Der Wasserhaushalt Österreichs im Frühling 2026
Der Frühling 2026 verlief mit einer Temperaturanomalie von +1,4 °C zu mild und war mit einem Niederschlagsdefizit von fast 50 Prozent der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Schneemengen blieben deutlich unter dem langjährigen Mittel. Niedrige Grundwasserstände und geringe Abflüsse prägen die aktuelle Situation. Länger anhaltende Niederschläge sind derzeit nicht absehbar.
Hintergrundinformationen
Die Grundlage dieses Berichts bildet das hydrologische Monitoring der Hydrographie in Österreich, das als gemeinsame Aufgabe der Abteilung Wasserhaushalt (IV/3) im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der hydrographischen Dienste der Länder, der viadonau sowie rund 1.800 Beobachterinnen und Beobachtern wahrgenommen wird. Die ausgewerteten Daten sind vorgeprüft und stellen eine Grundlage für eine erste fachliche Einordnung dar.
An mehreren tausend Messstellen werden kontinuierlich zentrale hydrologische Parameter wie Niederschlag, Durchfluss an Oberflächengewässern, Feststoffe und Grundwasserstände erhoben. Die Datenerhebung ist im Wasserrechtsgesetz sowie in der Wasserkreislauferhebungsverordnung gesetzlich verankert. Das österreichische hydrographische Messnetz ermöglicht eine flächendeckende und zeitnahe Beurteilung hydrologischer Entwicklungen.
Die erhobenen hydrographischen Daten sind unverzichtbare Eingangsgrößen für Hoch- und Niederwasserprognosen und finden breite Anwendung in der Wasser- und Energieversorgung, der Land- und Forstwirtschaft, in Zivilingenieurbüros, bei Versicherungen sowie in Wissenschaft und Forschung, insbesondere in der Klimafolgenforschung.
Übersicht
Der Frühling 2026 war in Österreich insgesamt deutlich zu warm und außergewöhnlich trocken. Die mittlere Lufttemperatur der Monate März bis Mai lag um rund +1,4 °C über dem klimatologischen Mittel der Periode 1991–2020 (Abbildung 1). Gleichzeitig fiel österreichweit nahezu 50 % weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt (Abbildung 2). Damit war der Frühling 2026 der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Trockenheit prägte alle drei Frühlingsmonate. Bereits im März wurden österreichweit deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen registriert. Auch im April und Mai setzte sich die niederschlagsarme Witterung fort. Die Niederschlagsdefizite betrafen nahezu das gesamte Bundesgebiet und spiegelten sich zunehmend in den verschiedenen Komponenten des Wasserhaushalts wider.
Nach einem schneearmen Winter blieben die Schneemengen auch während des Frühjahrs in den meisten Regionen und Höhenlagen unter den langjährigen Mittelwerten (Abbildung 3). Einzelne spätsaisonale Schneefälle konnten daran wenig ändern. Der saisonale Schneespeicher, der üblicherweise einen wichtigen Beitrag zur Abflussbildung und Grundwasserneubildung im Frühjahr leistet, war daher insgesamt unterdurchschnittlich ausgeprägt.
An den Fließgewässern gingen die Abflüsse im Verlauf des Frühjahrs vielerorts zurück (Abbildung 4). Ende Mai lagen an mehr als 90 % der Pegelmessstellen die monatlichen Abflüsse unter den langjährigen Monatsmitteln. In mehreren Regionen wurden Niederwasserverhältnisse beobachtet. Markante Hochwasserereignisse traten im Frühjahr nicht auf. Auch der Wasserstand des Neusiedler Sees sank kontinuierlich und lag Ende Mai 18 cm unter dem langjährigen Mittel.
Die Grundwasserstände zeigten im Verlauf des Frühjahrs ebenfalls eine abnehmende Entwicklung (Abbildung 5). Der Anteil der Messstellen mit niedrigen Grundwasserständen nahm von etwa 65 % Ende März auf rund 80 % Ende Mai zu. Besonders ausgeprägt waren die unterdurchschnittlichen Grundwasserstände in Teilen Oberösterreichs, Salzburgs und Kärntens.
Insgesamt fiel die Wasserbilanz des Frühjahrs deutlich negativ aus. Zu Beginn des Sommers herrschen weiterhin unterdurchschnittliche Abfluss- und Grundwasserbedingungen. Die Niederschläge Anfang Juni tragen zur Durchfeuchtung der oberen Bodenschichten bei. Für die weitere Entwicklung des Wasserhaushalts wird entscheidend sein, ob in den kommenden Wochen ausreichend flächendeckende Niederschläge auftreten, um die Wasserreserven nachhaltig zu ergänzen. Derzeit sind diese nicht absehbar.
Monatsübersicht
März 2026
Der März 2026 verlief in Österreich vergleichsweise mild. Die mittlere Lufttemperatur lag bei 3,5 °C und damit um 1,5 °C über dem langjährigen Mittel der Periode 1991–2020. Gleichzeitig fiel österreichweit mit 37 mm Niederschlag nur etwa die Hälfte der üblichen Monatsmenge. Besonders ausgeprägt waren die Niederschlagsdefizite in Kärnten (−71 %), Oberösterreich (−66 %), der Steiermark (−58 %) und Salzburg (−57 %). Die Schneemengen blieben insbesondere in Salzburg und Kärnten unterdurchschnittlich.
Die Trockenheit wirkte sich bereits deutlich auf den Wasserhaushalt aus. Rund 75 % der Pegelmessstellen wiesen niedrige Abflüsse auf. Der Anteil der Grundwassermessstellen mit niedrigen Wasserständen stieg bis Ende März auf rund 65 % an. Markante Hochwasserereignisse wurden nicht beobachtet. Der Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende März 11 cm unter dem langjährigen Mittel.
April 2026
Auch der April verlief deutlich zu warm und außergewöhnlich trocken. Die österreichweite Lufttemperatur lag bei knapp 8 °C und damit um 1,3 °C über dem langjährigen Mittel. Mit lediglich 24 mm Niederschlag fielen österreichweit nur rund ein Drittel der üblichen Niederschlagsmenge, womit der April zu den trockensten Aprilmonaten der vergangenen Jahrzehnte zählt.
Die unterdurchschnittlichen Niederschläge spiegelten sich zunehmend in den Abfluss- und Grundwasserverhältnissen wider. An rund 75 % der Pegelmessstellen lagen die monatlichen Abflüsse im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Der Anteil der Grundwassermessstellen mit niedrigen Wasserständen stieg auf über 70 % an. Auch die Schneesituation blieb deutlich unterdurchschnittlich, sodass ein geringerer Beitrag der Schneeschmelze zur Abflussbildung und Grundwasserneubildung zu erwarten war. Der Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende April 13 cm unter dem langjährigen Mittel.
Mai 2026
Der Mai 2026 war mit einer mittleren Lufttemperatur von knapp 12,4 °C erneut deutlich zu warm. Die Temperatur lag um 1,4 °C über dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig fiel mit 74 mm Niederschlag rund ein Drittel weniger Niederschlag als üblich. Im Mittel der Monate März bis Mai ergab sich damit ein Niederschlagsdefizit von nahezu 50 %, wodurch der Frühling 2026 zum trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen wurde.
Mitte Mai führte ein Kaltlufteinbruch vorübergehend zu Schneefällen bis unter 1.000 m Seehöhe. In höheren Lagen wurden regional bis zu 30 cm Neuschnee registriert. Insgesamt blieben die Schneemengen im Frühjahr jedoch deutlich unterdurchschnittlich.
Die Abflüsse der Fließgewässer gingen weiter zurück. Ende Mai lagen an mehr als 90 % der Pegelmessstellen die monatlichen Abflüsse unter den langjährigen Monatsmitteln, an zahlreichen Gewässern wurden Niederwasserverhältnisse beobachtet. Gleichzeitig stieg der Anteil der Grundwassermessstellen mit niedrigen Wasserständen auf rund 80 % an. Der Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende Mai 18 cm unter dem langjährigen Mittel und 9 cm unter dem Niveau des Vorjahres.
Ausblick
Der Frühling 2026 verlief deutlich zu trocken. Die in den vergangenen Tagen und aktuell wiederholt auftretenden Niederschläge tragen zu einer Durchfeuchtung der oberen Bodenschichten bei und dürften insbesondere in der Landwirtschaft vorübergehend für Entspannung sorgen.
Nach aktuellen Prognosen der GeoSphere Austria ist in den kommenden Wochen weiterhin mit überdurchschnittlichen Temperaturen zu rechnen. Zwar sind wiederholt Niederschläge durch Schauer und Gewitter möglich, flächendeckende und länger anhaltende Niederschlagsereignisse zeichnen sich derzeit jedoch nicht ab.
Für die weitere Entwicklung des Wasserhaushalts wird entscheidend sein, ob sich im Verlauf des Sommers ausreichend ergiebige Niederschlagsphasen einstellen. Auf Basis der derzeit verfügbaren Prognosen ist kurzfristig nicht mit einer nachhaltigen Entspannung der Grundwassersituation zu rechnen.
Kontakt
BMLUK, Abt. IV/3 Wasserhaushalt
Email: wasserhaushalt@bmluk.gv.at
Weitere Informationen
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Wasserhaushalt Österreich - Monatsbericht Mai 2026
Im Mai 2026 lag die Lufttemperatur um 1,4 °C über dem langjährigen Mittel 1991-2020. Gleichzeitig war der Mai vergleichsweise trocken: Österreichweit fiel fast ein Drittel weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. An etwa 80 % der Grundwassermessstellen wurden niedrige Niveaus beobachtet. Auf Basis der Prognosen ist kurzfristig keine Entspannung der Grundwassersituation zu erwarten. -
Wasserhaushalt Österreich - Monatsbericht April 2026
Im April 2026 lag die Lufttemperatur um 1,3 °C über dem langjährigen Mittel. Gleichzeitig war der April sehr trocken: österreichweit fiel nur rund ein Drittel des langjährigen mittleren Monatsniederschlags. An etwa 70 % der Grundwassermessstellen wurden unterdurchschnittliche Niveaus beobachtet. Zumindest kurzfristig ist laut Prognosen keine Änderung der Grundwassersituation zu erwarten. -
Der Wasserhaushalt Österreichs im Jahr 2025
Das Jahr 2025 war in Österreich durch überdurchschnittliche Temperaturen, unterdurchschnittliche Niederschläge und eine geringe Schneespeicherung geprägt. Abflüsse und Grundwasserstände lagen über weite Teile des Jahres unter dem langjährigen Mittel. Größere Hochwasserereignisse blieben aus. Einzelne niederschlagsreiche Phasen führten nur regional und kurzfristig zu Entlastungen.