Klima und Umwelt Totschnig/Hattmannsdorfer: 500-Millionen-Euro-Booster für Klimamaßnahmen sowie Bau und Handwerk

Drei Männer in Anzügen stehen nebeneinander vor einer Wand mit Text und Logos des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Forstwirtschaft.
Foto: BMWET, Enzo Holey

Bundesregierung treibt Ausstieg aus Öl und Gas voran und setzt Konjunkturimpuls für KMU als Rückgrat des Standorts.

Österreichs Wirtschaft kommt wieder in Schwung: Die aktuelle WIFO-Prognose erwartet ein Wachstum von 0,9 Prozent für 2026 und 1,3 Prozent für 2027. Die Bundesregierung unterstützt diese Erholung mit gezielten Maßnahmen für Investitionen, wettbewerbsfähige Kosten und weniger Bürokratie. In der Bauwirtschaft bleibt die Entwicklung allerdings verhalten. Gerade deshalb setzt die Sanierungsoffensive zum richtigen Zeitpunkt an: Als Schlüsselbranche ist der Bau ein wichtiger Hebel für den gesamten Aufschwung.

Auch WIFO-Chef Gabriel Felbermayr spricht sich für gezielte Anreize zur thermischen Sanierung aus, um die Konjunktur zu stärken. Mit dem 500-Millionen-Euro-Paket greift die Bundesregierung diesen Ansatz auf und verbindet neue Aufträge für heimische Betriebe mit dauerhaft niedrigeren Energiekosten, weniger Emissionen und setzt einen gezielten Konjunkturimpuls für Green Tech, die Bauwirtschaft und das Handwerk.

Die Sanierungsoffensive soll Treibhausgasemissionen reduzieren, Investitionen anstoßen, regionale Betriebe stärken und Arbeitsplätze sichern. Davon profitieren insbesondere kleine und mittlere Unternehmen – das Rückgrat des österreichischen Wirtschaftsstandorts. Gleichzeitig unterstützt das Paket die Modernisierung von Wohngebäuden, schützt Umwelt und Klima und hilft Haushalten, ihren Energieverbrauch und damit ihre laufenden Kosten dauerhaft zu senken.

Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer: „Die Sanierungsoffensive 2027 reduziert Treibhausgasemissionen, sorgt für neue Aufträge und Aufschwung für heimische Unternehmen, schafft neue und sichert bestehende Arbeitsplätze und führt zu geringeren Energiekosten. So funktioniert Klimaschutz mit wirtschaftlichem Hausverstand.“

„Wer sein Zuhause saniert oder auf eine klimafreundliche Heizung umsteigt, verbraucht weniger Energie und kann seine laufenden Kosten dauerhaft senken. Gleichzeitig entstehen Aufträge für regionale Unternehmen. Zudem setzen wir damit auf heimische erneuerbare Energie und machen uns Schritt für Schritt unabhängiger von importiertem Öl und Gas. Wir sparen 242.700 Tonnen C02 pro Jahr ein und lösen eine jährliche Wertschöpfung in Höhe von 2,1 Mrd. Euro aus. Die Sanierungsoffensive ist somit ein Paradebeispiel dafür, wie Klimaschutz und wirtschaftlicher Aufschwung erfolgreich kombiniert werden können. Außerdem reagieren wir auf den Hitzesommer und führen einen neuen Bonus für Verschattung und Gebäudebegrünung ein“, erklärt Umwelt- und Klimaminister Norbert Totschnig.

„Wer die Konjunktur in Schwung bringen will, muss beim Bau ansetzen. Mit unserem Baukonjunktur-Booster schaffen wir gezielte Anreize für Sanierungen und bringen damit private Investitionen in Gang. Davon profitieren unsere KMU ganz konkret: Jede Sanierung bringt dem Bauunternehmen, dem Installateur oder dem Fensterbauer einen Auftrag und sichert Beschäftigung vor Ort. So verbinden wir volle Auftragsbücher mit dauerhaft niedrigeren Energiekosten für die Menschen und stärken die Wirtschaft in unseren Regionen“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.

KPC-Abteilungsleiter Andreas Vidic: „Mit unserer langjährigen Erfahrung im Bereich der Umweltförderungen und unseren ausgewiesenen Fachexpert:innen stellt die KPC das essenzielle Bindeglied zwischen politischer Zielsetzung und konkreten Projektumsetzungen dar. Unsere Aufgabe ist es, eine effiziente und zielorientierte Förderungsabwicklung zu gewährleisten. Dadurch können die angestrebten Ziele erreicht und die Sanierungsoffensive zu einer Erfolgsgeschichte für Klimaschutz und Wirtschaftswachstum werden.“

Konjunkturimpuls für regionale Betriebe und Beschäftigung

Die Bauwirtschaft ist ein wichtiger Konjunkturmotor. Der gesamte Bausektor einschließlich Bauinstallation und Ausbaugewerken umfasste 2024 mehr als 43.000 Unternehmen und rund 305.000 unselbständig Beschäftigte. Seine Bruttowertschöpfung lag bei 27,6 Milliarden Euro. Bau- und Sanierungsaufträge schaffen darüber hinaus Nachfrage bei Herstellern, Zulieferern und im Handel.

Die Sanierungsoffensive setzt dort an, wo Investitionen unmittelbar regionale Betriebe erreichen: bei der Dämmung von Gebäuden, beim Austausch von Fenstern und bei der Erneuerung von Heizungen. Sie soll Haushalten und Wohnbauträgern Investitionsentscheidungen erleichtern und den ausführenden Unternehmen eine verlässlichere Grundlage für ihre Auftrags- und Personalplanung geben.

500 Millionen Euro für Heizen und Sanieren

Das Förderbudget für 2027 verteilt sich auf vier Schwerpunkte:

  • 179 Millionen Euro aus dem BMLUK für den Kesseltausch.
  • 181 Millionen Euro aus dem BMLUK für thermisch-energetische Sanierungen, insbesondere im mehrgeschoßigen Wohnbau.
  • 90 Millionen Euro aus dem BMWET für Sanierungen von Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäusern.
  • 50 Millionen Euro aus dem BMWET für thermische Sanierungen durch gemeinnützige Bauvereinigungen.

Damit stehen insgesamt 321 Millionen Euro für Sanierungen und 179 Millionen Euro für den Kesseltausch bereit. Das Wirtschaftsministerium trägt 140 Millionen Euro aus dem Energieeffizienzfonds bei. Er übernimmt den Sanierungsbonus für Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäuser und führt die Unterstützung für gemeinnützige Bauvereinigungen fort. Durch die Beteiligung des BMWET werden die insgesamt verfügbaren Mittel für die thermische Sanierung von Wohngebäuden ausgeweitet.

Höhere Effizienz beim Kesseltausch

Die Förderungen für den Kesseltausch werden zudem deutlich effizienter gestaltet: In der vorigen Legislaturperiode lagen sie noch bei rd. 75 %, wurden 2026 auf rund 30 % reduziert und 2027 werden sie rund 20 % betragen. Das bedeutet: Mehr Wirkung pro eingesetztem Euro Steuergeld.

Made in Europe und hohe Wertschöpfung in Österreich

Ein zentraler Anspruch ist Made in Europe: Die im Rahmen dieser Förderungen gesetzten Investitionen sollen nach Möglichkeit auch den Zielen der Stärkung der europäischen (EWR und Schweiz) Wertschöpfung der technologischen Souveränität sowie resilienter Lieferketten Rechnung tragen (Made in Europe).

„Unser Steuergeld soll europäische Wertschöpfung stärken und möglichst viel davon soll in Österreich ankommen. Bei thermischen Sanierungen bleiben rund 90 Prozent der Wertschöpfung im Inland. Damit unterstützen wir gezielt unsere regionalen Bau- und Handwerksbetriebe. Diese Investitionen wirken mehrfach: als Auftrag für das Unternehmen, als Beschäftigung in der Region und als geringerer Energieverbrauch im eigenen Zuhause“, unterstreicht Hattmannsdorfer.

„Gut sanierte Gebäude benötigen dauerhaft weniger Energie. Das kann die laufenden Energiekosten senken, reduziert die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und leistet einen wirksamen und konstruktiven Beitrag zum Klimaschutz“, so Totschnig.

Einfachere Förderungen und weniger Bürokratie

Die Förderangebote für die thermisch-energetische Sanierung von Wohngebäuden werden unter einem gemeinsamen Dach gebündelt. Das erleichtert die Orientierung für Haushalte und Wohnbauträger ebenso wie für Betriebe, die ihre Kunden bei der Umsetzung begleiten.

Die Einreichverfahren werden vereinheitlicht; Vorabregistrierungen entfallen. Vorgesehen ist ein gemeinsamer Ablauf mit Antragstellung, Genehmigung und anschließender Endabrechnung. Bei rasch umsetzbaren Projekten soll eine Auftragsbestätigung die Verbindlichkeit erhöhen und dazu beitragen, dass reservierte Mittel tatsächlich eingesetzt werden.

Zugleich wird die Förderlandschaft im Energieeffizienzfonds gestrafft: Aus bisher 13 Programmen werden vier. Damit werden Empfehlungen aus der Prognos-Studie aufgegriffen und die Mittel auf übersichtlichere Angebote konzentriert.

Unterstützt werden weiterhin umfassende Sanierungen und Teilsanierungen. Vorgesehen sind auch Angebote für einzelne Bauteile wie Fenster, Außenwände sowie oberste und unterste Geschoßdecken. Im mehrgeschoßigen Wohnbau sollen außerdem der Fenstertausch in einzelnen Wohnungen und Gebäudebegrünungen unterstützt werden.

Kesseltausch startet noch im November

Bereits am 2. November 2026 soll die Förderaktion für den Kesseltausch in Ein-, Zweifamilien- und Reihenhäusern wieder geöffnet werden. Dafür werden Rückflüsse aus stornierten Projekten, nicht umgesetzten Vorhaben und verfallenen Registrierungen erneut eingesetzt. Bis Jahresende werden rund 20 Millionen Euro erwartet.

Für den Wechsel von fossilen Heizsystemen sind folgende Pauschalen vorgesehen:

  • 4.000 Euro für den Anschluss an Fernwärme.
  • 5.000 Euro für Wärmepumpen.
  • 6.000 Euro für Holzheizungen.

Der Bohrbonus für Wärmepumpen und der Solarbonus bleiben bestehen. Die Förderhöhen werden bereits beim Neustart an das für 2027 vorgesehene Niveau angepasst.

Start 2027 und Unterstützung für einkommensschwache Haushalte

Die neue Sanierungsoffensive soll am 4. Jänner 2027 starten. Einzelne fachliche und technische Details werden noch abgestimmt; die finalen Förderbestimmungen und Informationsblätter sollen im Dezember beschlossen werden. Vorgesehen ist auch eine Fördermodalität, bei der Zuschüsse in pauschalierten Teilbeträgen über einen bestimmten Zeitraum ausgezahlt werden können.

Für einkommensschwache Haushalte soll „Sauber Heizen für Alle“ und Fördermöglichkeiten im mehrgeschoßigen Wohnbau über den Klimasozialfonds weiterentwickelt und in die Sanierungsoffensive integriert werden. Künftig sollen auch mildtätige und gemeinnützige Organisationen durch das Förderangebot der Sanierungsoffensive direkt adressiert werden. Insgesamt sind dafür bis 2032 rund 439 Millionen Euro für erneuerbare Heizungen, Fenstertausch und thermisch-energetische Sanierungen vorgesehen. Die durch den österreichischen Klimasozialplan vorgesehenen Maßnahmen werden im Einvernehmen mit der Europäischen Kommission umgesetzt und bedarf dessen Genehmigung.

Faktenblatt zur österreichischen Bauwirtschaft

Schlüsselbranche für den Standort

Kennzahl Wert 2024
Unternehmen im gesamten Bausektor 43.120
Unselbständig Beschäftigte 305.457
Beschäftigte insgesamt, einschließlich selbständig Tätiger 352.478
Umsatz 72,2 Milliarden Euro
Bruttowertschöpfung 27,6 Milliarden Euro

Die Zahlen beziehen sich auf den gesamten Bausektor einschließlich Bauinstallation und Ausbaugewerken. Seine wirtschaftliche Bedeutung reicht über die Branche hinaus: Aufträge schaffen Nachfrage bei Zulieferern, Herstellern und im Handel. Quelle: Statistik Austria, aufbereitet durch die WKO.

Mehrjährige Schwäche

  • Die reale Wertschöpfung des Bausektors lag 2025 23 Prozent unter dem Niveau von 2018.
  • Der Rückgang hat sich zuletzt abgeschwächt: 2025 betrug er noch 0,5 Prozent.
  • Die Zahl der unselbständig Beschäftigten lag 2025 5,7 Prozent unter dem Niveau von 2022.

Wohnungsneubau besonders betroffen

Jahr Bewilligte Wohnungen in neuen Gebäuden
2021 65.136
2022 53.994
2023 37.517
2024 34.422
2025 31.979

2025 sank die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Zeitreihe 2010. Die Ergebnisse für 2023 bis 2025 sind vorläufig. Bewilligungen sind ein Frühindikator und nicht mit Baustarts oder Fertigstellungen gleichzusetzen.

Erste Stabilisierung, weiterhin Unterstützungsbedarf

Die Konjunkturerhebung der Bundesinnung Bau und der KMU Forschung Austria für das zweite Quartal 2026 zeigt:

  • Die durchschnittliche Reichweite der Auftragsbestände stieg auf 16,7 Wochen, nach 15,5 Wochen im Vorjahresquartal.
  • 35 Prozent der befragten Betriebe bewerteten ihre Geschäftslage als schlecht, 19 Prozent als gut.
  • 33 Prozent erwarteten sinkende Auftragseingänge, 18 Prozent steigende.

An der Erhebung beteiligten sich 339 Betriebe mit rund 9.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse beziehen sich auf das Baugewerbe.

EY erwartet für 2026 eine Bodenbildung. Das reale Bauvolumen dürfte bei 51,7 Milliarden Euro liegen, nach 58,7 Milliarden Euro 2021, jeweils zu Preisen von 2025. Für den Wohnungsneubau wird ein leichtes reales Plus von 0,6 Prozent prognostiziert; ein breiter Aufschwung der gesamten Bauwirtschaft wird jedoch noch nicht erwartet.

Sanierung als Impuls für KMU

Sanierungen schaffen konkrete Aufträge für Bauunternehmen, Installateure, Fensterhersteller und weitere regionale Betriebe. Laut BMWET-Hintergrundinformation bleiben dabei rund 90 Prozent der Wertschöpfung im Inland. Die Sanierungsoffensive verbindet damit Investitionsanreize für Haushalte mit Aufträgen für KMU, Beschäftigung in den Regionen und einem dauerhaft geringeren Energieverbrauch.