Klima und Umwelt Totschnig & Zehetner: Aufbau einer Carbon Capture and Storage Infrastruktur ist wichtiger Baustein, um Industrie und Arbeitsplätze in Österreich zu halten
Bericht im Auftrag des Umweltministeriums zeigt Notwendigkeit und volkswirtschaftliche Auswirkungen von CCS
Carbon Capture Storage (CCS) ist ein Verfahren für die Abscheidung, den Transport und die Lagerung von Kohlenstoffdioxid (CO2). Die Technologie wird bereits seit Jahren in mehreren Ländern weltweit, u.a. in Norwegen, Kanada und den USA genutzt, insbesondere in Industriezweigen, in denen CO2-Emissionen schwer vermeidbar sind. Dazu zählen beispielsweise die Zement-, Kalk- und Feuerfestindustrie, die Abfallverbrennung sowie Raffinerien. Eine aktuelle Analyse im Auftrag des Umwelt- und Klimaministeriums liefert nun wichtige Grundlagen für die Ausrichtung der österreichischen Standort- und Klimapolitik im Bereich des industriellen Kohlenstoff-Managements.
Umweltminister Norbert Totschnig: „Die Carbon Capture and Storage Technologie ist ein wichtiges Bindeglied zwischen vernünftigem Umwelt- und Klimaschutz sowie aktiver Standortpolitik. Der CCS-Szenariobericht zeigt uns zielgerichtete Handlungsoptionen auf, zum Beispiel welche Anlagen in welchem Zeitraum und bei welchem CO2-Preis umgerüstet werden könnten, sowie die volkwirtschaftlichen und budgetären Effekte der erforderlichen Investitionen. Diese Datenbasis hilft uns, die notwendigen Rahmenbedingungen zu planen, damit unsere Industrie CCS einsetzen kann“.
Energie-Staatsekretärin Elisabeth Zehetner: „Für bestimmte industrielle Prozesse wird es auch langfristig keine vollständige Emissionsfreiheit allein durch Effizienz oder Elektrifizierung geben. Gerade in energieintensiven Branchen wie Zement, Kalk oder Raffinerien brauchen wir daher Carbon Capture and Storage als ergänzende Technologie“, betont Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. „CCS ist kein Widerspruch zur Energiewende, sondern ein notwendiger Baustein für einen wettbewerbsfähigen und klimaneutralen Industriestandort. Wenn wir Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich halten wollen, müssen wir unserer Industrie technologisch alle Optionen eröffnen.“
Die im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt- und Klimaschutz (BMLUK) vom Umweltbundesamt erstellte Analyse zeigt auf, wie CCS als Ergänzung zur Emissionsvermeidung durch alternative Produktionsverfahren und erneuerbare Energien eingesetzt werden kann und ordnet diese Rolle in die österreichische Carbon-Management-Strategie ein.
Sicherung der „Hard-to-abate“-Sektoren
Die Analyse widmet sich mit der Untersuchung von 19 österreichischen Anlagen gezielt den sogenannten „Hard-to-abate“-Sektoren, deren Emissionen schwer vermeidbar sind. Dazu zählen etwa die Zement-, Kalk- und Feuerfestindustrie, die Abfallverbrennung sowie Raffinerien. Diese Branchen liefern unverzichtbare Vorleistungen für die heimische Bauwirtschaft und Infrastruktur. Ohne sie müssten zahlreiche Güter importiert werden – meist aus Ländern mit deutlich niedrigeren Umweltstandards.
Ein zentrales Ergebnis der Analyse ist die besondere Bedeutung der Abscheidung von biogenem CO₂ („Bio-CCS“), etwa aus der Papier-, Zellstoff- und Holzindustrie. Dafür wurden 12 österreichische Anlagen mit biogenen CO2-Emissionen aus den Branchen Papier, Zellstoff und Holz analysiert. Dieser Bereich eignet sich besonders für erste CCS-Anwendungen: Einerseits verfügt Österreich über große Papier- und Zellstoffanlagen, wodurch Skaleneffekte realisiert werden können, andererseits besteht eine klare klimapolitische Notwendigkeit. So lassen sich durch die Abscheidung und dauerhafte Speicherung von biogenem CO₂ unvermeidbare fossile Restemissionen bilanziell ausgleichen und sogenannte Negativemissionen erzeugen. Der geplante EU-Zertifizierungsrahmen für Negativemissionen gibt diesen erstmals klare wirtschaftliche und rechtliche Regeln und schafft damit die Grundlage für neue Geschäftsmodelle.
„Die vorliegenden Szenarien zeigen: Der Aufbau einer Carbon Capture and Storage Infrastruktur ist ein wichtiger Baustein, um Wertschöpfung in Österreich zu halten. Mit einer CCS-Infrastruktur können wir heimische Arbeitsplätze in der Industrie sichern und gleichzeitig verhindern, dass wir klimaschädliche Produkte importieren müssen. Vernünftiger Umwelt- und Klimaschutz bedeutet auch, Produktion in Österreich noch sauberer zu machen, statt sie ins Ausland zu verdrängen“, stellt Totschnig klar.
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