10. FOREST EUROPE Ministerkonferenz in Stockholm: Weichenstellung für die europäischen Wälder

Der österreichische Vertreter Gerfried Gruber
Foto: Rombai Peter RepeszTech / Rombai Peter

Unter dem Leitthema „The Ministerial Conference – Cooperation, Knowledge and Resilience at the Heart of Europe’s Forest Future“ fand diese am 2. und 3. Juni 2026 statt. VertreterInnen aus über 30 europäischen Staaten sowie der Europäischen Kommission kamen zusammen, um die künftige Ausrichtung der pan-europäischen Zusammenarbeit zu gestalten und die neue Ministerdeklaration zu verabschieden.
 

Die Konferenz wurde vom schwedischen Forstminister Peter Kullgren und Staatssekretär Daniel Liljeberg geleitet. Schweden hat den Vorsitz von FOREST EUROPE noch bis Ende 2026 inne. Während der Tagung gab Albanien offiziell seine Kandidatur für den nächsten Vorsitz bekannt, die von den teilnehmenden Staaten begrüßt wurde. Die formelle Übergabe erfolgt im Rahmen eines Expert Level Meetings Ende des Jahres.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung als gemeinsames Fundament

Das Konferenzprogramm gliederte sich in drei zentrale Bestandteile: acht hochrangig besetzte thematische Panels, die Unterzeichnung der Ministerdeklaration als zentrales Ergebnis der Konferenz sowie eine fachliche Exkursion.

Im Mittelpunkt aller Diskussionen stand die nachhaltige Waldbewirtschaftung als Grundlage für widerstandsfähige, multifunktionale Wälder. Die Panels behandelten unter anderem Themen wie Resilienz, Holzbau, die Zukunft von Forest Europe, Waldbrände sowie Biodiversität.

Auch Österreich war aktiv vertreten. Gerfried Gruber, Abteilungsleiter im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft, präsentierte im Panel zum Thema Holzbau die österreichischen Schwerpunkte und Chancen im modernen Holzbau. Dabei hob er insbesondere die wirtschaftliche Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft, die Maßnahmen des Waldfonds und der Holzinitiative, die Holzbauziele der Bundesregierung sowie die zentrale Rolle von Forschung und Innovation hervor.

Peter Mayer, Leiter des Bundesforschungszentrums für Wald, stellte im Panel zu politischen Instrumenten und Finanzierungsmöglichkeiten für Biodiversität österreichische Lösungsansätze vor. Dazu zählen unter anderem Schutzgebietsnetzwerke, Vertragsnaturschutz und Trittsteinbiotope. Als mögliche Finanzierungsinstrumente wurden Green Bonds, Modelle zur Abgeltung von Ökosystemleistungen, Biodiversitäts-Zertifikate sowie Crowdfunding diskutiert. Auch hier wurde die wichtige Rolle des Waldfonds betont.

Ministerdeklaration setzt politische Leitlinien bis 2030

Höhepunkt der Konferenz war die Unterzeichnung der neuen FOREST EUROPE-Ministerdeklaration durch die Signatarstaaten sowie die Europäische Kommission. Die Deklaration knüpft an die Bonner Deklaration aus dem Jahr 2024 an und bildet den politischen Rahmen für die Zusammenarbeit der kommenden vier Jahre unter albanischem Vorsitz.

Zu den wesentlichen Schwerpunkten der Deklaration zählen:

  • die Bekräftigung von FOREST EUROPE als zentrale Plattform der europäischen forstpolitischen Zusammenarbeit,
  • das gemeinsame Bekenntnis zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung als Grundlage für den Erhalt multifunktionaler Wälder,
  • die Stärkung der Verantwortung der Mitgliedstaaten in forstpolitischen Fragen,
  • der Ausbau einer europaweit abgestimmten Waldberichterstattung und Datengrundlage, insbesondere durch den State of Europe’s Forests Report 2025,
  • die stärkere Einbindung von Waldbesitzenden, Betrieben und weiteren Akteurinnen und Akteuren des forstbasierten Sektors,
  • die Förderung einer wirksamen Forst-Governance, gut ausgebildeter Fachkräfte und eines intensiven Wissenstransfers sowie
  • die Unterstützung der FOREST EUROPE-Initiativen und Instrumente, insbesondere EUFORGEN und FoRisk.

Mit der Deklaration verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten, die nachhaltige Waldbewirtschaftung weiterzuentwickeln, die Resilienz der europäischen Wälder und des Forstsektors zu stärken, Green Jobs zu fördern und die Zusammenarbeit im gesamten pan-europäischen Raum weiter auszubauen.

Ein besonderes Zeichen setzte die Konferenz mit dem ausdrücklichen Bekenntnis zur Unterstützung des ukrainischen Forstsektors. Zu diesem Zweck wurde die Initiative „Forest Friends for Ukraine“ ins Leben gerufen, an der sich Österreich aktiv beteiligt.

Digitalisierung und Innovation in der schwedischen Forstwirtschaft

Den Abschluss der Ministerkonferenz bildete eine Fachexkursion unter dem Titel „Building Digital Capacity for Sustainable Forestry“ zu einem privaten Forstbetrieb nördlich von Stockholm.

Vor Ort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Digitalisierung der schwedischen Forstwirtschaft. Präsentiert wurden moderne Systeme zur Bereitstellung digitaler Walddaten, Beratungsangebote für Waldbesitzende sowie innovative Lösungen für Waldinventur, Holzvermarktung und Waldbewirtschaftung. Demonstriert wurden unter anderem digitale Datenerfassung, elektrisch betriebene Fahrzeuge für den Holztransport sowie der Einsatz von Drohnen zur Unterstützung von Durchforstungsmaßnahmen. Ergänzend informierte das schwedische forstwissenschaftliche Institut über aktuelle Strategien zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel.

Weitere Informationen