UFI-Projekt April 2026
Dekarbonisierung zum Anstoßen: mehr Bier, weniger CO2.
Toifl elektrifiziert die Brauerei und verdoppelt die Sudleistung
Was vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Kauf eines Baggers und dem Bau eines kleinen Blockhauses begann, hat sich zu einem vielseitigen Tourismus‑ und Gastronomiebetrieb in Gallien - bei 3753 Pernegg, nördlich von Wien - entwickelt. Der familiengeführte Betrieb Toifl steht heute für gelebte Gastfreundschaft, unternehmerische Entwicklungskraft und eine klare Vision: Urlaub, Geselligkeit und Erholung sollen untrennbar mit Gallien verbunden werden. In der Hauptsaison beschäftigt das Familienunternehmen rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Ein zentraler Bestandteil dieses Angebots ist die betriebseigene Brauerei. Im Rahmen einer umfassenden technischen Optimierung wird die bestehende Brauanlage von Flüssiggas auf eine Elektro‑/Dampflösung umgestellt. Gleichzeitig wird die Produktionskapazität deutlich erhöht. Damit setzt die Brauerei Toifl konsequent auf Energieeffizienz, Klimaschutz und Zukunftssicherheit.
Die elektronisch gesteuerte Brauanlage wird von ursprünglich 1.000 Litern auf 2.000 Liter pro Sud erweitert. Der Brau‑ und Maischkessel wird künftig dampfbeheizt und elektrisch betrieben. Die dafür erforderliche Energie stammt überwiegend aus betriebseigenen Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 225 kWp, die auf den Dächern der Brauerei installiert sind.
Auch im Gärbereich erfolgt ein gezielter Ausbau: Zusätzlich zu den bestehenden Tanks kommen neue zyklisch‑konische Gärtanks (ZKG) zum Einsatz. Die Kühlung erfolgt über bereits genehmigte und geprüfte Kälteaggregate. Ergänzt wird das Projekt durch vergrößerte Warm‑ und Kaltwasserspeicher, einen CE‑ und TÜV‑zertifizierten Elektro‑Dampfboiler sowie eine Wasserenthärtungsanlage. Die bauliche Struktur des Brauraums bleibt unverändert.
Eine besondere Rolle spielt die konsequente Nutzung von Abwärme. Beim Brauprozess fällt durch die zahlreichen Kühlanlagen kontinuierlich Wärme an. Durch eine geförderte Wärmerückgewinnungsanlage wird diese Energie nun effizient genutzt, um die gesamte Brauerei zu beheizen. Dadurch konnten die Heizkosten nahezu auf null reduziert werden. Für den Betrieb ist dieses Projekt ein echtes Herzensanliegen und Ausdruck des eigenen Leitbildes: „Von der Natur, mit der Natur, für die Natur.“
Der ökologische Effekt ist deutlich messbar: Durch den Ersatz von Flüssiggas durch Ökostrom, die optimierte Ressourcennutzung und effizientere Produktionsprozesse werden jährlich rund 98 MWh Flüssiggas und somit 96 Prozent CO2, eingespart – das entspricht etwa 27 Tonnen.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie auch kleinere, regional verankerte Betriebe mit gezielten Investitionen und dem Einsatz erneuerbarer Energie einen wirksamen Beitrag zur Dekarbonisierung energieintensiver Produktionsprozesse leisten können – und dabei Wirtschaftlichkeit, Qualität und Nachhaltigkeit erfolgreich verbinden.
Insgesamt investiert die Brauerei rund 440.670 Euro in das Projekt. Davon werden etwa 40.635 Euro durch Mittel der Umweltförderung im Inland unterstützt. Die Förderungsabwicklung erfolgt durch die Kommunalkredit Public Consulting (KPC) im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).