund 86 Prozent) sind die befragten Bäuerinnen häufig federführend tätig. Sie bringen Qualifikationen und Erfahrungen ein, mit denen sie zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für die Betriebe erschließen.
Bildung ist zentrales Fundament
Neben der wachsenden Verantwortung am Betrieb, steigt auch das Bildungsniveau der Bäuerinnen deutlich. Das zeigt sich besonders bei Jungbäuerinnen vor der Betriebsübernahme: Während 2026 bei allen befragten Bäuerinnen rund vier von zehn mindestens Maturaniveau haben, ist es bei den Jungbäuerinnen bereits mehr als jede Zweite. Gleichzeitig bringen viele Frauen landwirtschaftliche Fachausbildungen sowie Qualifikationen in handwerklich-technischen Bereichen, Marketing, Kommunikation und Digitalisierung mit.
Betriebliche Verantwortung und Care-Arbeit zusammen denken
Mit der stärkeren Rolle im Betrieb ist die Arbeit zu Hause nicht automatisch gleichmäßiger verteilt. Laut der Studie erledigen die befragten Bäuerinnen rund 80 Prozent der Hausarbeit allein, bei der Kinder- und Enkelbetreuung liegt ihr Anteil bei 77 Prozent. Bei den Befragten, die Angehörige pflegen, übernehmen 78 Prozent diese Aufgabe selbst.
Auch Entlastung bleibt ein zentrales Thema: Etwa ein Drittel aller befragten Bäuerinnen geben an, noch nie Urlaub gemacht zu haben. Mehr als die Hälfte empfinden die Vereinbarkeit von Freizeit und landwirtschaftlicher Tätigkeit als belastend oder sehr belastend. Die Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig Entlastung und eine partnerschaftliche Verteilung der Aufgaben für die Lebens- und Arbeitsqualität auf den Höfen sind.
Eigentum, Altersvorsorge und Hofnachfolge
Betriebliche Verantwortung bedeutet nicht immer Eigentum: rund 20 Prozent der Befragten geben an, alleinige Eigentümerinnen ihres Betriebs zu sein, 42 Prozent besitzen ihn gemeinsam mit ihrem (Ehe-)Partner. Für das Alter fühlen sich 78 Prozent der Befragten sehr gut oder eher abgesichert, rund 16 Prozent geben an sich weniger gut oder nicht abgesichert zu fühlen. 2,4 Prozent der Befragten verfügt über keine Altersvorsorge.
Die Hofnachfolge ist bei 31 Prozent der befragten Betriebe bereits geregelt, bei 62 Prozent ist diese noch offen.
Wenn die Hofnachfolge bereits geregelt ist, nennen aktive Bäuerinnen in 78 Prozent der Fälle einen Sohn und in 16 Prozent eine Tochter als künftige Betriebsübernehmerin / künftigen Betriebsübernehmer. Der Anteil der Töchter als Betriebsübernehmerin ist gegenüber 2016 gestiegen, zugleich zeigt die Studie, dass Söhne weiterhin überwiegend als Nachfolger vorgesehen sind.
Klimawandel und wirtschaftlicher Druck
Die Befragten nehmen die Folgen des Klimawandels auf ihren Betrieben deutlich wahr: fast 90 Prozent berichten von Trockenperioden, Hitzewellen oder Dürre, rund drei Viertel beobachten eine Zunahme von Starkregen und Hagel. Über die Hälfte der Befragten empfinden die Betroffenheit von Klimaveränderungen als belastend oder sehr belastend. Noch häufiger werden globale wirtschaftliche und politische Faktoren wie schwankende Preise oder Handelsabkommen als Belastung genannt. Auch körperliche Arbeit und Verwaltungsaufgaben empfinden die Bäuerinnen auf ihren Betrieben als belastend.
Handlungsempfehlungen als Grundlage für weitere Verbesserungen
Die Handlungsempfehlungen der Studie setzen bei einer stärkeren sozialen, rechtlichen und finanziellen Absicherung der Bäuerinnen an. Weitere Schwerpunkte sind unter anderem ein besserer Zugang zu niederschwelligen Informations-, Beratungs- und Entlastungsangeboten sowie eine stärkere Sichtbarkeit ihrer Leistungen.
Sichtbarkeit stärken: Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in Frauenhand“
Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 setzt einen starken Impuls, die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Ziel ist es, über Aufmerksamkeit und Anerkennung hinaus konkrete Verbesserungen auf den Betrieben, in Beratung und Bildung, bei Förderstellen sowie in der Interessenvertretung anzustoßen.
Dazu trägt die Initiative „Bäuerinnen im Fokus – Hof und Land in Frauenhand“ bei, die Bundesminister Norbert Totschnig gemeinsam mit den Bäuerinnen Österreich und der Landwirtschaftskammer Österreich ins Leben gerufen hat.
Zur Bäuerinnen-Studie
Die Studie zur „Arbeits- und Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich 2026“ wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft von BAB Project gemeinsam mit der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft und Bergbauernfragen durchgeführt. Sie wird auf Initiative der Bäuerinnen Österreich seit 1976 alle zehn Jahre erstellt. 2026 wurde die Studie erstmals im Rahmen der Evaluierung des GAP-Strategieplans erarbeitet. Die Erhebung liefert nicht nur Ergebnisse zur aktuellen Situation der Bäuerinnen in Österreich, sondern zeigt auch Entwicklungen und Trends über fünf Jahrzehnte auf.
Für die aktuelle Studie wurde ein umfassender Mixed-Methods-Ansatz gewählt. An der Online-Befragung nahmen mehr als 2.500 Bäuerinnen aus ganz Österreich teil. Ergänzend wurden Workshops und qualitative Erhebungen sowie eine Stakeholder-Diskussion durchgeführt.
Weitere Informationen
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Kurzfassung der Bäuerinnenstudie 2026
Das Ziel der Bäuerinnen-Studie 2026 ist es, die Lebens- und Arbeitssituation der Bäuerinnen in Österreich zu untersuchen und wichtige Themen, Herausforderungen sowie Unterstützungsbedarfe von Frauen in der Land- und Forstwirtschaft in Erfahrung zu bringen. -
BAB: Situation der Bäuerinnen in Österreich 2026
Aktuelle Forschungsprojekte: Analyse der aktuellen Arbeits- und Lebensverhältnisse der Bäuerinnen in Österreich -
Bäuerinnen im Fokus: Hof und Land in Frauenhand
Frauen prägen die Land- und Forstwirtschaft. Sieh dir an, wie sie unser Land gestalten. -
15.10.2026
Presseaussendung
Totschnig präsentiert Bäuerinnenstudie: Erfreuliche Entwicklung zu mehr Hofübernehmerinnen und Betriebsleiterinnen