Riskante Begleiter im Alltag: Wenn falsch entsorgte Akkus brandgefährlich werden

Foto: BMLUK / Rene Hemerka

Anlässlich des „Tages der Batterie“ (18.2.) luden die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Österreichische Bundesfeuerwehrverband am 17.2. zu einem Medientermin der besonderen Art.

Mittels eines Live-Experiments wurde eindrucksvoll demonstriert, welche zerstörerische Kraft in falsch entsorgten Lithium-Akkus steckt. Im Fokus standen dabei die massiven Gefahren für Mensch, Umwelt und die wirtschaftlichen Folgen für Entsorgungsbetriebe.

Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, kabellose Kopfhörer oder elektrische Zahnbürsten – die sehr leistungsstarken und daher sehr praktischen Lithium-Akkus sind aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch bergen sie auch ein enormes Gefahrenpotential: Laut Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen in Österreich jährlich rund 3 Mio. Stück Lithium-Batterien im Restmüll statt in der fachgerechten Sammlung – das entspricht rund 2 Stück pro Tonne Abfall. In den nächsten Jahren könnte sich die Anzahl der im Restmüll befindlichen Lithium-Batterien durch immer mehr Altgeräte auf rund 6 Mio. Stück pro Jahr verdoppeln. Laut dem Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) gab es im Jahr 2025 insgesamt 36 größere Brandereignisse in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, wo in mehreren Fällen falsch entsorgte Lithium-Batterien und -Akkus als Brandursache vermutet werden.

Appell an die Bevölkerung: Jeder Beitrag zählt

Die Abfallwirtschaft ist eine tragende Säule unseres Wirtschaftssystems, entwickelt sich konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Um die Funktionsfähigkeit dieser wichtigen, insbesondere von regionalen und kleinen Betrieben geprägten Infrastruktur zu gewährleisten, ist die fachgerechte Entsorgung von Batterien von entscheidender Bedeutung.

Bereits im Rahmen des Runden Tisches Batterien am 25. September 2025 hat das Ministerium zu einer ganzheitlichen, breit getragenen Öffentlichkeitskampagne aufgerufen, um der steigenden Brandproblematik wirksam zu begegnen. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren wurde daraufhin die Fortführung und Weiterentwicklung der Kampagne „Her mit Leer“ als gemeinsamer Schritt vereinbart.

Es besteht zudem eine dringende Notwendigkeit, das Bewusstsein in der Gesellschaft zur Brand-Thematik noch stärker zu verankern. Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden.

Mangelndes Bewusstsein und steigende Mengen

Während die Inverkehrsetzung von Lithium-Batterien im Jahr 2024 bereits bei rund 46,5 Prozent aller Gerätebatterien lag, hinkt deren Sammelquote mit 13,3 Prozent aus erklärbaren Gründen deutlich hinterher. Dies ist vor allem auf die hohe Langlebigkeit von Lithium-Batterien von zumindest 5-8 Jahren (bei manchen Geräten, die selten genutzt werden, können sie weit über 10 Jahre halten) zurückzuführen, so dass diese Batterien/Akkus erst deutlich zeitverzögert in den Entsorgungsstrom gelangen (Datenquelle: EAK). Das Risiko von Bränden steigt in Recycling-Betrieben und auf Sammelstellen durch den kontinuierlichen Zuwachs der Mengen an, insbesondere aber auch durch Fehlwürfe im Restmüll sowie in Papier- oder Kunststoffbehältern. Besonders gefährlich ist das Unwissen darüber, in welchen alltäglichen Produkten diese Akkus verbaut sind. Neben bekannten Altgeräten, wie Powerbanks, Smartphones und Laptops, bergen auch Gegenstände, an die man nicht sofort denkt, wie E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods und Kinderspielzeug mit verbauten Akkus bei unsachgemäßer Handhabung oder Entsorgung eine Brandgefahr in sich. Viele Akkus enthalten zudem oft noch Restenergie und sind keineswegs ‚leer‘, wenn die Geräte entsorgt werden. Das zeigen etliche Beispiele von Brandfällen in der Vergangenheit.

Abfallwirtschaft: Sechs Brände pro Tag

Für die Entsorgungsbetriebe stellen die zunehmenden Fehlwürfe eine wirtschaftliche Herausforderung dar. In Österreich brennt es in der Abfallwirtschaft statistisch gesehen bis zu sechs Mal pro Tag, wobei nicht jeder dieser Brände auf Lithium-Akkus zurückzuführen ist. Zwischen dem Jahr 2012 und 2024 wurde nach Angaben des VOEB eine Verfünffachung der Brandereignisse verzeichnet. Die Brandgefahr steigt durch falsch entsorgte Lithium-Batterien/Akkus massiv an. Wenn ein solcher Akku im Müllsammelfahrzeug oder in der Sortieranlage zerdrückt bzw. mechanisch beschädigt wird, kann es zum sogenannten ‚thermischen Durchgehen‘ (Thermal Runaway) kommen – einer Kettenreaktion, durch die sich die Temperatur im Akku konstant erhöht, bis es zur Selbstentzündung kommt. Im Restmüll finden diese Akkus ideale Brennbedingungen: Leicht entzündliche Stoffe und große Abfallmengen lassen kleine Funken sofort zum unkontrollierbaren Brandherd werden.

Feuerwehr warnt vor unberechenbarer Gefahr

Wie unberechenbar die Situation für Einsatzkräfte ist, verdeutlichte das Live-Experiment des Bundesfeuerwehrverbandes, bei dem verschiedene Lithium-Akkus durch mechanische Beschädigung zum Thermal Runaway gebracht wurden. Brände dieser Art entzünden gewaltige Abfallmengen. Die Bekämpfung ist langwierig und kann mehrere Tage beanspruchen. Problematisch ist dabei nicht nur der hohe Aufwand an Mannschaft, Gerät und Sonderlöschmittel, sondern auch die erhebliche Schadstoffbelastung in der Luft über einen langen Zeitraum. Zudem stellt das kontaminierte Löschwasser eine zusätzliche Belastung dar, da es aufgefangen und aufwendig entsorgt werden muss.

Die Schäden belaufen sich in Österreich bereits auf mehrstellige Millionenbeträge. Das führt zu einem großen Problem mit Versicherungen: Viele Versicherungsanstalten erhöhen die Prämien drastisch oder steigen ganz aus, da die Schadenssummen nicht mehr kalkulierbar sind. Das ist ein enormes Risiko für die gesamte Recycling-Infrastruktur.