Wald Totschnig warnt: Gefährlicher Schädling erstmals in EU nachgewiesen - Österreich gut vorbereitet

Asiatischer Eschenprachtkäfer erreicht erstmals die EU

Der Asiatische Eschenprachtkäfer (Agrilus planipennis, Emerald Ash Borer, EAB) ist erstmals in der Europäischen Union nachgewiesen worden. Der von der EU als prioritärer Quarantäneschädling eingestufte Käfer unterliegt besonders strengen Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen. Die aktuelle Situation war zuletzt auch Thema eines internationalen Fachtreffens am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) in Wien und stand auf der Tagesordnung des EU-Agrarministerrats im Juli.

Bundesminister Norbert Totschnig: „Der Fund des Asiatischen Eschenprachtkäfers in unseren Nachbarländern Ungarn und der Slowakei und damit das Auftreten dieses gefährlichen Schädlings in der Europäischen Union macht deutlich, wie wichtig eine frühzeitige Überwachung und geeignete Vorsorgemaßnahmen sind. Sein Schadpotenzial ist enorm und bedroht unsere ohnehin bereits stark unter Druck stehenden Eschenbestände. Österreich ist auf eine Einschleppung gut vorbereitet und verfügt über ein gut etabliertes Monitoring- und Überwachungssystem. Die Forstaufsichtsdienste sowie die Amtlichen Pflanzenschutzdienste der Länder arbeiten eng mit Bundesforschungszentrum für Wald und dem Bundesamt für Wald zusammen. Dadurch können wir einen möglichen Befall frühzeitig erkennen und rasch reagieren. Für den Ernstfall liegt ein spezifischer Notfallplan für den Asiatischen Eschenprachtkäfer vor, um eine Ausbreitung des Schädlings bestmöglich zu verhindern und unsere Wälder zu schützen“.

Auswirkungen auf Österreich

Für österreichische Betriebe gelten nun besondere Vorsichtsmaßnahmen. Pflanzen der Gattung Fraxinus (Esche) sowie der Art Chionanthus virginicus (Schneeflockenstrauch) dürfen nur dann nach Österreich verbracht werden, wenn sie aus nachweislich befallsfreien Gebieten stammen und mindestens 100 km von der Befallszone entfernt produziert wurden.

Holz aus einem Umkreis von 100 km um den Fundort darf ausschließlich mit amtlicher Bestätigung (Pflanzenpass) und unter Einhaltung der Vorgaben gemäß Artikel VIII der Durchführungsverordnung (EU) 2019/2072 transportiert werden. Aus dem abgegrenzten Befallsgebiet ist eine Verbringung gemäß der Durchführungsverordnung (EU) 2024/434 grundsätzlich verboten.

Ausbreitung nach Westen

Der Asiatische Eschenprachtkäfer wurde vor rund 25 Jahren erstmals im europäischen Teil Russlands nachgewiesen. Vermutlich gelangte er unbeabsichtigt aus seinem natürlichen Verbreitungsgebiet in Ostasien nach Moskau. Von dort breitete sich die Art kontinuierlich nach Westen und Süden aus.

Seit 2019 ist der Käfer auch in der Ukraine bekannt. Aufgrund des Krieges konnten dort keine wirksamen Pflanzenschutzmaßnahmen umgesetzt werden. In der Folge erreichte der Schädling 2023 Kyjiw und wurde 2024 auch in der weiter westlich gelegenen Region Schytomyr nachgewiesen.
Die aktuellen Funde in Ungarn und der Slowakei liegen rund 500 Kilometer Luftlinie westlich des bisher bekannten Befallsgebietes. Im Juli meldete die Slowakei den Fund mehrerer Käfer in Streda nad Bodrogom, ebenfalls nahe der ukrainisch-ungarischen Grenze, etwa 60 Kilometer vom ungarischen Fundort entfernt. Erkenntnisse aus Russland und der Ukraine zeigen, dass sich der Käfer vor allem als „blinder Passagier“ über den Straßen- und Eisenbahnverkehr verbreitet.
„Der erste Nachweis in der EU zeigt, wie wichtig ein funktionierendes Frühwarnsystem ist. Jeder rechtzeitig erkannte Befall verschafft uns Zeit und erhöht die Chance, den Schädling einzudämmen, bevor er sich großflächig ausbreitet,“ erklärt Peter Mayer, Direktor des BFW.

Hohes Schadpotenzial

Vom slowakischen Fundort bis zur österreichischen Grenze sind es nur noch rund 350 Kilometer. Entsprechend wurden auch in Österreich die Überwachungsmaßnahmen intensiviert. Besonderes Augenmerk gilt Standorten entlang wichtiger Verkehrsachsen sowie Regionen mit engen Verkehrs- und Warenverbindungen zur Ukraine. Zum Einsatz kommen grüne Lockstofffallen, deren Fänge von Spezialistinnen und Spezialisten sorgfältig untersucht werden. Dies ist notwendig, da mehrere heimische Prachtkäfer der Gattung Agrilus dem Asiatischen Eschenprachtkäfer äußerlich sehr ähnlichsehen.

„Die Nachweise in Ungarn und der Slowakei zeigen, dass die Überwachungsprogramme funktionieren. Der gleichzeitige Fund an zwei Orten lässt allerdings vermuten, dass der Eschenprachtkäfer in dieser Grenzregion schon weiter verbreitet ist. Dies sollen intensive Untersuchungen in den kommenden Wochen und Monaten klären. Falls erforderlich, werden Eschen in der Befallszone entfernt, um eine weitere Ausbreitung einzudämmen oder den Schädling im Idealfall vollständig zu beseitigen“, erklärt Gernot Hoch, Leiter des Instituts für Waldschutz am BFW.

Befall bleibt lange unbemerkt

Ein Befall bleibt häufig über längere Zeit unentdeckt, da zunächst kaum sichtbare Symptome auftreten. Erst bei stärkerem Befall beginnen Kronenteile der Bäume abzusterben. Die Diagnose wird zusätzlich dadurch erschwert, dass viele Eschen in Österreich bereits durch das Eschentriebsterben geschädigt sind und daher ähnliche Kronensymptome zeigen. Nach ein bis zwei Jahren Entwicklungszeit verlassen die fertigen Käfer den Baum durch charakteristische D-förmige Ausbohrlöcher. Unter der Rinde hinterlassen die Larven geschlängelte Fraßgänge, die meist erst nach dem Ablösen der Rinde sichtbar werden.

Verdachtsfälle rasch melden

Wer einen Asiatischen Eschenprachtkäfer oder eine möglicherweise befallene Esche entdeckt, sollte den Käfer, sofern möglich, einfangen und fotografieren. Für Menschen und Haustiere ist der Käfer ungefährlich. Bei Verdacht auf einen Befall sollten auch die charakteristischen Fraßgänge unter der Rinde dokumentiert werden. Notieren Sie den genauen Fundort und verständigen Sie umgehend den Amtlichen Pflanzenschutzdienst Ihres Bundeslandes.

Mehr Wissen zum Asiatischen Eschenprachtkäfer

Informationen zur Biologie und zu Erkennungsmerkmalen sowie Verwechslungsmöglichkeiten finden Sie im Merkblatt zum Asiatischen Eschenprachtkäfer

Internationale Konferenz in Wien beleuchtet Risiken invasiver Prachtkäfer für Europas Wälder

Werkzeugkasten gegen invasive forstschädliche Prachtkäfer