Vom Marchfeld bis Bugs Bunny: Das Erfolgsrezept der Karotte

Karotten
Foto: BMLUK / AMA-Bioarchiv

Es gibt nur ganz wenige heimische Gemüse, die einen Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent aufweisen. Die Karotte zählt zu Österreichs orangefarbenen Spitzenreitern, am 4. April feiern wir den Tag der Karotte. Und Ostern steht auch bevor: Was verbindet eigentlich Hasen mit Karotten?

Nur wenige Gemüsesorten kommen so gut wie immer aus Österreich - egal, ob frisch oder Tiefkühlgemüse, ob im Supermarkt oder am Bauernmarkt. Österreichische Karotten knacken die Vollversorgung mit 101 Prozent Selbstversorgungsgrad. Auf knapp 2.000 Hektar werden Karotten angebaut, 1.500 Hektar entfallen auf Niederösterreich.

Bunte Vergangenheit: Warum die Karotte erst später orange wurde

Die zur Familie der Doldengewächse gehörende Daucus carota subsp. Sativus stammt ursprünglich aus der Region des heutigen Afghanistans, Pakistans und Irans. Dort wurde sie bereits vor etwa 5.000 Jahren kultiviert. Die Ur-Formen waren farbenfroher: Karotten waren meist violett, gelb oder weiß. Die uns heute bekannte orangefarbene Sorte wurde erst im 17. und 18. Jahrhundert von niederländischen Züchtern populär gemacht. Eine Theorie besagt, dass dies zu Ehren des niederländischen Königshauses „Oranien“ geschah.

Anbau auf Dämmen: Fruchtfolge und Sortenvielfalt

Das Marchfeld ist die wichtigste Karotten-Anbauregion in Österreich. Das zarte Gemüse mag leichte, sandige Böden und braucht wärmere Temperaturen sowie eine regelmäßige Wasserversorgung. Karotten werden auf Dämmen mit 30 bis 40 Zentimeter Reihenabstand angebaut - nur alle fünf bis sieben Jahre am gleichen Feld. 15 bis 20 Sorten haben in Österreich Bedeutung (bekannte Namen sind Nantes, Imperator, Flakkee oder Berlicum). Hybrid-Saatgut garantiert gleichmäßige Qualitäten, in drei bis viereinhalb Monaten ist eine Karotte reif. Die ersten Frühkarotten gibt es im Juni, die Erntezeit endet im November.

Kurze Distanzen sichern Frische und Qualität

Wenige große Karottenbauern vermarkten direkt an den Lebensmitteleinzelhandel, andere über eine der beiden Erzeugerorganisationen oder direkt an Konsument:innen. Die Verarbeitungsbetriebe sind dort angesiedelt, wo es viele Karottenbauern gibt - somit sind die Transportwege kurz und Frische für die 2025 geernteten 124.855 Tonnen garantiert. Im Jahr 2025 erzielten Karotten ein überdurchschnittliches Ertragsniveau in Österreich mit einer Erntemenge von 124 900 Tonnen (plus vier Prozent im Vergleich zu 2024). Die drei größten Anbauländer der europäischen Union sind übrigens Deutschland, Frankreich und Polen; sie erzeugen zusammen 46 Prozent der Karottenmenge der EU.

Der Hase und die Karotte

Hasen und Kaninchen fressen Karotten. Allerdings sollte das nur in Maßen geschehen, da sie viel Zucker enthalten. Besser für Nagetiere ist das zarte Karottengrün. Woher kommt nun also unser Bild, dass Hasen Karotten lieben? Die wohl stärkste visuelle Verbindung stammt aus dem 20. Jahrhundert. Der Comic-Hase Bugs Bunny war fast immer kauend an einer Karotte zu sehen. Er prägte das weltweite Bild, dass Karotten die Hauptnahrung für Hasen seien. Wir Menschen verzehren übrigens tatsächlich viele Karotten pro Jahr: Der pro Kopf Verzehr in Österreich beträgt zehn Kilo pro Jahr, was das Allroundgemüse zur Nummer zwei nach der Tomate macht. Die Karotte ist somit ein Gemüse, das nicht nur Hasen begeistert, sondern auch eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig, regional und zukunftsfit Österreichs Gemüseanbau ist.