Austausch und Weichenstellung für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Am 20. und 21. Oktober 2026 stand in Lienz die Zukunft der transnationalen und grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Fokus zweier Veranstaltungen. Beim Workshop im Rahmen des nationalen Vorbereitungsprozesses für Interreg 2028+ und der 49. Sitzung der Arbeitsgruppe CBC tauschten Vertreter:innen der Programme Erfahrungen aus, diskutierten Herausforderungen und entwickelten Perspektiven.
Workshop zur strategischen Projektentwicklung
Den Auftakt machte am 20. Oktober der dritte Workshop im Rahmen des nationalen Vorbereitungsprozesses Interreg 2028+, an dem Mitglieder der AG CBC und des Ausschusses EU-Kooperationen teilnahmen. Im Fokus stand die Frage, wie Projekte zukünftig wirkungsvoll entwickelt werden können.
Ausgehend von den Ergebnissen einer Online-Befragung und bisherigen Diskussionen wurden Erfahrungen aus der aktuellen Förderperiode reflektiert, Good Practices vorgestellt und Erfolgsfaktoren für die Projektentwicklung diskutiert. Darauf aufbauend widmeten sich Tischdiskussionen den entscheidenden Phasen der Projektentwicklung, relevanten Stakeholder:innen und konkreten Verbesserungsvorschlägen für die Periode 2028-2034. Daraus sollen Handlungsaufträge abgeleitet werden, die wichtige Impulse für die nächste Förderperiode liefern.
49. Sitzung der AG CBC: Erfahrungen teilen und Zukunftsthemen diskutieren
Am Folgetag wurde der Austausch im Rahmen der 49. Jahressitzung der AG CBC weitergeführt. Bereits am Vorabend bot eine Exkursion zu CLLD-Projekten in der Stadt Lienz Gelegenheit, konkrete Beispiele kennenzulernen, die sich durch eine bottom-up Entwicklung unter breiter Einbindung der Bevölkerung auszeichnen.
Die besuchten Projekte
Das Projekt „ISEK4“ im Rahmen von Interreg CLLD Dolomiti Live verfolgt das Ziel, die Innenstädte von Lienz, Bruneck, Hermagor-Presseger See und Spital an der Drau langfristig zu stärken und zukunftsfit zu gestalten. Das Projekt interpretiert das Instrument des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes neu, indem es die Weiterentwicklung der zentralen Orte in den regionalen Kontext einbettet und damit Symbiosen zwischen den Innenstädten, als Ankerpunkte des öffentlichen Lebens, und den funktionalen Regionen aufzeigt und nutzt. Zentrale Herausforderungen und Entwicklungspotenziale wurden analysiert sowie Maßnahmen für die kommenden 20 Jahre erarbeitet.
Wohnbedürfnisse erfüllen
Das Projekt „Wohnbedürfnisse erfüllen“ im Rahmen von Interreg CLLD Dolomit Live, widmet sich der Frage, wie leistbarer und bedarfsgerechter Wohnraum langfristig gesichert werden kann. Grenzüberschreitende Lösungen für leistbaren Wohnraum in Osttirol, dem Pustertal und dem Alto Bellunese stehen im Fokus. Durch nachhaltige Wohnmodelle und die Nutzung bestehender Bausubstanz sollen Ortskerne belebt und die Lebensqualität gestärkt werden.
Das Projekt „Schwammstädte Bruneck, Lienz & Pieve die Cadore“ im Rahmen von Interreg CLLD Dolomit Live generierte gemeinsam Wissen, um zukünftig das Baum-Pflanz-System Schwammstadt eigenständig in den Partnergemeinden umzusetzen. So kann das Leben von Stadtbäumen in der Klimakrise verlängert werden, gleichzeitig spendet ein Baum Schatten, bindet Feinstaub und kann Regenwasser mittelfristig binden. Pieve di Cadore hat dazu lokal eine Potenzialstudie durchgeführt.
Die Klimakrise bringt Hitzewellen, Trockenheit und Starkwetterereignisse mit sich. Zur Anpassung an den Klimawandel gehört auch die Verbesserung beziehungsweise der Erhalt der „Grünen Infrastruktur“, welche unterschiedliche Funktionen erfüllt wie beispielsweise Erholung, Steigerung der Biodiversität, Reinigung von Luft und Wasser sowie Reduktion von Wärmeinseln. Das Projekt „Grüne Infrastruktur“ erfasste die bereits bestehenden Bäume in Bruneck, Lienz und Agordo in einer Datenbank und speicherte dazu relevante Informationen. Somit können die Bäume regelmäßig überprüft und gegebenenfalls Maßnahmen gesetzt werden.
Bei der Sitzung standen dann Erfahrungsberichte zur Umsetzung von CLLD-Projekten im Rahmen Interreg Italien-Österreich am Programm. Ergänzende Berichte aus Tirol und Kärnten ermöglichten praxisnahen Einblick in bisherige Erfahrungen und Herausforderungen. Darüber hinaus standen aktuelle Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene, Informationen von Interact sowie der Umsetzungsstand der Interreg-Programmperioden 2014-2020 und 2021-2027 auf der Tagesordnung.
Ein zentraler Tagesordnungspunkt war der österreichische Diskussionsprozess zu Interreg 2028+. Im Fokus stand die Auswertung aller bisherigen in den CBC und transnationalen Programmen mit österreichischer Beteiligung umgesetzten Projekten hinsichtlich ihrer thematischen Schwerpunkte, Projektträgerstruktur und Finanzmittel, des Stocktakings sowie der aktuelle Stand der Vorbereitungen für die Veranstaltung Zukunftsdialog Interreg 2028+ im November in Wien. Die AG CBC befasste sich außerdem auch mit einem Arbeitsprogramm für 2027-2028, wofür ein Entwurf diskutiert und ein Beschluss vorbereitet wurde.
Wie sieht die Zukunft von Interreg nach 2028 aus?
Die Vorbereitungen für die kommende Förderperiode Interreg 2028-2034 im Rahmen des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) der EU sind in vollem Gange. Gemeinsam mit der ÖROK lädt das BMLUK deshalb zum Zukunftsdialog Interreg 2028+ am 26. und 27. November 2026 in der Ankerbrotfabrik in Wien. Österreichische Projektpartner:innen, Programmvertreter:innen sowie zentrale Akteur:innen aus Politik, Verwaltung und den makroregionalen Strategien sind eingeladen um gemeinsam zentrale Fragestellungen zu diskutieren:
- Welche Herausforderungen werden Europas Regionen in den kommenden Jahren prägen?
- Wo kann territoriale Zusammenarbeit einen konkreten Mehrwert schaffen?
- Und wie muss Interreg künftig gestaltet sein, damit Kooperation über Grenzen und Kooperationsräume hinweg wirksam bleibt?
Im Rahmen von Keynotes, Diskussionen und interaktiven Formaten werden Erfahrungen aus der laufenden Förderperiode ausgetauscht, Zukunftsthemen für die transnationalen Interreg-Programme beleuchtet und die gemeinsame Arbeit an Themen sowie die Rahmenbedingungen für Interreg nach 2027 erarbeitet.
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Website der ÖROK.
Weitere Informationen
CBC (Cross-Border-Cooperation) steht für grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Im Rahmen von Interreg unterstützt CBC die Zusammenarbeit zwischen Regionen und Akteur:innen benachbarter Länder, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen und die regionale Entwicklung über Grenzen hinweg zu stärken.
CLLD steht für "Community-led local development" und bezeichnet einen Bottom-up Ansatz zur Förderung einer von der lokalen Bevölkerung getragenen Entwicklung. Durch einen partizipativen Prozess werden Bürger:innen aktiv in die Gestaltung und Umsetzung lokaler Maßnahmen eingebunden, um gemeinsam auf die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen vor Ort zu reagieren.
Die Abteilung III/6 Koordination Regionalpolitik und Raumordnung bringt die Anliegen Österreichs in die kommende Programmperiode (Mehrjähriger Finanzrahmen 2028-2034) ein, koordiniert nationale Abstimmungsprozesse und stellt Informationsflüsse auf nationaler und EU-Ebene sicher.