Der Wasserhaushalt Österreichs im Sommer 2026
Der Sommer 2026 war mit einer Temperaturanomalie von +2,7 °C deutlich zu warm und mit einem Niederschlagsdefizit von knapp 32 % außergewöhnlich trocken. Die Fließgewässer wiesen ausgeprägte Niederwasserverhältnisse auf, während die Grundwasserstände weiter zurückgingen. Eine nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht absehbar.
Hintergrundinformationen
Die Grundlage dieses Berichts bildet das hydrologische Monitoring der Hydrographie in Österreich, das als gemeinsame Aufgabe der Abteilung Wasserhaushalt (IV/3) im Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK), der hydrographischen Dienste der Länder, der viadonau sowie rund 1.800 Beobachterinnen und Beobachtern wahrgenommen wird. Die ausgewerteten Daten sind vorgeprüft und stellen eine Grundlage für eine erste fachliche Einordnung dar.
An mehreren tausend Messstellen werden kontinuierlich zentrale hydrologische Parameter wie Niederschlag, Durchfluss an Oberflächengewässern, Feststoffe und Grundwasserstände erhoben. Die Datenerhebung ist im Wasserrechtsgesetz sowie in der Wasserkreislauferhebungsverordnung gesetzlich verankert. Das österreichische hydrographische Messnetz ermöglicht eine flächendeckende und zeitnahe Beurteilung hydrologischer Entwicklungen.
Die erhobenen hydrographischen Daten sind unverzichtbare Eingangsgrößen für Hoch- und Niederwasserprognosen und finden breite Anwendung in der Wasser- und Energieversorgung, der Land- und Forstwirtschaft, in Zivilingenieurbüros, bei Versicherungen sowie in Wissenschaft und Forschung, insbesondere in der Klimafolgenforschung.
Übersicht
Der Sommer 2026 war in Österreich insgesamt außergewöhnlich warm und trocken. Die mittlere Lufttemperatur der Monate Juni bis August lag um 2,7 °C über dem klimatologischen Mittel der Periode 1991–2020 (Abbildung 1). Gleichzeitig fiel österreichweit 32 % weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt (Abbildung 2).
Ausgehend von einem trockenen und niederschlagsarmen Winter 2025/2026 sowie Frühling 2026 setzte sich die bestehende Trockenheit in allen drei Sommermonaten fort. Im Juni wurden österreichweit deutlich unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen registriert. Auch im Juli und August setzte sich die niederschlagsarme Entwicklung fort. Die Niederschlagsdefizite betrafen das gesamte Bundesgebiet und verschärften zunehmend die Situation des Wasserhaushalts.
Nach einem schneearmen Winter und Frühling blieben die Schneemengen auch während des Sommers in den meisten Regionen und Höhenlagen unter den langjährigen Mittelwerten (Abbildung 3).
An den Fließgewässern gingen die Abflüsse im Verlauf des Sommers erheblich zurück (Abbildung 4). Ende August lagen an mehr als 95 % der Pegelmessstellen die monatlichen Abflüsse unter den langjährigen Monatsmitteln. In den meisten Regionen wurden Niederwasserverhältnisse beobachtet. Markante Hochwasserereignisse traten im Sommer nicht auf. Auch der Wasserstand des Neusiedler Sees sank kontinuierlich und lag Ende August 40 cm unter dem langjährigen Mittel.
Die Grundwasserstände zeigten im Verlauf des Sommers ebenfalls eine abnehmende Entwicklung (Abbildung 5). Der Anteil der Messstellen mit niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserständen nahm von etwa 80 % Ende Mai auf rund 90 % Ende August zu. Aufgrund des schneearmen Winters und des trockenen Frühjahrs waren die unterdurchschnittlichen Grundwasserstände in Teilen Salzburgs, Oberösterreich, Vorarlberg und Tirol trotz der Niederschläge im August stärker ausgeprägt. In den östlichen Bundesländern fielen die prozentualen Abweichungen aufgrund der großen Speichervolumen der Grundwasserkörper geringer aus.
Insgesamt fiel die Wasserbilanz des Sommers deutlich negativ aus. Zum Ende des Sommers treten weiterhin unterdurchschnittliche Abflüsse und Grundwasserstände auf. Die ab kommender Woche prognostizierten Niederschläge tragen zwar zur Durchfeuchtung der oberen Bodenschichten bei. Für die weitere Entwicklung des Wasserhaushalts wird entscheidend sein, ob in den kommenden Wochen ausreichend flächendeckende Niederschläge auftreten, um die Wasserreserven nachhaltig zu ergänzen. Derzeit sind diese nicht absehbar.
Monatsübersicht
Juni 2026
Die mittlere Lufttemperatur lag im Juni 2026 bei 17,5 °C und damit um 2,9 °C über dem langjährigen Mittel der Periode 1991–2020. Ab dem 18. Juni begann eine Hitzewelle, bei der in weiten Teilen des Landes Temperaturen von 35 °C erreicht und auch überschritten wurden. Die bisherigen Juni-Höchstwerte wurden dabei deutlich übertroffen; lokal wurden Temperaturen von bis zu 40 °C gemessen. Im Österreichmittel lag die Niederschlagssumme bei 124 mm und damit 7 % unter dem langjährigen Mittel. Regional zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede. Insbesondere nördlich des Alpenhauptkamms traten ausgeprägte Niederschlagsdefizite auf (Niederösterreich -30 %), wohingegen im Süden deutlich mehr Niederschlag fiel als im langjährigen Mittel (Kärnten +37 %).
An den Pegeln der Fließgewässer zeigte sich ein ausgeprägtes West-Ost-Gefälle. Während sich die mittleren monatlichen Abflüsse im Westen – mit Ausnahme Vorarlbergs – teils geringfügig unter den langjährigen Mittelwerten bewegten, stellte sich im Norden und Nordosten eine Niederwassersituation ein. Dennoch waren die Abflüsse insgesamt an rund 85 % der Messstellen unterdurchschnittlich. Gewitter- und Starkregenereignisse führten an einzelnen Gewässern zu erhöhten Abflüssen mit geringer Jährlichkeit, besonders in Kärnten und im oberen Murtal in der Steiermark. Die Grundwasserstände waren besonders nördlich des Alpenhauptkamms niedrig. Rund 80 % der Messstellen zeigten Ende Juni niedrige Grundwasserstände.
Juli 2026
Die mittlere Lufttemperatur lag im Juli 2026 bei 18,2 °C und damit um 2,0 °C über dem langjährigen Mittel der Periode 1991–2020. Wie bereits im Juni traten auch im Juli wiederholt Hitzeperioden mit Höchsttemperaturen von über 30 °C, regional auch über 35 °C auf. Im Österreichmittel lag die Niederschlagssumme bei lediglich 68 mm und damit 53 % unter dem langjährigen Mittel. Die Niederschlagsdefizite betrafen nahezu das gesamte Bundesgebiet und waren besonders nördlich des Alpenhauptkamms ausgeprägt.
An den Pegeln der Fließgewässer zeigte sich österreichweit eine ausgeprägte Niederwassersituation. Die monatlichen Abflüsse lagen an rund 95 % der Messstellen unter den langjährigen Monatsmitteln, rund 90 % der Messstellen wiesen bereits sehr niedrige Abflüsse auf. Gewitter- und Starkregenereignisse führten lokal zu erhöhten Abflüssen mit geringer Jährlichkeit, unter anderem im hinteren Ötztal sowie in Teilen Niederösterreichs. Die Wasserstände der Seen lagen infolge der geringen Niederschläge und der hohen Verdunstung vielerorts auf niedrigem, teilweise auch sehr niedrigem Niveau. Am Neusiedler See lag der mittlere Wasserstand Ende Juli nur noch 12 cm über dem Niveau des Rekordjahres 2022. Am Bodensee lag der Seepegel Bregenz Ende Juli unter dem bisher niedrigsten gemessenen Wert für diesen Zeitpunkt im Kalenderjahr. Die Grundwasserstände gingen weiter zurück. Ende Juli wiesen österreichweit knapp 90 % der Messstellen niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände auf. Besonders deutlich verschärfte sich die Situation in Tirol, wo der Anteil der Messstellen mit sehr niedrigen Grundwasserständen innerhalb eines Monats von rund 20 % auf etwa 70 % anstieg.
August 2026
Der August 2026 war außergewöhnlich heiß und trocken. Die mittlere Lufttemperatur lag um 3,2 °C über dem langjährigen Mittel. In der ersten Augustwoche wurden regional Temperaturen über 40 °C erreicht und neue Höchstwerte gemessen. Gleichzeitig bestand österreichweit ein Niederschlagsdefizit von 33 %.
Die hohen Temperaturen führten zu einer weiterhin hohen Verdunstung und verstärkten das bestehende Wasserdefizit. Die ausprägte Niederwassersituation setzte sich auch im August fort. Weiterhin wiesen rund 95 % der Pegelmessstellen Abflüsse unter dem langjährigen Monatsmittel auf. Bei etwa 90 % der Grundwassermessstellen wurden niedrige oder sehr niedrige Grundwasserstände festgestellt. Regionale Gewitter und Starkregen verursachten kurzfristig erhöhte Abflüsse, führten jedoch zu keiner nachhaltigen Verbesserung der Wasserhaushaltssituation. Der Wasserstand des Neusiedler Sees lag Ende August 40 cm unter dem langjährigen Mittel und damit nur noch über 7 cm über dem Niveau des Rekordjahres 2022.
Ausblick
Der Sommer 2026 verlief deutlich zu trocken und zu warm. Die auftretenden Schauer und Gewitter reichten aufgrund ihrer räumlich und zeitlich begrenzten Wirkung kaum für eine nachhaltige Verbesserung der Grundwasserstände und Niederwassersituation aus.
Nach aktuellen Prognosen der GeoSphere Austria sind in den kommenden Tagen keine flächendeckenden Niederschläge zu erwarten. Ab der kommenden Woche wird das Wetter unbeständiger und niederschlagsreicher, mit Niederschlagsmengen etwa im jahreszeitlichen Mittel und sinkender Verdunstung; auch in der zweiten Septemberhälfte sind zeitweise Niederschläge bei weiterhin überdurchschnittlichen Temperaturen möglich.
Für die weitere Entwicklung des Wasserhaushalts wird entscheidend sein, ob sich ausreichend ergiebige und flächendeckende Niederschlagsphasen einstellen. Die erwarteten Niederschläge können kurzfristig zu einer Entspannung bei Böden und Fließgewässern beitragen, reichen voraussichtlich jedoch nicht für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserstände und der Wasserführung aus.
Kontakt
BMLUK, Abt. IV/3 Wasserhaushalt
Email: wasserhaushalt@bmluk.gv.at
Weitere Informationen
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Wasserhaushalt Österreich - Monatsbericht August 2026
Der August 2026 war außergewöhnlich heiß: Die Durchschnittstemperatur lag 3,2 °C über dem langjährigen Mittel, regional wurden neue Höchstwerte erreicht. Gleichzeitig bestand ein Niederschlagsdefizit von 33 %, vor allem im Osten. Rund 95 % der Pegel wiesen unterdurchschnittliche Abflüsse, 90 % der Grundwassermessstellen niedrige bis sehr niedrige Wasserstände auf. Die Lage bleibt angespannt. -
Wasserhaushalt Österreich - Monatsbericht Juli 2026
Der Juli 2026 war durch überdurchschnittlich hohe Temperaturen und ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit gekennzeichnet. Rund 90 % der Pegel wiesen sehr niedrige Abflüsse auf. Knapp 90 % der Messstellen verzeichneten zudem niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände. -
Der Wasserhaushalt Österreichs im Jahr 2025
Das Jahr 2025 war in Österreich durch überdurchschnittliche Temperaturen, unterdurchschnittliche Niederschläge und eine geringe Schneespeicherung geprägt. Abflüsse und Grundwasserstände lagen über weite Teile des Jahres unter dem langjährigen Mittel. Größere Hochwasserereignisse blieben aus. Einzelne niederschlagsreiche Phasen führten nur regional und kurzfristig zu Entlastungen.