Großes Walsertal
Im Biosphärenpark Großes Walsertal ist Beteiligung die Grundlage nachhaltiger Regionalentwicklung. Der Prozess „Übergänge gestalten“ stärkte die Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung, Fachwelt und Bevölkerung. Mit Regionalplan, Regionalparlament, Beirat fürs Tal und Werkstatt fürs Tal entstanden dauerhafte Strukturen für eine lernende, integrierte und gemeinsam verantwortete Regionalentwicklung.
Kurzprofil zur Region
Die Region Großes Walsertal liegt im Herzen Vorarlbergs und umfasst die sechs Gemeinden Blons, Fontanella, Raggal, Sonntag, St. Gerold und Thüringerberg. Rund 3.500 Menschen leben in der alpinen Modellregion, die durch ihre vielfältige Kulturlandschaft, steile Hanglagen und eine starke Walser Identität geprägt ist. Die anspruchsvolle Topografie beeinflusst bis heute die Landbewirtschaftung und das Zusammenleben im Tal. Als UNESCO-Biosphärenpark versteht die Region Natur, Kultur und Gesellschaft als Grundlage einer nachhaltigen Regionalentwicklung und orientiert sich dabei an den Zielen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen. Rückblickend zeigt sich, dass viele erfolgreiche Entwicklungen im Großen Walsertal auf einer breiten Beteiligung regionaler Akteur:innen beruhen. Die gemeinsame Entwicklung stärkt die Identifikation mit den Ergebnissen und schafft eine hohe Akzeptanz für deren Umsetzung.
Ansprechstellen oder Personen
- Agendabüro/Kernteam vor Ort: Biosphärenpark Großes Walsertal GmbH, Biosphärenpark Manager Matthias Merta
- Prozessbegleiter:in: u.a. Büro sentum und E.C.O. – Institut für Ökologie
- Leitstelle (zur Lokalen Agenda) im Bundesland: Amt der Vorarlberger Landesregierung – Abteilung Umwelt- und Klimaschutz, DIin Julia Bereuter-Stadelmann
Prozessverlauf
Einen wesentlichen Impuls für die Weiterentwicklung der bereits seit über 50 Jahren bestehenden gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit lieferte der Prozess „Übergänge gestalten“ (gefördert über LEADER, Begleitung durch das Büro „sentum“). Im Mittelpunkt stand die Frage, wie politische Entscheidungen, fachliche Expertise und die Perspektiven der Bevölkerung künftig noch besser miteinander verbunden werden können. Der Prozess markierte den Übergang von projektbezogener zu dauerhafter Beteiligung, von sektoralen Einzelstrategien zu einer integrierten Regionalentwicklung sowie von einer klassischen Verwaltungssteuerung hin zu geteilter Verantwortung zwischen Politik, Verwaltung, Fachexpertise und Bevölkerung. Gleichzeitig wurden die Grundlagen für eine lernende und anpassungsfähige regionale Governance geschaffen.
Die Erfahrungen aus diesem Prozess haben gezeigt, dass Beteiligung langfristige Strukturen benötigt, um über einzelne Projekte und Strategien hinaus wirksam zu bleiben. Vor diesem Hintergrund wurden mit dem Regionalparlament, dem Regionalplan Biosphärenpark Großes Walsertal, der Werkstatt fürs Tal und dem Beirat fürs Tal vier aufeinander abgestimmte Bausteine entwickelt, die Beteiligung dauerhaft als Bestandteil der regionalen Governance verankern.
Projekte und Aktionen
Als Ergebnis des Prozesses „Übergänge gestalten“ wurden vier aufeinander abgestimmte Bausteine entwickelt, die Beteiligung dauerhaft in der regionalen Governance verankern:
Regionalplan Biosphärenpark Großes Walsertal (finanziert durch das Land Vorarlberg, Projektbegleitung durch E.C.O): Der Regionalplan bildet die integrierte Entwicklungsstrategie der Region. Über einen Zeitraum von rund zwei Jahren wurden die regionalen politischen Gremien, Bürgermeister:innen, Gemeindevertretungen der sechs Gemeinden, mehr als 150 regionale Akteur:innen aus unterschiedlichen Fach- und Interessensbereichen sowie die zuständigen Abteilungen des Landes Vorarlberg und externe Fachbüros in den Entwicklungsprozess eingebunden. In mehreren Beteiligungsformaten, u.a. der digitalen Beteiligungsplattform des Landes Vorarlberg (https://vorarlberg.mitdenken.online/participation/project/f2c920f1-4e01-4bd5-a084-23da78b68451), wurden relevante Themen und Perspektiven aufgenommen. Diese wurden im nächsten Schritt in politische Entscheidungsfindungen eingebettet mit dem Ergebnis eines einstimmig beschlossenen Leitbilds und zugehörigen politischen Zielsetzungen für die nachhaltige Entwicklung der Region. Als integrierte Entwicklungsstrategie bündelt der Regionalplan bestehende Strategien, regionale Entwicklungskonzepte und Förderprogramme – darunter REGIO, Ländliche Entwicklung (LE), die Klima- und Energie-Modellregion (KEM) sowie die KLAR!-Region – in einem gemeinsamen strategischen Rahmen. Dadurch schafft er eine abgestimmte Grundlage für die zukünftige Regionalentwicklung und die Umsetzung der Sustainable Development Goals (SDGs) auf regionaler Ebene: www.grosseswalsertal.at/de/Leitbild_1
Regionalparlament: Das Regionalparlament bildet das politische Forum der regionalen Zusammenarbeit. Es bringt die Gemeindevertretungen der sechs Gemeinden regelmäßig zusammen, stärkt den gemeindeübergreifenden Austausch und fördert die gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung des Großen Walsertals. Alle Entscheidungen, die talweit zu treffen sind, und politisch (nach Gemeindegesetz und Finanzverordnung) in den Gemeinden zur Abstimmung gebracht werden müssen, werden hier behandelt.
Beirat fürs Tal: Der Beirat fürs Tal ergänzt die Beteiligungsstrukturen als gelostes Bürger:innengremium. Er bringt unterschiedliche Perspektiven der Bevölkerung in strategische Zukunftsfragen ein, begleitet ausgewählte Themen der Regionalentwicklung mit Empfehlungen und stärkt den Dialog zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung.
Werkstatt fürs Tal: Die Werkstatt fürs Tal ist ein offenes Beteiligungsformat, das alle zwei Jahre einem regionalen Zukunftsthema gewidmet ist. In Workshops und Dialogveranstaltungen erhalten Bürger:innen und regionale Akteur:innen die Möglichkeit, Ideen einzubringen, gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und die Zukunft des Großen Walsertals aktiv mitzugestalten: www.grosseswalsertal.at/de/Werkstatt_fuers_Tal
Ausblick
Die vier beschriebenen Bausteine bilden die Grundlage für eine kontinuierliche und lernende Regionalentwicklung im UNESCO-Biosphärenpark Großes Walsertal. Ziel ist es, Beteiligung dauerhaft in der regionalen Governance zu verankern, Strategien gemeinsam weiterzuentwickeln und die Umsetzung der Agenda 2030 als gemeinsame Verantwortung zu gestalten.
Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Projekte oder Beteiligungsformate, sondern eine langfristig angelegte Governance-Struktur, die Politik, Verwaltung, Fachwelt und Bevölkerung miteinander verbindet. Sie befähigt die Region, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, auf neue Herausforderungen flexibel zu reagieren und nachhaltige Entwicklung gemeinsam zu gestalten.