Hitzedaten im RESY-Dashboard - wie Daten zur besseren Planung beitragen können

Blick auf eine Landschaft mit blauem Himmel und Bergen im Hintergrund, im Vordergrund ein paar Häuser
Foto: BMLUK

Im Sommer 2026 wurden die Folgen der Klimakrise durch extreme Hitze in vielen Regionen Österreichs spürbar. Hitzetage und langanhaltende Hitzeperioden belasten Gesundheit, Lebensqualität und Infrastruktur. Das RESY-Dashboard zeigt anhand von Daten des Instituts für Meteorologie und Klimatologie der BOKU University, wie stark Österreichs Regionen und Gemeinden künftig betroffen sein könnten.

Welche Hitzedaten enthält RESY?

Der Sommer 2026 hat mit seinen extremen heißen Tagen und ungewöhnlich langen Hitze- und Trockenperioden spürbar gezeigt, wie sehr Hitze unser Leben und Wirtschaften beeinflussen kann. Jedoch ist Hitze in Österreich nicht überall gleich stark ausgeprägt. Regionale Unterschiede bestehen und werden sich durch den Klimawandel weiter verändern. Für Gemeinden und Regionen ist es daher wichtig zu wissen, wo Hitze besonders relevant ist und wie sich die Situation entwickeln könnte. Daten helfen solche Entwicklungen systematisch zu erfassen und miteinander zu vergleichen.

Das RESY-Dashboard stellt zwei zentrale Klima-Indikatoren zur Verfügung:

  • die Anzahl der Hitzetage und
  • die Intensität von Hitzewellen.

Der Indikator zu den Hitzetagen zeigt, wie viele Tage pro Jahr eine Temperatur von mindestens 30 °C erreichen. Ergänzend betrachtet der Indikator Hitzewellen-Intensität nicht nur einzelne heiße Tage, sondern die Intensität zusammenhängender Hitzeperioden. Dafür wird die Tagesmaximumtemperatur über jeweils fünf Tage gemittelt; der höchste dieser Werte eines Jahres bildet den Indikator.

Beide Indikatoren können im RESY-Dashboard sowohl für die aktuelle Situation als auch für zukünftige Entwicklungen betrachtet werden. Als Basis dafür dienen Beobachtungsdaten der Geosphere Austria und Klimamodelle (Österreichiche Klimaszenarien, ÖKS15). Dadurch lässt sich beispielsweise nachvollziehen, wie sich die Zahl der Hitzetage in einer Region verändern könnte oder wie stark die Intensität von Hitzewellen zunehmen kann. Damit gibt es eine Grundlage, um die Auswirkungen des Klimawandels stärker in regionale Planungs- und Entwicklungsprozesse einzubeziehen.

Wie wird zukünftige Hitzeentwicklung berechnet?

Die mögliche zukünftige Entwicklung lässt sich naturgemäß nicht mit einem einzigen Wert angeben. Im RESY-Dashboard werden daher zwei unterschiedliche Klimaszenarien dargestellt:

  • RCP4.5, das von einer moderateren Entwicklung der Treibhausgasemissionen ausgeht, und
  • RCP8.5, das eine Entwicklung mit weiterhin hohen Emissionen beschreibt.

Darüber hinaus basieren die Ergebnisse auf mehreren Klimamodellen, die aufgrund unterschiedlicher Modellannahmen nicht immer zu exakt denselben Ergebnissen kommen. Im Dashboard wird deshalb neben dem Mittelwert ein Unsicherheitsbereich zwischen dem 10. und 90. Perzentil dargestellt. Er zeigt, in welcher Bandbreite der Großteil der Modellergebnisse liegt - 80 % der Ergebnisse befinden sich innerhalb dieses Bereichs. So wird sichtbar, wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Klimamodellen sind.

Junger Mann mit kurzem braunem Haar und weißem T-Shirt lächelt in die Kamera vor unscharfem Hintergrund mit Gebäuden und Grünpflanzen
Benedikt Becsi ist Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Klima und Klimafolgen an der BOKU University
Benedikt Becsi, BOKU University:
"Klimamodelle bilden unser Wissen über das Klimasystem mit seinen komplexen Wechselwirkungen ab. Da dieses Wissen unvollständig ist, und wir auch über die Zukunft des menschlichen Verhaltens nur Überlegungen anstellen können, sind Unsicherheiten in Klimaprojektionen fest eingebaut. Einerseits stellen sie also unser bestes Wissen für die Klimaentwicklung der Zukunft dar, andererseits ist es eben kein Blick in die Kristallkugel. Diese Diskrepanz kommt besonders dann zum Tragen, wenn Modellergebnisse die Grundlage für Planungsentscheidungen liefern. Hier prallen die Logiken zweier Welten aufeinander: Planer:innen und Entscheidungsträger:innen, die gerne mit klaren Aussagen arbeiten möchten, und Klimaexpert:innen, die die Komplexität und Aussagekraft der Modelle verstanden haben möchten. Natürlich können und müssen sinnvolle Entscheidungen im Klimaschutz und in der Anpassung auf Basis von Modellen getroffen werden. Daher muss auf die Kommunikation an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik sowie Planungspraxis besondere Rücksicht genommen werden.
Das RESY-Dashboard ist für mich ein Tool an genau dieser Schnittstelle. Es bricht komplexe Daten und Informationen auf entscheidungsrelevante Darstellungen und Indikatoren herunter, und beleuchtet dabei insbesondere den Aspekt der regionalen Unterschiede in Österreich. Für uns Wissenschafter:innen ist es oft eine Herausforderung, die Komplexität des Klimawandels nach außen zu kommunizieren. Umso mehr freut es mich, dass Tools wie das RESY-Dashboard den Brückenschlag mit der Planungspraxis und Politik herstellen. Diese Schnittstelle fördert den Austausch und das gegenseitige Lernen und Anerkennen der jeweiligen Denk- und Herangehensweise."
 

Was zeigen die Daten für Österreichs Regionen?

Ein besonderer Mehrwert des RESY-Dashboards liegt darin, dass sich die Entwicklung regional differenziert betrachten lässt. Es sind sowohl die Daten für alle Gemeinden (dargestellt wird immer der Wert für den Hauptort) als auch für unterschiedliche Regionen.

Balkendiagramm zeigt prognostizierte Anzahl der Hitzetage über 30 Grad Celsius für drei Zeiträume und vier Klimaszenarien mit farblich unterschiedlichen Balken.
Aktuelle und zukünftige Anzahl der Hitzetage (>30 °C Höchsttemperatur) nach Klimaszenarien - Klimaszenario RCP8.5 (Szenario „worst case“, Entwicklung ohne Emissionsminderung)

Ein Beispiel

Schönbühel-Aggsbach liegt in Oberösterreich und zeigt damit anschaulich, wie stark sich die Hitzebelastung auch innerhalb eines Bundeslandes unterscheiden kann. Im RCP8.5-Szenario wird der Anstieg der Hitzetage besonders deutlich: In Schönbühel-Aggsbach steigt die Zahl von rund 17 Hitzetagen im Mittel des Referenzzeitraums 1991–2020 auf etwa 25 Tage für 2036–2065 und rund 40 Tage für 2070–2099. Für Oberösterreich insgesamt nimmt die Zahl ebenfalls deutlich zu – von etwa 10 auf 16 und schließlich durchschnittlich rund 30 Hitzetage pro Jahr. Im Lesachtal (Kärnten) ist die Ausgangslage mit nur wenigen Hitzetagen deutlich niedriger, doch auch hier zeigt sich gegen Ende des Jahrhunderts ein prognostizierter Anstieg auf durchschnittlich rund 20 Hitzetage pro Jahr. Zu beachten ist, dass Klimamittelwerte in einzelnen Jahren weit übertroffen werden können, wie das zum Beispiel in den Jahren 2024 und 2026 in weiten Teilen Österreichs der Fall war.

Das Beispiel Schönbühel-Aggsbach verdeutlicht dabei, warum es sinnvoll ist, nicht nur auf überörtliche Gebietseinheiten zu schauen, sondern auch die Situation auf Gemeindeebene zu betrachten: Regionale Durchschnittswerte können bestehende Unterschiede innerhalb eines Bundeslandes verdecken. Die Grafik zeigt damit zweierlei: Die regionale Ausgangslage ist sehr unterschiedlich, gleichzeitig nimmt die Hitzebelastung in allen drei Gebietseinheiten zu. Für die Regionalentwicklung bedeutet das, dass Anpassungsmaßnahmen möglichst auf die konkrete Situation vor Ort abgestimmt werden sollten.

Hitzeanpassung beginnt mit vorausschauender Planung

Die Frage „Wie heiß wird es?“ ist letztlich nur der erste Schritt. Entscheidend ist, wie Regionen und Gemeinden mit dieser Information weiterarbeiten. Hitzeanpassung betrifft zahlreiche Bereiche der Regionalentwicklung – von der Gestaltung und Begrünung öffentlicher Räume über den Umgang mit versiegelten Flächen bis hin zur Sicherung von Grün- und Freiräumen und der Planung sozialer Infrastruktur. Gerade langfristige Entscheidungen sind dabei von großer Bedeutung: Was heute gebaut, versiegelt oder als Siedlungsstruktur festgelegt wird, kann die Hitzebelastung einer Region über Jahrzehnte prägen. Klimawandelanpassung sollte daher nicht erst mit der nächsten Hitzewelle beginnen, sondern bereits bei der Planung zukünftiger Räume.

Das RESY-Dashboard zeigt, wie sich die Hitzebelastung in Österreich heute und künftig unterscheiden kann. Hitzedaten können helfen, regionale Unterschiede sichtbar zu machen und Klimawandelanpassung frühzeitig in räumliche Entwicklungsentscheidungen einzubeziehen. Entscheidend ist nicht nur, wie heiß es wird, sondern wie gut Regionen darauf vorbereitet sind.

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