Wasser im Klimawandel - eine Studie über die Auswirkungen
Die gemeinsame Studie des BMLUK, der Bundesländer und der Forschung, untersucht anhand zahlreicher Messdaten, die Auswirkungen des Klimawandels auf Österreichs Wasserhaushalt. Ziel sind Wasserszenarien bis zum Jahr 2100. Die Pressekonferenz am 09. Juni zeigte neueste Erkenntnisse: eine deutlich gestiegene Verdunstung, sinkende Grundwasserstände und niedrigere Abflüsse in den Flüssen.
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Website: Wasser im Klimawandel - Wasseraktiv
Neueste Presseaussendung: Totschnig: Starkregenereignisse werden intensiver
Neueste Erkenntnisse zu Starkregen und Hochwasser
Lokale Starkregenereignisse sind in den vergangenen 30 Jahren deutlich intensiver geworden. Innerhalb kurzer Zeit fällt heute im Mittel rund 15 Prozent mehr Regen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasser und Überflutungen. Dieser Aspekt muss im Risikomanagement berücksichtigt werden.
Je kürzer ein Starkregen dauert, desto stärker fällt die beobachtete Zunahme der Regenmenge aus: bei einstündigen Starkregenereignissen um rund 20 Prozent, bei kürzeren noch mehr. Gleichzeitig hat die Dauer von Niederschlagsereignissen in den vergangenen 30 Jahren um 10 bis 15 Prozent abgenommen. Bei länger anhaltenden, großräumigen Niederschlägen zeigt sich diese Entwicklung nicht in diesem Ausmaß: Ihre Intensität hat im selben Zeitraum mit sieben Prozent nur leicht zugenommen. Der Unterschied erklärt sich dadurch, dass unterschiedliche meteorologische Mechanismen zugrunde liegen.
Was bedeutet das für Hochwasserereignisse?
Die Studie zeigt, dass die stärkste Zunahme an kleinen und mittleren Gewässern zu erwarten ist, nicht bei den großen Flusshochwassern. Gleichzeitig gewinnen lokale Überflutungen durch Starkregen an Bedeutung – auch abseits von Bächen und Flüssen, wenn Wasser über die Oberfläche abfließt. Solche Hochwasserereignisse treten heute messbar schneller auf als früher, wodurch weniger Zeit zum Reagieren bleibt. Forschungsteams gehen davon aus, dass sich dieser Trend bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzt; wie stark sich die Niederschläge künftig noch verändern können, wird derzeit durch Modellsimulationen untersucht.
Pressekonferenz am 09. Juni 2026
Die Studie liefert laufend neue Zwischenergebnisse. Der Endbericht mit Prognosen bis 2100 folgt im Herbst 2026. Zuletzt wurden in einer Pressekonferenz am 09. Juni 2026, dem Hitze-Aktionstag, mit dem Umweltminister Norbert Totschnig, dem Abteilungsleiter der Fachabteilung Wasserhaushalt im BMLUK Korbinian Breinl sowie dem Hydroklimatologen Klaus Haslinger von der GeoSphere neue Erkentnisse vorgestellt. Im Mittelpunkt standen drei eng verbundene Entwicklungen: eine deutlich gestiegene Verdunstung, sinkende Grundwasserstände und niedrigere Abflüsse in den Flüssen.
Verdunstung auf Rekordniveau und sinkende Grundwasserspiegel
Zwischen 1980 und 2010 ist die Verdunstung in Österreich um rund 80 Liter pro Quadratmeter und Jahr gestiegen – ein Plus von 17 Prozent. Dass der Anstieg seit 2010 etwas langsamer ausfällt, hat den Grund, dass die Böden zu trocken sind, um noch mehr Wasser abzugeben.
In den vergangenen zehn Jahren sind die Grundwasserstände im Mittel um 30 bis 50 Zentimeter gesunken. Und auch unsere Flüsse führen immer weniger Niederwasser. Regional variieren die Veränderungen der Grundwasserstände - auf das gesamte Bundesgebiet umgelegt bedeutet dies jedoch eine markante Trendänderung im österreichischen Wasserhaushalt.
Die Veränderungen sind in der Landwirtschaft bereits spürbar. Derzeit werden in Österreich nur wenige Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen bewässert – dieser Anteil könnte künftig steigen. Langfristig geht es dabei aber nicht nur um mehr Bewässerung, sondern ebenso um wasserschonende Bewirtschaftung und um Kulturen und Sorten, die weniger Wasser brauchen und besser mit Trockenheit zurechtkommen.
Schnee und Gletscher gehen deutlich zurück
Die neuesten Trends, veröffentlicht im März 2026, zeigen: Bis zum Jahr 2050 werden in Österreich voraussichtlich 70 bis 80 Prozent der Gletschermasse verloren gehen – im Vergleich zum Jahr 2024. Wie rasch dieser Rückgang weiter verläuft, hängt vom globalen Erwärmungspfad ab. Klar ist aber schon heute: Aufhalten lässt sich das Abschmelzen nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr, nur sein Tempo kann beeinflusst werden.
Auch beim Schnee zeigt sich ein klarer Trend. Im Mittel verkürzt sich die Schneedeckendauer in Österreich um etwa einen Tag pro Jahr. Gleichzeitig nimmt die mittlere Schneehöhe um rund einen Zentimeter pro Jahr ab.
Der Rückgang von Schnee und Gletschern hat direkte Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Beide wirken als natürliche Speicher: Sie halten Wasser zurück und geben es schrittweise wieder ab.
Trockenere Sommer, feuchtere Winter
Ein erster zentraler Befund aus den Zwischenergebnissen im Jänner 2026: Die saisonale Verschiebung des Niederschlags wird deutlich stärker ausfallen, als bisher angenommen. Bis Mitte des Jahrhunderts nimmt der Sommer-Niederschlag im Vergleich zu früheren Szenarien-Berechnungen im Mittel um fünf bis 15 Prozent ab. Gleichzeitig verschiebt sich der Niederschlag in die kältere Jahreszeit: Für Herbst, Winter und Frühjahr ist von einem Plus zwischen fünf und zehn Prozent auszugehen. Im Jahresmittel bleibt die Niederschlagsmenge dadurch weitgehend gleich – dennoch „verlieren" wir durch den anhaltenden Temperaturanstieg mehr Wasser, etwa durch verstärkte Verdunstung.
Intensivere Niederschläge
Die Wahrscheinlichkeit für sehr intensive Regenfälle in kurzer Zeit steigt. Das Risiko für schnelleren Abfluss, weniger Versickerung und damit ein höheres Risiko für lokale Überflutungen steigt dadurch. Großräumige Hochwasser-Ereignisse, die auf Großwetterlagen wie Adria-Tiefs zurückgehen, sind davon zu unterscheiden. Für diese Art von Hochwasser ist ein direkter Zusammenhang mit dem Klimawandel derzeit nicht belegt. Anders verhält es sich bei lokalen Überschwemmungen durch kurzfristige Starkregen-Ereignisse – hier zeigen die Szenarien ein erhöhtes Risiko.
Herausforderung Klimawandel: Wie beeinflusst er unser Wasser?
Wasser zählt zu den wichtigsten Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, weshalb es in unserem Interesse ist, dieses zu schützen. Durch den fortschreitenden Klimawandel verändert sich das Wasser in Österreich und dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Umwelt. Seit 1900 ist die durchschnittliche Temperatur in Österreich um 3,1°C gestiegen und gleichzeitig kommt es immer häufiger zu extremen Wetterereignissen wie Starkregen und Überschwemmungen. Ebenso verdunstet heutzutage mehr Wasser als noch vor einigen Jahrzehnten. Trockenperioden führen zu sinkenden Grundwasserspiegeln und die Verschiebung der Schneeschmelze ins Frühjahr verändert den natürlichen Abfluss des Wassers.
Damit die österreichische Wasserwirtschaft auch in Zukunft bestmöglich auf diese Herausforderungen vorbereitet ist, arbeiten das Wasserministerium und die Bundesländer gemeinsam mit der TU-Wien, GeoSphere Austria, der Universität Graz, der BOKU Wien und dem Ingenieurbüro DI Holler an der Umsetzung der Studie. Dabei steht der Schutz der Trinkwasserversorgung und der natürlichen Ökosysteme im Vordergrund, um die Bevölkerung auch in den kommenden Jahrzehnten bestmöglich zu versorgen und den negativen Folgen des Klimawandels entgegenzuwirken.
Fragestellungen und Herangehensweisen der Studie
Das Forschungsprojekt widmet sich folgenden Fragen:
- Wie verändern sich Niederschläge, Hochwasser und Niedrigwasser in Österreich und welche klimatischen Faktoren sind dafür verantwortlich?
- Wie wirken sich Temperaturanstiege und veränderte Wasserverfügbarkeiten auf Flüsse, Seen und das Grundwasser aus?
Diese Fragen sollen durch die Analyse umfangreicher Messdaten und mathematische Modellierungen von Zukunftsszenarien beantwortet werden. Um den zukünftigen Wasserhaushalt Österreichs präzise abzubilden, verwenden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die neuesten hydrologischen Messdaten.
Am Ende der Projektlaufzeit (Oktober 2024 – Oktober 2026) wird die Studie konkrete Ergebnisse zu den regionalen Veränderungen des Wasserkreislaufs liefern. Neben neuen Wasserszenarien für das gesamte Bundesgebiet wird die Studie auch die Ursachen und Einflüsse dieser Veränderungen aufzeigen, wobei der Fokus auf den Auswirkungen des Klimawandels liegt. Basierend auf diesen Erkenntnissen sollen Empfehlungen für nationale Anpassungsstrategien ausgearbeitet werden, die sowohl die Trinkwasserversorgung als auch den Schutz der Umwelt langfristig sichern. Durch eine transparente Kommunikation der Ergebnisse an die Öffentlichkeit soll das Bewusstsein für die Herausforderungen des Klimawandels und das Verständnis für notwendige Anpassungsmaßnahmen geschärft werden.
Weitere Informationen
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