Botschafter:innen für Biodiversität 2026
Auch im Jahr 2026 wird im Projekt "Farming for Nature - Österreich" eine Reihe an Bäuerinnen und Bauern vor den Vorhang geholt, welche eindrucksvoll vorzeigen wie ihre landwirtschaftliche Tätigkeit zur Biodiversität in der österreichischen Agrarlandschaft beiträgt.
Eine Fachjury hat im Zuge des Projekts Farming for Nature Österreich fünf ausgewählte Bäuerinnen und Bauern zu Biodiversitätsbotschaftern gekürt. Sie zeigen ein Jahr lang bei Betriebsbesuchen und Veranstaltungen, wie Landwirtschaft und Biodiversität Hand in Hand gehen können.
Österreichweit wurden dieses Jahr 37 Bäuerinnen und Bauern als mögliche Biodiversitätsbotschafter nominiert. Die Fachjury hat aus diesem Pool fünf Botschafterinnen und Botschafter für das Jahr 2026 ausgewählt.
Einladung und Programm der Abendveranstaltung am 12.November im Ankersaal in Wien
Abstimmung zum Publikumsliebling
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Silvia Fruhmanns Credo beim Gemüseanbau: Nur ein gesunder Boden produziert gesunde Lebensmittel. Über den Sommer wird der Boden mit einer Mulchschicht aus Luzerne bedeckt, wodurch Feuchtigkeit gespeichert, das Bodenleben gefördert und Schädlinge in Schach gehalten werden. Gedüngt wird mit Rindermist, zusätzlich stärkt die Bäuerin ihre Kulturen mit Pflanzentees aus Kräutern wie Brennnessel, Beinwell oder Schafgarbe.
Besonders wichtig sind Silvia Fruhmann Blühstreifen zwischen den Gemüsereihen. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für viele Insekten und fördern Nützlinge, die für sie im Gemüsebau eine wichtige Rolle spielen. Mehrjährige Blühstreifen sorgen dafür, dass sich Insektenpopulationen dauerhaft etablieren können.
Mit rund 40 verschiedenen Gemüsesorten setzt Silvia Fruhmann im Anbau bewusst auf Diversität. Das fördert nicht nur die genetische, sondern auch die kulinarische Vielfalt. Auch wirtschaftlich bietet die Sortenvielfalt Sicherheit: Kommt eine Kultur schlechter, können Ernteeinbußen durch die anderen Kulturen abgepuffert werden.
Auch rund um die Felder werden Strukturelemente gezielt angelegt: Eine Mehrnutzenhecke mit Obstbäumen und Sträuchern dient als Windschutz für Kulturen und ist gleichzeitig Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Alte oder abgestorbene Bäume bleiben stehen, Dornenhecken dürfen wachsen und Nistkästen werden ausgebracht. Totholz- und Steinhaufen bieten als Käferburg und Reptilienhotel zusätzliche Rückzugsräume für tierische Mitbewohner.
Gemeinsam mit seiner Frau Karin und den vier Kindern lebt Michael auf einem Green-Care-zertifizierten Bio-Bauernhof in Dölsach in Osttirol. In den vergangenen Jahren hat die Familie den Betrieb Schritt für Schritt weiterentwickelt und neue Standbeine aufgebaut. Viele der Ackerfrüchte, die angebaut werden, werden direkt am Hof weiterveredelt – etwa zu Müsli, Keksen, Tee, Samen, Ölen oder Räuchermischungen, die im Selbstbedienungshofladen erhältlich sind.
Seit einigen Jahren setzt Michael verstärkt auf den Anbau von Hanf. Die Kultur lockert den Boden, unterdrückt Unkraut und passt ideal in die vielfältige Fruchtfolge. Auch die bunte Mutterkuhherde mit rund 15 Mutterkühen ist Teil des Betriebskonzepts und ermöglicht einen geschlossenen, verlustfreien Kreislauf: Mist und Gülle dienen als Dünger für die Felder, während Nebenprodukte aus dem Ackerbau als Ergänzungsfutter genutzt werden.
Eine naturnahe Bewirtschaftung und ein gesunder Boden stehen für Michael im Mittelpunkt der Bewirtschaftung und seiner Lebensphilosophie. Biodiversitätsflächen, abwechslungsreiche Fruchtfolgen, humusaufbauende Maßnahmen und extensiv bewirtschaftetes Grünland schaffen wertvolle Lebensräume für Insekten und Wildtiere. Offenheit für neue Kulturen und das Vertrauen in natürliche Kreisläufe prägen seine Arbeit und zeigen, wie vielfältig und zukunftsfähig Landwirtschaft sein kann. Zudem öffnen die Halbfurters ihre Hoftür, ermöglichen Seminare, Beratung und Aufenthalte auf dem Betrieb und laden Besucher ein, die Vielfalt und Lebendigkeit ihrer Landwirtschaft und der Natur selbst zu erleben.
Die Grünlandbewirtschaftung steht im Zentrum von Alois Kiegerls Beitrag zur Biodiversität. Ein Großteil der Grünlandflächen wird überwiegend nur zweimal, maximal dreimal gemäht, mit verzögertem Schnittzeitpunkt. Dadurch entwickeln sich artenreiche Blumenbestände, die wiederum Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten bieten. Ein wichtiges Prinzip ist für ihn der abgestufte Wiesenbau: Hofnahe Flächen werden intensiver genutzt, während weiter entfernte Wiesen extensiver bewirtschaftet bzw. beweidet werden. Das Ausbringen von Dünger und die Grünfuttergewinnung passieren dementsprechend überwiegend in Hofnähe und damit ressourcenschonend.
Als Mitglied einer Gemeinschaftsalm bewirtschaftet Alois Kiegerl gemeinsam mit rund 40 anderen Bauern rund 500 Hektar Almfläche. Indem ein Teil seiner 70-80 Murbodner Rinder den Sommer auf der Alm verbringt, sorgt Alois Kiegerl dafür, dass wertvolle Almflächen in einem Natura 2000-Gebiet offengehalten werden und damit wertvolle Lebensräume wie Bürstlingsrasen erhalten bleiben.
Ein bewusster Umgang mit dem Grünland ist dem Landwirt besonders wichtig: Vielfältige, artenreiche Wiesen fördern nicht nur Insekten und andere Tiere, sondern liefern auch hochwertiges Futter für seine Rinder. Grünfutterbasierte Fütterung mit möglichst wenig Kraftfutter in Kombination mit einer stressfreien Schlachtung spiegelt sich dann wiederum in einer hohen Fleischqualität wider, die seine Kunden zu schätzen wissen. Für Alois Kiegerl zeigt sich damit, dass vernünftige Grünlandwirtschaft Hand in Hand gehen kann mit Tierwohl und Naturschutz – das bestätigt ihn jeden Tag aufs Neue in seiner Art der Bewirtschaftung.
Auf den Ackerflächen wachsen alte, an die Region angepasste Getreidesorten wie Ostro-Dinkel, Berglandroggen oder Nackthafer, ergänzt durch Kulturen wie Leinsamen oder Erdäpfel. Mit dieser Vielfalt fördert Irene Lüdemann robuste Pflanzenbestände und schafft gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Insekten und Wildtiere. Am Betrieb wird pfluglos gearbeitet, Bodenbearbeitung erfolgt – wenn überhaupt – nur mit Ackerfräse und Leichtgrubber. Seit 2018 setzt Irene Lüdemann vermehrt auf Untersaaten und Zwischenfrüchte, damit die Böden ganzjährig bedeckt sind. Dadurch wird Humus aufgebaut und das Bodenleben gestärkt.
Vielfalt findet man auch rund um die Ackerflächen: Auf sieben der acht Feldstücke hat Irene Lüdemann Agroforststreifen angelegt, bestehend aus Rosskastanie, Vogelkirsche, Eberesche und Birke sowie Obstfrucht-Gehölze. Ergänzt werden die Agroforstsysteme mit insgesamt 800 Laufmetern zweier Mehrnutzenhecken, bestehend aus 25 verschiedenen Baum- und Strauchsorten. Erdkröten, Eidechsen, Rebhühner – sie alle nehmen diese Rückzugsmöglichkeiten dankend an.
Ackerraine werden stehen gelassen, Trockensteinmauer angelegt, der Wald in Richtung Plenterwald umgestaltet – das Motto des Betriebs „Der Natur mehr Raum geben“ wird von Irene Lüdemann und ihrem Mann tatkräftig umgesetzt. Und das ist nicht nur gut für die Natur: Lebendiger, gut verwurzelter Boden wirkt bei starkregenereignissen der Bodenerosion entgegen, an die Region angepasste Getreidesorten sind weniger anfällig für Krankheiten und Agroforststreifen können für die Ackerkulturen als Windschutz und Schattenspender fungieren.
Ausgehend von sieben Hektar Fläche und 15 Ziegen bewirtschaften Carmen Petutschnig-Erschen und ihr Mann heute rund 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche sowie 25 Hektar Wald. Im Mittelpunkt steht die Haltung von etwa 200 Ziegen, darunter auch die Pinzgauer Gebirgsziegen, einer gefährdeten Nutztierrasse. Die gesamte Ziegenmilch wird direkt am Hof zu Produkten wie pasteurisierter Milch, Topfen und Weichkäse verarbeitet und regional vermarktet. Ergänzend dazu betreibt die Bäuerin eine Bio-Schweinemast mit rund 100 Tieren sowie eine Pilzzucht.
Die Landwirtschaft ist als Kreislaufsystem aufgebaut. Das Futter für die Schweine und Ziegen wird selbst erzeugt, unter anderem mit vielfältigen Mischkulturen wie Weizen mit Wicke, Roggen mit Wicke oder Triticale mit Peluschke. Auch Ölfrüchte wie Lein, Leindotter oder Sonnenblumen werden angebaut. Auf den Feldern entstehen bewusst kleinere Schläge und abwechslungsreiche Fruchtfolgen. Neben den Talflächen bewirtschaftet die Familie auch Bergwiesen auf einer Alm, die einmal jährlich gemäht werden und wertvolles Futter liefern. Die extensiv genutzten Wiesen bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten, Wildtiere und Pflanzen. Hecken, Acker-Blühflächen, neu entstandene Obstgärten und abwechslungsreiche Kulturen sorgen zusätzlich für Struktur und Vielfalt in der Landschaft.
Tipp
Im Sommer wurden die ausgewählten Betriebe von einem Filmteam besucht. Anhand der auf der Projektwebseite www.farmingfornature.at vorgestellten Kurvideos kann die breite Öffentlichkeit anschließend ihre Lieblingsgeschichte auswählen. Bei Bauernhofspaziergängen und Küchentischgesprächen geben die Biodiversitäts-Botschafter Einblick in ihre Wirtschaftsweise.