Österreich sieht rot: Die Erdbeere ist die Königin des Frühsommers

Wiesener Ananaserdbeeren
Foto: Haberler Sonnenobst

Kaum eine Frucht ist bei Groß und Klein so beliebt wie die Erdbeere, jedes österreichische Bundesland verfügt über Anbau. Die Vorfreude beginnt bereits im Mai mit den ersten frühen Sorten und reicht bis weit in den Juli mit späten Sorten hinein.

Pflücken, bis der Rücken streikt

Wer erinnert sich nicht gerne an die Sommerausflüge der Kindheit, als es mit der ganzen Familie ins „Erdbeerland“ ging? Diese schöne Tradition lebt weiter: Jedes Jahr aufs Neue zieht es unzählige Familien auf die über 100 herrlichen Erdbeerfelder in ganz Österreich, die zum fröhlichen Selberpflücken einladen. Weltweit gibt es über 1.000 Sorten, die sich im Anbau in einmaltragende und immertragende (mehrmals blühende) Sorten unterteilen. Im professionellen Erwerbsobstanbau haben sich vor allem die geschmacklich hervorragenden und robusten Sorten Elsanta, Clery, Honeoye und Sonata bewährt. Die Sorte Senga Sengana gilt als die unangefochtene Nummer eins für die perfekte Erdbeermarmelade. Und wer direkt am Feld naschen und den Korb füllen möchte, greift besonders gerne zu den aromatischen Selbstpflücker-Lieblingen Polka und Korona.

Süße Vielfalt das ganze Jahr über

Mit ihrer leuchtend roten Farbe und ihrem betörenden Aroma sind Erdbeeren die unangefochtenen Königinnen des Frühsommers. Ab Mai gibt es für Groß und Klein kaum etwas Schöneres, als die Früchte erntefrisch zu naschen. Ob als Hauptdarsteller auf dem Sonntags-Erdbeerkuchen, eingebettet in feine Cremes oder als erfrischendes Eis und Sorbet – die rote Beere ist überall ein Star. Auch in Shakes, Smoothies und spritzigen Bowlen sorgt sie für die perfekte Erfrischung. Wer es süß/sauer mag, kombiniert sie mit grünem Spargel, Rucola und cremigem Mozzarella zu einem raffinierten Sommersalat. Während das klassische Erdbeerjoghurt das ganze Jahr über schmeckt, verwandelt sich die Ernte im Laufe der Saison in feine Säfte, Sirupe, Fruchtsaucen und köstliche Marmeladen. Und dank schonend getrockneter oder tiefgefrorener Früchte müssen wir auch im Winter nicht auf das Sommer-Aroma verzichten.

Erdbeeren

Warum manche Österreicher „Ananas“ zur Erdbeere sagen

Werfen wir einen kurzen Blick auf den Stammbaum der Erdbeere, der sich botanisch in Familie, Gattung, Art und Sorte gliedert. Unsere süße Sommerfrucht gehört überraschenderweise zur Familie der Rosengewächse und zur Gattung Fragaria. Während die wilde Wald-Erdbeere eine eigene Art beschreibt, stammt die großfrüchtige Garten-Erdbeere aus unseren Betrieben von der Kreuzung Fragaria x ananassa ab. Genau hier liegt vermutlich das Sprachrätsel der Mundart der älteren Generation: In manchen Regionen Österreichs werden Erdbeeren bis heute liebevoll „Ananas“ genannt! Ein echtes botanisches Highlight wartet zum Schluss: Die Erdbeere ist im biologischen Sinne eigentlich gar keine Beere, sondern eine Sammelnussfrucht. Das rote Fruchtfleisch ist nur der hochgewachsene Blütenboden. Die wahren Früchte sind die winzigen, gelb-grünen Nüsschen an der Oberfläche – stolze 200 Stück trägt eine durchschnittliche Erdbeere davon auf ihrer Haut!

Österreichs Beeren-Königin in Zahlen

Die Erdbeere ist die unangefochtene Nummer eins im heimischen Beerenanbau: Stolze 70 Prozent der gesamten österreichischen Beerenobsternte entfallen auf die süßen roten Früchte. Insgesamt wachsen sie hierzulande auf einer beachtlichen Fläche von 1.095 Hektar. Das kulinarische Herz des Erdbeeranbaus schlägt dabei im Osten: Niederösterreich führt die Statistik mit 475 Hektar an, dicht gefolgt von Oberösterreich mit 300 Hektar Erdbeerfläche. Das kleine Naturwunder braucht von der Bestäubung bis zur voll ausgereiften roten Frucht gerade einmal vier Wochen! Für den perfekten Genuss gilt beim Kauf oder Selberpflücken eine goldene Regel: Erdbeeren gehören zu den nicht-nachreifenden Früchten. Das bedeutet, nach dem Pflücken legen sie weder an Farbe noch an Süße zu – sie behalten genau den Geschmack, den sie im Moment der Ernte hatten. Der Griff zu vollreifen, tiefroten Früchten lohnt sich also!

Die Erdbeere in der Hauptrolle

Zum großen Finale wird es filmreif! Die Erdbeere hat nämlich seit jeher eine Hauptrolle in Kunst und Popkultur sicher. Sie steht Pate für Kinoklassiker wie Ingmar Bergmanns „Wilde Erdbeeren“ (1957) oder das berührende, Oscar-nominierte Drama „Erdbeer und Schokolade“ (1993). Vielleicht erinnert sich jemand an die legendäre Szene aus „Pretty Woman“ (1990)? Richard Gere serviert Julia Roberts eine Erdbeere zum Champagner und verrät ihr, dass die Frucht den Geschmack des edlen Tropfens erst perfekt abrundet. Schnappen Sie sich also ein paar vollreife, heimische Erdbeeren und testen Sie diesen Hollywood-Tipp vielleicht einmal mit sehr gutem heimischem Sekt aus!

Weitere Informationen: Statistik Austria Obsternte