Anpassung an die Folgen des Klimawandels – aber richtig!

Anpassung an die Folgen des Klimawandels gewinnt zunehmend an Bedeutung. Damit Anpassung langfristig erfolgreich ist, muss sie nachhaltig, effizient und sozial ausgewogen sein. Eine Reihe von Kriterien trägt dazu bei, Anpassung so zu konzipieren und umzusetzen, dass sie in die richtige Richtung geht.

Wir erleben derzeit eine beispiellose globale Klimakrise, die in den letzten Jahrzehnten deutlich an Brisanz zugenommen hat. Die Auswirkungen betreffen uns alle – hier und jetzt. Doch selbst bei einem vollständigen Stopp des Ausstoßes an Treibhausgasen ist eine weitere Temperaturerhöhung unvermeidbar. Die bisher emittierten Treibhausgase wirken noch viele Jahrzehnte in der Atmosphäre weiter. Es braucht daher beides: Klimaschutz und Anpassung an Auswirkungen des Klimawandels. In der österreichischen Anpassungsstrategie werden in 14 unterschiedlichen Aktivitätsfeldern eine Vielzahl an erforderlichen Handlungsschritten und Maßnahmen angeführt.

Gut durchdacht, geplant und umgesetzt

Die Folgen des Klimawandels betreffen viele unterschiedliche Sektoren, die oft eng miteinander verbunden sind. Die Möglichkeiten der Anpassung sind vielfältig und reichen von bewusstseinsbildenden Maßnahmen zum richtigen Verhalten bei Hitze, über mehr Grün in der Stadt bis zu technischen Bauten zum Schutz vor Naturgefahren. Bei der Planung und Umsetzung von Maßnahmen setzen sich die handelnden Personen immer wieder mit ähnlichen Fragen auseinander wie z. B.: Erzielt die Maßnahme eine ausreichende und langfristige Wirkung? Werden durch die Umsetzung die Umwelt oder andere Bereiche beeinträchtigt oder steht sie im Widerspruch zum Klimaschutz?

Gute Praxis der Anpassung

Damit Anpassungsmaßnahmen erfolgreich sind, müssen sie daher gut durchdacht, geplant und umgesetzt werden. Gute Praxis der Anpassung geht mit den Zielen einer Nachhaltigen Entwicklung und mit Klimaschutz Hand in Hand. Um sie zu erreichen, stehen stehen sechs Leitprinzipien zur Verfügung:

GUTE ANPASSUNG IST …

1. systemisch wirksam

  • sie steigert die Resilienz und baut Anpassungskapazitäten auf
  • sie vermeidet die Verlagerung oder Verstärkung bestehender Verwundbarkeiten
  • sie berücksichtigt Wechselwirkungen, Zielkonflikte und systemische Risiken, die durch schleichende Veränderungen oder Klimarisiken entstehe

2. ökologisch nachhaltig und emissionsmindernd

  • sie erhält oder fördert die Biodiversität und setzt auf naturbasierte Lösungen

  • sie erhält oder verbessert die Funktion von Ökosystemen

  • sie reduziert langfristig den Ressourcenverbrauch

  • sie vermeidet zusätzliche Treibhausgasemissionen oder reduziert diese

3. sozial gerecht und partizipativ

  • sie ist sozial ausgewogen oder trägt zur Verringerung von Ungleichheiten durch faire Kostenverteilung bei

  • sie berücksichtigt die besonderen Bedürfnisse vulnerabler Gruppen

  • sie gewährleistet transparente Kommunikation und die Einbindung relevanter Akteur:innen

4.  ökonomisch nachhaltig

  • sie berücksichtigt die Kosten des Nichthandelns

  • sie priorisiert Maßnahmen auf Basis langfristiger Kosten und Nutzen

  • sie setzt öffentliche Mittel transparent, gemeinwohlorientiert und langfristig wirksam ein

5.  klar gesteuert und langfristig institutionell verankert

  • sie verfügt über klare Zuständigkeiten, Entscheidungskompetenzen und ausreichende Ressourcen

  • sie wird von zuständigen Entscheidungstragenden aktiv unterstützt

  • sie wird durch eine kontinuierliche Zuständigkeit (Kümmer:innenfunktion) dauerhaft begleitet

  • sie stellt Koordination zwischen relevanten Akteur:innen und Ebenen sicher

6.  vorausschauend, proaktiv, lernfähig und prozessintegriert

  • sie denkt Maßnahmen frühzeitig durch und setzt sie rechtzeitig um
  • sie berücksichtigt den gesamten Planungs- und Lebenszyklus von Maßnahmen
  • sie basiert auf fundierten Daten, lokalem Wissen und Klimaszenarien
  • sie umfasst Monitoring, Evaluierung und systematisches Lernen
  • sie ist flexibel steuerbar und berücksichtigt die Grenzen der Anpassung

Anpassungsprozesse, die sich an den oben dargestellten Leitprinzipien orientieren, vermeiden hohe monetäre, soziale und ökologische Folgekosten, die durch unzureichende oder fehlgeleitete Anpassung entstehen können. Gleichzeitig eröffnen sie neue Chancen und ermöglichen es, bestehende Potenziale gezielt zu nutzen.

Da die Auswirkungen des Klimawandels viele Bereiche und Sektoren betreffen, ist es besonders wichtig, Maßnahmen im Sinne der guten Anpassung ganzheitlich zu denken und Synergien zu nutzen. Naturbasierte Lösungen zeigen das besonders gut: Sie erfüllen mehrere Funktionen gleichzeitig und bringen zusätzliche Vorteile für Umwelt und Gesellschaft.

Hinweis

Die Sicherstellung guter Praxis der Anpassung ist alternativlos, sie ist das Herz- und Kernstück eines verantwortungsbewussten Umgangs mit den Folgen des Klimawandels. Es muss Sorge dafür getragen werden, dass heutige und zukünftige Generationen nicht den Preis für kurzsichtig getroffene Fehlentscheidungen bezahlen.

Vermeidung von Fehlanpassung

Für eine erfolgreiche und wirksame Anpassung ist die Vermeidung von Fehlanpassung als wesentliche Zielsetzung in der österreichischen Anpassungsstrategie verankert. Um zum Beispiel spontane Fehlanpassung als unmittelbare reaktive Antwort auf Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, ist es im Zuge der Planung und Umsetzung von Maßnahmen notwendig, sich damit zu befassen, wie diese zu verhindern ist. Auch lange Nutzungszeiträume, wie dies bei der Errichtung von Infrastrukturen oder in der Forstwirtschaft der Fall ist, unterstreichen die Notwendigkeit Fehlanpassung zu vermeiden. Maßnahmen müssen bereits heute so konzipiert und umgesetzt werden, um auf die klimatischen Bedingungen in 30, 50 oder mehr Jahren vorbereitet zu sein. 

Während für die Entwicklung von Anpassungsstrategien und Aktionsplänen Leitfäden und Handbücher vorliegen, finden sich bislang erst wenige Ansätze, die sich systematisch mit der Vermeidung von Fehlanpassung befassen und Orientierung bei der Beurteilung zur Vermeidung von Fehlanpassung bzw. von guter Anpassung geben. Daher wurden erste Überlegungen und Ideen entwickelt, wie Fehlanpassung vermieden und eine qualitativ hochwertige, gute Anpassung auf Basis der bereits vorliegenden Kriterien im gesamten Anpassungsprozess sichergestellt werden kann.

Fehlanpassung adressieren – Herausforderungen und Lösungsansätze (PDF, 1003 KB)