Kooperationen stärken: Neue Impulse für die Zusammenarbeit im Alpenraum
Unter dem Motto „Verbindung schaffen, Zukunft formen“ luden das BMLUK, das Land Kärnten und die ÖROK am 2. und 3. März 2026 zur Veranstaltung „Vernetzt im Alpenraum“ nach Villach ein. Vertreter:innen grenzüberschreitender EU- Projekte (Interreg) und deren Programmstellen, der EUSALP sowie der Alpenkonvention diskutierten Entwicklungen im Alpenraum und loteten neue Kooperationsmöglichkeiten aus.
Kohäsionspolitik stärkt den Alpenraum
Der Alpenraum zählt zu den sensibelsten Natur- und Lebensräumen Europas und ist zugleich einer der bedeutendsten Wirtschaftsräume. Zahlreiche Projekte und Initiativen arbeiten daran in den Bereichen Wirtschaft, Mobilität, Energie und Umwelt gemeinsame Fortschritte zu erzielen und die Region nachhaltiger und resilienter zu gestalten. Dies ist auch eines der Kernanliegen der EU-Strategie für den Alpenraum (EUSALP), deren Vorsitz 2025 Österreich und Liechtenstein gemeinsam führten.
„Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist und bleibt für Österreich von zentraler Bedeutung - und die Interreg Programme der EU spielen dabei eine wesentliche Rolle. Zukunftsthemen wie Energie-, Mobilitätswende und Klimawandelanpassung erfordern sektor- und grenzübergreifende Zusammenarbeit. Die Sektion Forstwirtschaft und Regionen im BMLUK koordiniert im Rahmen der aktuell mit 1,2 Milliarden Euro dotierten Kohäsionspolitik programmübergreifende Aktivitäten und unterstützt den Erfahrungsaustausch dazu.“
Elfriede Anna Moser, Leiterin der Sektion Forstwirtschaft und Regionen
Strategische Weichenstellung für die Zukunft
Mit Blick auf die kommende EU-Förderperiode ab 2028 und die Weiterentwicklung der EUSALP bot die zweitägige Veranstaltung eine zentrale Plattform für Austausch und Vernetzung.
Im Fokus der Konferenz standen:
- Aktuelle Entwicklungen der EUSALP sowie die Zukunft der Kohäsionspolitik;
- Einblicke in den neuen EUSALP Aktionsplan als gemeinsame strategische Grundlage der Zusammenarbeit der Alpenstaaten, welcher 2025 unter dem Vorsitz von Österreich und Liechtenstein überarbeitet wurde;
- Diskussionen zu möglichen thematischen Schwerpunkten der nächsten EU-Förderperiode;
- Synergien zwischen Interreg, EUSALP und der Alpenkonvention;
Thematische Kurzimpulse beleuchteten die Themen des EUSALP Co-Vorsitzes 2025 näher und wurden mit territorialen Aspekten ergänzt.
- Mobilitätswende: nachhaltig, energieeffizient, multimodal - Patrick Skoniezki, Land Tirol
- Energiewende: Zukunftsfähige und nachhaltige Etablierung erneuerbarer Energien - Christian Wankmüller, Land Kärnten und Sabine Erber, Energieinstitut Vorarlberg
- Transformation der Bauwirtschaft: Kreislauffähiges Bauen und Sanieren - Christina Bauer, Land Salzburg
- Territoriale Dimension der EUSALP - Erich Dallhammer, Österreichisches Institut für Raumplanung (ÖIR)
Den Rahmen für zukünftige Kooperationen spannte dann Michael Roth aus dem BMLUK und gab dazu einen Ausblick auf die Rahmenbedingungen der Kooperation 2028+ in Interreg. Danach konnten bei sogenannten "Alpine Dates" die Teilnehmenden in mehreren kurzen Runden Projekte und neue Akteur:innen kennenlernen.
"Alpine Mini Talks" starteten den zweiten Tag der Veranstaltung und setzten inhaltliche Blitzlichter zu zentralen Zukunftsthemen:
- Koralmbahn: Auswirkungen auf den Raum - Reinhard Wallner, ÖBB Regionalmanager/ Kärntner Linien
- Umwelt & Biodiversität - Helmut Serro, Land Kärnten
- Klimawandelanpassung & Naturgefahren - Katharina Rieder, BMLUK
- Green & Digital Transition - Jasmina Steiner, Stadtamt Lienz
- Arbeitsmarkt - Roland Hanak, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
- Räumliche Perspektiven im Alpenraum - Michael Roth, BMLUK
Die "Alpine Mini Talks" dienten als Denkanstöße für einen Austausch in Kleingruppen, bei dem die Teilnehmenden darüber diskutierten, welche Zukunftsthemen verstärkte Kooperation erfordern, welche Akteur:innen und Formate dafür gebraucht werden und welche Wirkungen Programme zukünftig erzielen sollen.
Abschließend wurde im Rahmen einer partizipativen Diskussionsrunde die zentralen Erkenntnisse des vorangeganenen Austausches in Kleingruppen für Programmierung und Umsetzung der Förderperiode 2028+ zusammengefasst und Markus Seidl, Geschäftsführer der ÖROK-Geschäftsstelle verabschiedete die Teilnehmenden.
„Die Zusammenarbeit über die Grenzen im Rahmen von INTERREG-Projekten bietet Chancen und Antworten zu aktuellen Fragen unserer Gesellschaft. Information und Austausch sind dafür zentrale Erfolgskriterien. Mit dem österreichischen National Contact Point bei der Österreichischen Raumordnungskonferenz steht Projektträgerinnen und Projektträgern eine nationale Service- und Informationsstelle für transnationale Programme zur Verfügung. Der NCP unterstützt die Umsetzung der Programme auf nationaler Ebene, vernetzt Akteurinnen und Akteure über Programme und Themen hinweg und begleitet Projekte von der ersten Idee bis zur Umsetzung. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um die Qualität, Sichtbarkeit und Wirkung österreichischer Beteiligungen in Interreg und in den makroregionalen Strategien weiter zu stärken.“
Markus Seidl, Geschäftsführer der ÖROK-Geschäftsstelle
Die Veranstaltung zeigte deutlich, wie wichtig koordinierte Zusammenarbeit für die Zukunft des Alpenraums ist – und wie groß das Potenzial gemeinsamer Lösungen bleibt. Die Erkenntnisse und Impulse aus der Veranstaltung fließen nun in die weitere Programmplanung ein. Die Programmierungsprozesse für die sieben grenzüberschreitenden, drei großräumigen transnationalen und vier Netzwerkprogramme an denen Österreich in der Förderperiode 2028-2024 teilnimmt, stehen in den Startlöchern und sollen bis Anfang 2028 abgeschlossen sein. Für ein Land wie Österreich mit acht Nachbarstaaten im Herzen Europas sind diese Programme von besonderer Bedeutung dabei, bestehende Hindernisse durch Staatsgrenzen auf das Alltagsleben der Menschen in Österreich zu überwinden.
„Der Alpenraum im Herzen Europas ist ein einzigartiger Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum von besonderer Bedeutung. Seine Herausforderungen – vom Klimawandel über Energiesicherheit bis hin zu Mobilität und regionaler Entwicklung – machen nicht an Staatsgrenzen halt. Gerade deshalb ist die grenzüberschreitende und transnationale Vernetzung im Rahmen der EU-Strategie für den Alpenraum keine Option, sondern eine leidenschaftliche Notwendigkeit. Veranstaltungen wie ‚Vernetzt im Alpenraum‘ in Villach zeigen: Nur durch enge Zusammenarbeit schaffen wir nachhaltige Lösungen und sichern die Zukunft der Alpenregion. Interreg und die EU-Kohäsionspolitik bilden dafür den notwendigen Rahmen“.
Peter Kaiser, Landeshauptmann Kärnten
Villach als Beispiel: Die Stadt auf dem Weg zur „Schwammstadt“
Als konkretes Praxisbeispiel für innovative Anpassungsmaßnahmen im Alpenraum präsentierte Villachs erste Vizebürgermeisterin Sarah Katholnig den Teilnehmenden, wie sich die Stadt Villach zu einer „Schwammstadt“ entwickelt. Durch gezielte Maßnahmen zur Bodenentsiegelung soll einerseits die klimawandelbedinge Hitzeentwicklung in der Stadt eingedämmt und andererseits die Auswirkungen der Überflutungsrisiken bei zunehmenden Starkregenereignissen minimiert werden. Der Alpenraum als besonders vom Klimawandel betroffene Region bietet zu diesem Thema wichtige Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Lernen zwischen Städten und Regionen.
Welche Rolle hat das BMLUK?
Die Abteilung III/6 im BMLUK ist in Österreich die zentrale Schnittstelle für den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und damit auch für die Kooperationspgrogramme Interreg. Es vertritt österreichische Positionen in den Entscheidungsgremien aber auch gegenüber der Europäischen Kommission, bringt diese in Verhandlungen zur Kohäsionspolitik nach 2027 ein und verantwortet die Einrichtung des nationalen Prüfsystems. In der EUSALP koordiniert das Ressort die fachlich‑inhaltliche Arbeit innerhalb Österreichs und übernimmt die Vertretung auf europäischer Ebene. Gleichermaßen vertritt das BMLUK Österreich in der Alpenkonvention. Das BMLUK fördert und koordiniert die sektor- und ebenenübergreifende Zusammenarbeit, um die nächste Interreg‑Programmgeneration eng mit den makroregionalen Strategien zu verzahnen.
Weitere Informationen
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Territoriale Dimensionen im Fokus: „State of the Territory Report“ der EUSALP- Präsidentschaft 2025
Unter der österreichisch-liechtensteinischen EUSALP-Präsidentschaft 2025 wurde der „State-of-the-Territory-Report“ erarbeitet – eine umfassende Analyse, die zentrale räumliche Entwicklungen, Unterschiede und Herausforderungen im Alpenraum im Zusammenhang mit der EU-Strategie für den Alpenraum sichtbar macht. -
Zusammenarbeit stärkt Wandel: Rückschau auf den EUSALP Co-Vorsitz 2025
Mit 1. Jänner 2025 übernahmen Österreich und Liechtenstein gemeinsam für ein Jahr den Vorsitz in der makroregionalen EU-Strategie für den Alpenraum (EUSALP). Neben der Revision des Aktionsplans als Grundlage der Strategie wurden unter anderem bedeutende Transformationsprozesse in den Bereichen Energie, Mobilität und Bauwirtschaft diskutiert und in einem alpenweiten Kontext weiterentwickelt.